Christiane Bals berichtet von den letzten Etappen des ökumenischen Klimapilgerweges
Es gibt keinen Planeten B
Trotz der Anschläge von Paris herrschte große Solidarität in Bussy-St. Georges
Andernach. „Jetzt sind wir wirklich in Paris“, Andreas Kalle aus Bielefeld kann es kaum glauben. Bereits im Oktober schloss er sich dem ökumenischen Klimapilgerweg an, der schließlich auch durch Andernach kam. Fünf Pilger haben den gesamten Weg von Flensburg nach Paris zu Fuß zurückgelegt: 1400 km. Jetzt, am Place de la Bastille angelangt, strahlen sie. "Das war von A bis Z eine spannende Erfahrung und ich würde sofort wieder mitmachen", schwärmt Kalle. Aber auch die Pilger, die nur eine Teilstrecke mitgegangen sind, freuen sich, dass sie nun rechtzeitig zu Beginn der Klimaverhandlungen in der französischen Hauptstadt eingetroffen sind. Am Place de la République betrachten sie schweigend die vielen Kerzen, Blumen und Kränze, die dort im Gedenken an die Opfer der Attentate vom 13. November liegen. "Als wir von den Terroranschlägen erfuhren, waren wir gerade den ersten Tag in Frankreich unterwegs", erinnert sich Kalle‚ "aber wir alle, Franzosen und Deutsche, wollten den Pilgerweg zu Ende gehen. Mit jedem Schritt war uns plötzlich klar, dass wir uns von da an nicht mehr nur für Klimagerechtigkeit einsetzen, sondern auch für Versöhnung." Beeindruckend, dass die deutsch-französische Freundschaft nun selber Fundament für weitere Versöhnung ist und sich globale Ziele setzt. „Ich möchte ausdrücken, dass es mir wirklich ernst ist", meint etwa Marlene aus einem kleinen Dorf im Elsass, "die fortschreitende Erderwärmung und der Klimawandel bedrohen das Überleben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Das treibt mich an und da lasse ich mich auch nicht von Terroristen aufhalten. Es gibt keinen Planeten B." Die Organisatoren auf französischer Seite sind berührt über die Solidarität. "Wir haben schon befürchtet, dass alle Pilger abbrechen und nach Hause zurückkehren", Pfarrer Dominique Fontaine ist erleichtert, "seit Monaten bereiten wir uns auf die Begegnung vor und nun sind wir froh, dass wir alle Pilger willkommen heißen dürfen.“ Dennoch überschatten die Anschläge die letzten beiden Etappen des Pilgerweges, da sie von der Polizei genehmigt werden mussten. Umso herzlicher begrüßen gleich fünf Religionsgemeinschaften die Pilger in Bussy-St. Georges, einer Vorstadt von Paris. Erst besichtigen die Besucher die buddhistische Pagode, dann essen sie gemeinsam zu Abend. Grußworte der jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubensgemeinschaften heißen sie willkommen. "Wir möchten ein lebendiges Beispiel dafür sein, dass es möglich ist, gemeinsam in Vielfalt zu leben und möchten Sie alle ermutigen, es uns gleich zu tun", wünscht sich Fontaine, katholischer Pfarrer der Kirche Notre Dame du Val. In Paris selber mündet der ökumenische deutsch-französische Pilgerweg in einen internationalen Strom von Pilgern. Britische Fahrradfahrer tragen gelbe Sicherheitswesten mit den Lettern: Laudato Si - Paris 21. Die Enzyklika des Papstes hat sie motiviert, sich auf den Weg zur 21. UN Klimaverhandlung zu machen. Internationale Jugendliche kommen aus Rom. Unter ihnen ein junger Mann aus den Philippinen, der seit 2013 unterwegs ist, nachdem der Wirbelsturm Haiyan sein Heimatdorf verwüstete. "Der Klimawandel ist in meiner Heimat täglich spürbar, besonders die Menschen sind davon betroffen, die nicht zu der Erwärmung beitragen. Das kann ich nicht länger mit ansehen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Menschen in den reichen Ländern davon erfahren und ihren Lebensstil vereinfachen." Auch zwei Radpilger aus Vietnam berichten, dass sie auf ihrer wochenlangen Tour nicht nur Gastfreundschaft genießen konnten, sondern immer wieder die Auswirkungen des Klimawandels zu Gesicht bekamen. Fast zwei Millionen gesammelte Unterschriften übergeben alle nun den Verantwortlichen der Klimakonferenz. Christiana Figueres, Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der UNO ist sichtlich gerührt: "Ich danke Ihnen allen für ihr unglaubliches persönliches Engagement. Für jeden einzelnen Schritt, den sie gemacht haben. Sie zeigen, dass es möglich ist, zärtlich mit der Erde umzugehen, große Entfernungen zurückzulegen und dabei keine Klimagase auszustoßen." Insgesamt haben die Pilger eine Kilometerzahl zurückgelegt, mit der sie die Erde siebenmal umrundet haben - eine eindringliche Ermutigung für die Verantwortlichen, die Klimaverhandlungen in Paris genauso engagiert zu führen und sich gemeinsam auf verbindliche Reduktionsziele von CO2 und anderen Treibhausgasen zu verständigen.
Christiane Bals
