Dekanat Andernach-Bassenheim
„Menschen auf der Flucht“
Gesprächsabend der Reihe „Quergedacht“ stellte Flüchtlinge in Mittelpunkt
Andernach. Ein Gesprächsabend der Reihe „Quergedacht“ hat das Thema „Menschen auf der Flucht“ in den Mittelpunkt gestellt. Das Interesse an der Situation der Flüchtlinge in Deutschland und in Andernach im Speziellen war groß: Rund 120 Interessierte waren zu der Veranstaltung im Pfarrsaal Maria Himmelfahrt gekommen, darunter auch viele Flüchtlinge und Migranten. Organisiert wird die Reihe „Quergedacht“ vom Dekanat Andernach-Bassenheim und der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz. Referenten des Abends waren Frau Susanne Thorn von der Asyl- und Flüchtlingsberatung des Caritasverbands Koblenz, Diakon Peter Helmling und Mahnaz Loosen, ehrenamtliche Beraterin beim Haus der Familie Andernach.
Woher kommen die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, was sind Ursachen für ihre Flucht aus der Heimat, was erwartet sie hier und welche Möglichkeiten gibt es, sie vor Ort zu unterstützen? Mit diesen und vielen weiteren Themen und Fragen beschäftigten sich die drei Referenten in ihren Kurzvorträgen und der anschließenden Diskussion. Thorn wies u.a. darauf hin, dass die Bearbeitungszeiten der Asylanträge beim zuständigen Bundesamt derzeit bei durchschnittlich sieben Monaten bis zu einem Jahr liegen und dass bei einem negativen Bescheid meist eine Duldung folge. Diese sei eigentlich nur ein „Aussetzen der Abschiebung“ und für die Flüchtlinge mit großen Einschränkungen verbunden – kein Anspruch auf Sprachkurse, kein Recht auf Arbeit und eine Wohnbeschränkung auf ein Bundesland. Thorn betonte, dass im Moment die meisten Flüchtlinge aus Syrien stammten und diese auf Grund des Bürgerkriegs gute Chancen auf Anerkennung ihres Asylantrags hätten.
Helmling und Loosen gingen im zweiten Teil auf die konkrete Situation der in Andernach lebenden Flüchtlinge ein. Helmling nahm das Publikum mit auf eine „Bilderreise“ durch Andernach, die wichtige Stationen für die Flüchtlinge aufzeigte, darunter etwa, wo sie günstig gebrauchte Kleidung bekommen oder Essensgutscheine einlösen können, aber auch wo Sprachkurse und Beratung angeboten werden. Es gebe auch immer wieder mal Spender für gebrauchte Fahrräder. „Falls Sie noch eins übrig haben – Fahrräder können wir immer gebrauchen“, appellierte er an die Andernacher.
Loosen kam selbst vor über 20 Jahren nach Deutschland und berät heute im Haus der Familie Flüchtlinge und Migranten. „Ohne ein gut funktionierendes Netz aus Ehrenamtlichen würde es nicht funktionieren. Ob man eine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernimmt, Sprachkurse anbietet, Kindern bei den Hausaufgaben in der für sie neuen Sprache hilft oder einfach nur ein wenig Zeit schenkt – jeder kann helfen.“ Auch wenn nicht die gleiche Sprache gesprochen werde, „man versteht sich mit Händen und Füßen und mit dem Herz.“
Pastoralreferentin Birgitt Brink vom Dekanat Andernach-Bassenheim freute sich über das große Interesse der Andernacher und drückte ihre Hoffnung aus, dass die Kirche sich auch künftig verstärkt für „Menschen auf der Flucht“ einsetzt.
