Politik | 13.09.2013

Bürgerentscheid in Mülheim-Kärlich

Ja zur gemeinsamen Grundschule

Diejenigen, die sich für den Erhalt aller drei Grundschulen aussprechen, argumentieren, dass nur kleinere Grundschulen eine familiäre Atmosphäre bieten und dies für unsere Kinder unabdingbar sei. Jeder kenne jeden an den Grundschulen, behaupten sie. Die Grundschule Mülheim hat mehr als 210 Schüler. Wer glaubt ernsthaft, dass sich an dieser Schule (meine Tochter fühlt sich dort übrigens sehr wohl) alle Schüler, Lehrer und Eltern gegenseitig kennen?

Davon abgesehen: Was ist wichtig dafür, dass sich Kinder an einer Grundschule wohlfühlen? Ein gutes Miteinander in der Klasse, ein verständnisvoller Lehrer, der die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kinder berücksichtigt, eine verständnisvolle Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern. Das ist aber unabhängig von der Größe einer Schule.

Daneben fordern die Befürworter von drei Standorten einen kurzen Schulweg. Ja, der Schulweg zu einer gemeinsamen Grundschule wird für viele Kinder länger werden, aber für viele wird er immer noch gut zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen sein.

Gute Erreichbarkeit

Eine gemeinsame Schule wird unmittelbar neben dem Baugebiet „30 Morgen“ und neben der Kita „Schillerstraße“ gebaut werden. Für die Kinder aus den Neubaugebieten wird dieser Standort gut zu erreichen sein. Und wie viele Kinder werden auch jetzt schon von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht? Außerdem soll es einen Fahrdienst für die Grundschüler geben - ein Angebot, keine Verpflichtung.

Aber warum eine gemeinsame Grundschule? Egal, ob eine oder drei Grundschulen gebaut werden, es wird neue Schulen geben. Die Frage ist, wie diese Schulen ausgestattet sein werden.

Wer kauft denn ein neues Auto, nur damit es neu ist, ohne sich Gedanken um die Ausstattung zu machen? Keiner. Wer kauft ein neues Auto, ohne sich zu überlegen, ob er das Geld dafür hat oder an welcher Stelle er sparen kann, um sich ein neues Auto zu leisten? Keiner.

Für Schulen, deren Bau viele Millionen kostet, kann doch nichts anderes gelten. Auch wenn es heißt, es gehe um das Wohl der Kinder, da dürften die Kosten keine Rolle spielen. Doch leider - die Kosten haben eine Rolle gespielt, sie spielen eine Rolle und sie werden auch zukünftig eine Rolle spielen.

Der Erhalt aller drei Grundschulstandorte wurde von der Stadt mit 13,6 Mio Euro kalkuliert; die Baukosten für eine gemeinsame Grundschule liegen bei 9,5 Mio Euro. Das sind 4 Mio Euro Unterschied. Und bei den 13,6 Mio Euro ist nur eine Mindestausstattung vorgesehen. Reicht eine solche Mindestausstattung? Wird sie den Bedürfnissen unserer Kinder gerecht? Reicht es aus, wenn bei drei Standorten die Grundschule Mülheim als einzige Ganztagsschule im Ort und mit derzeit 75 Ganztagsschülern einen Ruheraum für diese Kinder erhält? Reicht es aus, wenn keine speziellen Räume, zum Beispiel für Werk-, Musik-, Computerunterricht zur Verfügung stehen? Spielen die individuellen Interessen der Kinder bei dem Raumangebot keine Rolle? Gerade Ganztagsschüler brauchen aber Raum und Räume, um sich entfalten zu können. Solche Räume können nur an einer gemeinsamen Schule geschaffen werden.

Vielfältiges Betreuungsangebot

Und nur bei einer gemeinsamen Grundschule steht allen Kindern ein vielfältiges Betreuungsangebot offen: Derzeit gibt es an allen drei Grundschulen die betreuende Grundschule, in der die Kinder bis 14 bzw. 15 Uhr ohne Mittagessen betreut werden können. Nur an der Grundschule Mülheim gibt es eine Ganztagsschule, bei der die Kinder ein warmes Mittagessen erhalten. Wer die Ganztagsschule besuchen möchte, egal aus welchem Stadtteil, muss nach Mülheim gehen. Kurzer Schulweg? Ach ja, das Mittagessen: Bevor der schlechte bauliche Zustand aller drei Grundschulen bekannt wurde, gab es in Mülheim bereits Planungen für einen Erweiterungsbau wegen der vor zwei Jahren eingerichteten Ganztagsschule: Diese Planungen wurden nach und nach zusammengestrichen - aus Kostengründen. Der letzte Stand: Ein Ruheraum von etwas mehr als 50 m² für alle Ganztagsschüler, ein Raum von etwas mehr als 50 m² zugleich als Computerraum und Bibliothek für mehr als 200 Schüler, eine Küche, in der nicht frisch gekocht wird, sondern angeliefertes Essen aufgewärmt wird. Aus Kostengründen. Zum Wohl der Kinder?

Bei einer gemeinsamen Grundschule wird es nach dem Willen der Ratsmehrheit - und diese ist entscheidend - eine Küche geben, in der frisch gekocht werden wird. Es wird genügend Räume geben - zum Lernen, Ruhen, und Spielen. Zum Wohl der Kinder!

Es geht bei der Entscheidung am 22. September nicht darum, ob die bisherigen drei Schulen gut waren. Das waren sie. Es geht darum, welches die bessere Lösung für die nächsten 30 bis 40 Jahre sein wird.

Was wird in fünf bis zehn Jahren sein? Dann werden viele Familien mit Grundschulkindern im Neubaugebiet „Steinrausch“ wohnen - die ersten Häuser werden gerade gebaut. Diese Kinder werden aufgrund ihres Wohnortes in Mülheim zur Schule gehen. Mülheim ist eine dreizügige Grundschule und bietet Platz für 72 Kinder pro Jahrgang. Nach den Geburtenzahlen hätten dieses Jahr in Mülheim 40 Kinder eingeschult werden müssen, tatsächlich waren es 61, auch weil viele Kinder aus Kärlich und Urmitz die Ganztagsschule im Mülheim besuchen. Wird der Platz in Mülheim ausreichen, wenn die Kinder aus der „Steinrausch“ hinzukommen? Oder müssen diese Kinder dann in die Schulen nach Urmitz oder Kärlich gehen? Kurzer Schulweg?

Oder können Kinder aus Kärlich oder Urmitz dann nicht mehr die Ganztagsschule in Mülheim besuchen, weil kein Platz mehr ist? Pech gehabt?

Sinkende Schülerzahlen

Und was wird in 15 bis 20 Jahren sein? Die Schülerzahlen werden langfristig sinken - die demografische Entwicklung macht auch vor Mülheim-Kärlich nicht halt. Wird dann ein Standort geschlossen? Oder gleich zwei? Oder macht das nichts? Dann geben wir jetzt die Millionen für drei Schulen aus und in ein paar Jahren nochmals Geld dafür, dass eine oder zwei Schulen wieder geschlossen werden?

Was die Kosten betrifft: Ja, es ist nicht schön, über Geld zu reden, wenn es um unsere Kinder geht. Aber die finanziellen Auswirkungen, ob eine oder drei Schulen gebaut werden, werden uns alle treffen. Es geht immerhin um ca. 4 Mio Euro Unterschied bei den geschätzten Baukosten. Die Stadt muss zwar diese Kosten nicht alleine tragen, es gibt Zuschüsse vom Land, aber in der Vergangenheit wurde die Grundschule in Urmitz/Bahnhof bereits bezuschusst, die Grundschule in Mülheim zum Teil. Hierfür werden bei drei Grundschulen keine weiteren Zuschüsse fließen. Und der Eigenanteil der Stadt wird bei drei Schulen höher sein als bei einer gemeinsamen Grundschule.

Da kann eine gemeinsame Schule mit einer guten Ausstattung gebaut werden und die Stadt und damit wir alle als Steuerzahler sparen immer noch Millionen. Wo soll das Geld denn sonst eingespart werden: Bei den Vereinen? Bei den Kitas?

Und was wird bei drei Schulen werden? Wie sollen diese gleichzeitig geplant und gebaut werden? Oder welche Schule wird als erste drankommen? Und können alle Schulen gleich aussehen? Welche Diskussionen wird es geben, ob eine Schule etwas mehr oder weniger erhält als die anderen? Die Kärlicher und Urmitzer Schüler werden derzeit in Containern unterrichtet. Und was passiert? Da gibt es Beschwerden von Kärlicher Seite, dass die Container in Urmitz/Bahnhof einen Sonnenschutz haben und die in Kärlich nicht. Wollen wir demnächst Neiddebatten führen oder gemeinsam eine Grundschule für alle Kinder gestalten? Darum „Ja“ zur gemeinsamen Grundschule!

Kerstin Wesemann

Mülheim-Kärlich

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