Kolpingsfamilie St. Mauritius Kärlich hatte eingeladen
Geschichten aus dem Alltag erzählt
Gelungener Mundartnachmittag mit Hermann Doetsch
Mülheim-Kärlich. Fast schon ein Evergreen ist der alljährliche Mundartnachmittag mit Hermann Doetsch, zu dem die Gruppe Junge Senioren der Kolpingsfamilie St. Mauritius Kärlich im Rahmen des Programms der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) eingeladen hatte. Immer wieder aufs Neue begeistern die Geschichten, die - „of Kärleje oder Thurer Platt vezelt“ - Episoden des Alltags lebendig werden lassen.
Am Anfang stand wie gewohnt eine Kurzlektion über unterschiedliche Dialekte und die verschiedenen Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache und dann folgten die Anekdoten, jeweils von Hans Wohlgemuth durch ein passendes Lied ergänzt.
Nette Anekdötchen
Was muss wohl vor vielen Jahren bei der Amtsverwaltung los gewesen sein, als ein Weißenthurmer die Rathauserstürmung zur Fastnacht auf Super-8-Film festhalten wollte und die Rakete eines der Verteidiger am Fenster abprallte, in den „Munitionsvorrat“ fiel und den ganzen Raum in Rauch hüllte! „Hät kää Zweck, dat esch dat filme“, meinte der Kameramann trocken, „doo dät me jo bluß Qualm sään.“
Dass die Gardinen Feuer gefangen hatten, die Schreibtische angesengt waren und der Raum neu tapeziert werden musste, berührte ihn kaum.
Hermann Doetsch legt Wert darauf, dass seine Erzählungen wahr und nicht frei erfunden sind, so auch die Fahrt mit dem Triebwagen nach Mayen, als er einen Termin mit dem Südwestrundfunk hatte und ein Gymnasiast pünktlich zur Abiturprüfung dort sein wollte. Am Bahnhof Mayen Ost stieg keiner der beiden einzigen Fahrgäste aus und in Mayen West hielt der Wagen nicht an! Doetsch rannte zum Fahrzeugführer und machte ihm klar, dass sie nicht wie angeboten nach Kaisersesch mit- und wieder zurückfahren könnten, woraufhin der Wagen nun auf freier Strecke stoppte und die beiden zu Fuß den ihnen empfohlenen Feldweg „schnurstracks“ entlangliefen, um mit dem nötigen Glück rechtzeitig am Ziel zu sein.
Hochdeutsch ist an den Mundartnachmittagen mit Hermann Doetsch nicht verbannt, sondern war unter anderem im Herbstgedicht von Heinrich Degen zu hören, das Erinnerungen an frühere Zeiten weckte. Schriftstellerin Marie-Louise Schallenberg, die als Gast mitgekommen war, setzte mit ihren Betrachtungen über den Jakobsweg ebenfalls einen Kontrapunkt und ließ mit pointiertem Vortrag nicht nur Pilgertypen aus aller Welt vor dem geistigen Auge erscheinen, sondern auch die Sorgen um das richtige Schuhwerk spüren. Zum Schluss sang Hans Wohlgemuth das bereits vertraute „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard Mey, nachdem er zuvor mit weiteren Liedern und seiner an Freddy Quinn erinnernden Baritonstimme die Zuhörerinnen und Zuhörer für ein paar Augenblicke in ihre jungen Jahre zurückversetzt hatte.
