Flüchtlingsbetreuung und -integration gelingt nur mit ehrenamtlicher Hilfe
Landrat Dr. Alexander Saftig würdigte Engagement beim „Tag des Ehrenamts“
KREIS MYK. Rund 1500 Flüchtlinge sind seit Jahresbeginn in Mayen-Koblenz aufgenommen worden, und jede Woche kommen 80 weitere hinzu. Eine gewaltige Aufgabe für den Landkreis, die Städte und Verbandsgemeinden, die ohne den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer nicht zu schaffen wäre. Grund genug für Landrat Dr. Alexander Saftig, deren Engagement beim „Tag des Ehrenamts“ in den Fokus zu rücken und zu würdigen.
„In diesem Jahr war es einfach zu entscheiden, welcher Personengruppe wir mit dem Tag des Ehrenamts danken wollen, denn kein Thema bewegte uns in 2015 mehr als die Flüchtlingsthematik“, sagt der Landrat bei der Feierstunde in der Plaidter Hummerichhalle. „Die Bewältigung der Flüchtlingssituation ist sicherlich eine der größten Herausforderungen unserer Tage. So vielen Menschen, die vor Gewalt, Krieg und Terror in unserem Land Schutz suchen, eine neue Perspektive zu geben, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der wir uns werden messen lassen müssen.“
Saftig betonte, dass die Unterbringung und die anschließende Integration der Flüchtlinge zwei Seiten derselben Medaille sind: „Anders geht es auch nicht. Politik und Verwaltung schaffen die Rahmenbedingungen, was uns bis jetzt mit einem großen organisatorischen Einsatz auch gut gelungen ist. Doch mit guten Rahmenbedingungen alleine kann eine Integration des einzelnen Flüchtlings vor Ort nicht gelingen. Hier sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Nur durch Ihre Hilfe können die Menschen in das gesellschaftliche Leben eingebunden werden.“
Der Landrat konnte viele Beispiele gelungener Aktionen nennen: „Beim Tag des Flüchtlings der Initiative ´Fremde werden Freunde Pellenz´ in der Hummerichhalle berichtete Anton Shakouri von seinen Erlebnissen auf dem Seenotrettungsschiff ´Sea Watch´ und ein Flüchtlingsboot wurde ausgestellt. Der Reporter Ruben Neugebauer aus Berlin berichtete von seinen Erfahrungen in einem syrischen Flüchtlingslager. Die Katholische und Evangelische Jugend in Vallendar organisierte ein Volleyballturnier für und mit jungen Flüchtlingen. In gemischten Mannschaften wurde nicht nur sportlich gegeneinander angetreten, auch Kontakte wurden schnell geknüpft. Die Initiative ´Mendig Hilft!´ organisierte zum Weltflüchtlingstag gemeinsam mit den Pfadfindern aus Thür eine Podiumsdiskussion. Und es ist noch gar nicht so lange her, da führte die Initiative ´Netzwerk Flüchtlingshilfen im Raum Mayen´ einen Information- und Gründungsabend durch, an dem sich viele begeistere Bürger der Initiative anschlossen und Anregungen für die weitere Arbeit gaben.“
Dass die alltägliche Arbeit alles andere als einfach ist, zeigte auch ein der Veranstaltung vorangegangener „Runder Tisch“, an dem Vertreter der Organisationen, Initiativen und Vereine teilnahmen. Diese unterstrichen erneut, dass die dezentrale Unterbringung, also in Wohnungen statt in sehr großen Sammelunterkünften, die absolut richtige Entscheidung gewesen sei, auch wenn es die Wege der ehrenamtlichen Helfer verlängert. Deutlich wurde aber auch, dass es Regelungen gibt, die weder die Helfer noch die Flüchtlinge verstehen können. So etwa, dass Sprachkurse für Flüchtlinge aus bestimmten Herkunftsländern nicht zugänglich sind. Der Landrat machte deutlich, dass den Kommunen und dem Kreis an vielen Stellen die Hände gebunden seien: „Wir können uns nicht über Bundes- oder Landesgesetze oder Vorgaben der Agentur für Arbeit hinwegsetzen.“ Gleichwohl wolle er die vorgetragenen Erfahrungen an geeigneter Stelle ansprechen.
Wo der Kreis die Situation gestalten könne, wolle man das auch tun. So wurden jüngst Arbeitsgruppen im Kreishaus eingerichtet, die sich um weitere Unterkünften für Flüchtlinge, um die Organisation der Betriebsabläufe in Flüchtlingssammelunterkünften und kurzfristige Unterbringung in Notfällen kümmert: „Wir wollen die Menschen weiterhin dezentral unterbringen, müssen den Städten und Verbandsgemeinden aber bei einem anhaltenden Zustrom Luft verschaffen. Fakt ist: Wohnraum wird immer knapper.“ Sprachförderung, Dolmetscherpool, Digitaler Willkommensatlas, eine Netzwerkplattform zum gegenseitigen Austausch, Projekte zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: Es gibt viel, was der Kreis angestoßen hat. Vorteilhaft war ohne Zweifel, dass Mayen-Koblenz bereits im Februar, als einer der ersten Kreise in Rheinland-Pfalz, mit Michael Kock einen Flüchtlingskoordinator hatte. Dessen Arbeit findet auch bei den Ehrenamtlichen hohe Anerkennung. Insgesamt sehen die Initiativen den Kreis daher deutlich besser aufgestellt als andere Regionen. Der Landrat will jedoch auch in Zukunft wissen: Wie sieht die Arbeit mit den Flüchtlingen vor Ort aus? Wie läuft die Arbeit mit der Koordinierungsstelle? Wo gibt es Probleme und Handlungsbedarf? Was kann der Kreis tun, um die Initiativen besser zu unterstützen? „Wir werden uns regelmäßig treffen“, betonte er.
Wie sieht die Arbeit mit den Flüchtlingen vor Ort aus? Wo gibt es Probleme und was kann der Kreis tun, um die Initiativen zu unterstützen? Das waren Fragen des runden Tisches, den der Landrat regelmäßig einberufen will.
