Flagge zeigen, auch in der VG Weißenthurm
Für ein leises Rheintal
VG Weißenthurm. „Für ein leises Rheintal“ - unter diesem Motto treffen sich auf Einladung der Bad Hönninger Bürgerinitiative „Schutz gegen Bahnlärm und Erschütterungen“ und weiterer Bürgerinitiativen aus dem Mittelrheintal unter Leitung von Franz Breitenbach am Samstag, 20. September, wieder Menschen aus ganz Deutschland in Bonn, um gegen den unerträglichen Bahnlärm und die damit einhergehenden Erschütterungen zu demonstrieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration treffen sich um 14 Uhr am Hauptbahnhof in Bonn. Von 15 bis 16 Uhr findet dann die Kundgebung mit Ansprachen auf dem Rathausplatz in Bonn statt.
Trotz aller Bemühungen um die Verringerung des Bahnlärms in den vergangenen Jahren zeigt sich, dass es an den hoch belasteten Strecken kaum leiser wird. Während die Umrüstung der Güterwagen auf leisere Bremssohlen nur langsam Fahrt aufnimmt, werden die Eisenbahnstrecken durch das Rheintal weiter ertüchtigt, um noch mehr und erheblich längere Züge in dichterer Folge durch das Rheintal zu pressen. Durch den ohrenbetäubenden Lärm, die unerträglichen Erschütterungen und den gefährlichen Feinstaub bleiben Gesundheit und Lebensqualität der Menschen auf der Strecke. Ausbleibender Tourismus, Abwanderung von Menschen und Betrieben stellen sich als Folge ein. Das Mittelrheintal droht in ganzen Bereichen zu veröden.
Georg Hollmann, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm, der sich schon lange mit großem Engagement für eine Reduzierung des Bahnlärms einsetzt, stellt fest: „Bürgervertreter und Bürgerinitiativen stehen im offenen Dialog mit den Vertretern der Bahn, um gemeinsam Lösungen zu finden. Die vielfältigen Möglichkeiten zur Reduzierung von Bahnlärm und Erschütterungen wurden erörtert, Pläne gemacht. Nun müssen rasch die finanziellen Mittel bereitgestellt werden, damit den konkreten Absichtserklärungen und Planungen auch spürbare Taten folgen. Nur so kann die Glaubwürdigkeit der Entscheidungsträger in Politik und Bahn erhalten und die Zukunft unseres Mittelrheintals gesichert werden.“ Zugleich galt der Dank von Georg Hollmann den Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus der Verbandsgemeinde Weißenthurm für ihr beispielhaftes Engagement und stets große Präsens bei allen Veranstaltungen für ein leiseres Rheintal und warb für eine zahlreiche Teilnahme auch an der diesjährigen Bahnlärm-Demonstration in Bonn. „Stadtbürgermeister Gerd Heim und ich freuen uns über alle, die uns und die Mitstreiter unserer Bürgerinitiative nach Bonn begleiten“, so Bürgermeister Hollmann.
Um ihrer Forderung nach unverzüglicher Reduzierung des unerträglichen Bahnlärms, wenn nötig auch durch Geschwindigkeitsreduzierungen und Nachtfahrverbote für laute Güterzüge, Nachdruck zu verleihen, versammeln sich lärmgeplagte Bürgerinnen und Bürger am Samstag, 20. September, um 14 Uhr, vor dem Bonner Hauptbahnhof, um anschließend in einem gemeinsamen Demonstrationszug vor das Bonner Rathaus zu ziehen. Dort werden ab 15 Uhr Franz Breitenbach als Initiator und Vorsitzender der Bürgerinitiative aus Bad Hönningen, der Oberbürgermeister der Stadt Bonn Jürgen Nimptsch, der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Sebastian Schuster, der Staatssekretär im Umweltministerium von Rheinland-Pfalz Dr. Thomas Griese, MdL Renate Hendricks aus Nordrhein-Westfalen sowie MdB und Bundesminister a.D. Dr. Norbert Röttgen zu den Demonstranten sprechen.
Wie bei der Demonstration in Rüdesheim im vergangenen Mai ist es das gemeinsame Ziel aller beteiligten Bürgerinnen und Bürger, Bürgervertreter und Bürgerinitiativen erneut auf die heute bereits unhaltbare Lärmsituation im Mittelrheintal hinzuweisen und rasche Maßnahmen zur Abhilfe zu fordern.
„Trotz aller berechtigten Kritik an der derzeitigen Situation haben wir in den letzten Jahren einiges erreicht. Das Thema Bahnlärm ist durch die Aufnahme in den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien im Bundestag angekommen, eine Machbarkeitsstudie zur Lärmreduzierung im Mittelrheintal wurde erstellt, der Einbau von sogenannten Flüsterbremsen bei Güterwagen ist Realität und bei der Bahn stellt sich die Erkenntnis ein, dass ein ‚weiter so‘, gegen den Willen und den zunehmenden Widerstand der Bevölkerung, zum Scheitern verurteilt ist“, so Gunter Fröhlich, Vorsitzender der Neuwieder Bürgerinitiative und selbst Mitglied im „Beirat leiseres Mittelrheintal“.
Was die Menschen entlang der Bahntrassen bisher aber wahrnehmen ist die unverminderte Zunahme von Lärm und Erschütterungen. Planungen und Versprechungen, deren Umsetzung weiter auf sich warten lassen und für die am Ende möglicherweise die erforderlichen Gelder nicht bereitgestellt werden, führen zu Vertrauensverlust und Verbitterung. Und dies vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass zukünftig noch mehr Güterzüge mit immer größerer Geschwindigkeit und Tonnage durch die Städte und Ortsgemeinden im engen Rheintal rasen sollen. Zunehmend werden sich die Menschen auch der permanenten Bedrohung durch Gefahrguttransporte, insbesondere bei Ortsdurchfahrten mit bis zu 120 km/h, bewusst.
Zu zunehmender Verbitterung führt auch die Erkenntnis, dass seitens der Bahn nach wie vor der Ausbau der Rheinstrecke zur wichtigsten Güterzugmagistrale zwischen Nord- und Südeuropa vorangetrieben wird. Die Menschen haben längst erkannt, dass es für das Mittelrheintal eine Katastrophe bedeutet, wenn nach Eröffnung des St. Gotthard-Tunnels überlange Güterzüge im Dreiminutentakt durch die Wohngebiete donnern. Ein menschenwürdiges Leben an und mit der Bahn wird dann für viele Bahnanwohner nicht mehr möglich sein.
Rolf Papen von der Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ erklärt im Vorfeld der Demonstration: „So wichtig es auch ist, alle technischen Möglichkeiten zur Reduzierung des krankmachenden Bahnlärms verzugslos zu nutzen, so klar ist aber auch, dass letztendlich der Güterzugverkehr raus muss aus dem engen Mittelrheintal. Wir brauchen endlich eine verkehrspolitische Weichenstellung für das 21. Jahrhundert, die den nachhaltigen Schutz von Mensch und Natur, auch für kommende Generationen, wieder voranstellt. Die entscheidende Voraussetzung dafür ist die schon längst überfällige gesetzliche Festschreibung von Immissionsobergrenzen im Bahnbetrieb, auch auf Bestandsstrecken.“
Pressemitteilung
der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm WIR in der VG Weißenthurm
