Szene mit einem amerikanischen Willys Jeep nachgestellt - Spektakuläre Foto-Aktion in der Bassenheimer Straße
„Remake“ eines Fotos, das um die Welt ging
Mülheim-Kärlich. Es ist ein Foto, das man deutschlandweit und sogar international kennt: Ein US-Jeep fährt über die Bassenheimer Straße in die ehemals selbstständige Gemeinde Mülheim. Die Bevölkerung hat an den Häusern weiße Fahnen aufgehangen, im Hintergrund ist eine geöffnete Panzersperre zu sehen. Das Foto erschien am 2. April 1945 im amerikanischen Magazin „Life“ in dem Bericht „Allied armies vault the rhine“. Die Unterzeile des Fotos lautet „German civilans hang out dozens of white flags as U.S. Jeep rolls into a town on the way to koblenz“. Unmittelbar unter dem Foto aus Mülheim sind weitere Fotos der Remagener Brücke zu sehen. Auch in weiteren Zeitungen wurde das Foto, welches sogar Bestandteil einer Ausstellung in Berlin war, veröffentlicht. Am Wochenende, 70 Jahre nach Kriegsende und nach Anfertigung der Aufnahme, hat das Foto erneut für Aufsehen gesorgt: In der Bassenheimer Straße wurde die gleiche Szene nochmals nachgestellt. Anlass hierfür ist ein Projekt, welches beim Stadtfest am 21. Juni zu sehen sein wird: Eine Fotoausstellung mit Vergleichen von historischen und aktuellen Aufnahmen. Gezeigt werden Fotos aus allen Stadtteilen, wenngleich der Schwerpunkt auf der ehemals selbstständigen Gemeinde Mülheim liegt, da dort auch das Stadtfest gefeiert wird. Die Foto-Aktion in der Bassenheimer Straße hat bereits für einiges Aufsehen bei den Beteiligten sowie bei Passanten gesorgt, die zufälligerweise Augenzeuge wurden. Durch einen glücklichen Umstand hatte Horst Hohn den Besitzer eines US-Jeeps ausfindig gemacht, der spontan auch seine Unterstützung zusagte. Der in der Eifel wohnende Peter Domes ist ebenfalls historisch interessiert und Verfasser eines Fachbuches über die Ereignisse beim Einmarsch der amerikanischen Armee. Beim Ortstermin war auch Anton Mohrs zugegen. Der Zeitzeuge lebt seit seiner Kindheit in der Bassenheimer Straße und war bei Kriegsende 13 Jahre alt. Trotzdem erinnert er sich noch genau an die damaligen Ereignisse. Die amerikanischen Truppen sind damals zwar aus Richtung Bassenheim in Mülheim einmarschiert, jedoch nicht über die gleichnamige Straße. Vielmehr sind die ersten Fahrzeuge vom Bassenheimer Bahnhof aus am 8. März 1945 über den Senser Berg in die Straße „Lohrweg“ gefahren, nachdem zunächst in Höhe des Rückhaltebeckens ein amerikanischer Panzer zerstört wurde. Wie Mohrs berichtete, wurden von den einrückenden Panzern zwei Schüsse in Richtung Mülheim abgeschossen. Da jedoch kein weitergehender Widerstand erfolgte, blieb der Ort von größeren Zerstörungen und weiteren Kampfhandlungen verschont. Zu verdanken hat man dies offenbar auch der weiblichen Bevölkerung: Die Holzstämme der Panzersperre in der Bassenheimer Straße seien von Mülheimer Frauen durchgesägt worden, sodass die Amerikaner auch freie Fahrt hatten. Apropos „freie Fahrt“: Beim Fototermin war vor allem der Straßenverkehr ein Problem für die Hobbyhistoriker, die die Szene von 1945 nachstellten. Obwohl die Foto-Aktion in den Abendstunden stattfand, gab es nur wenige Momente, in denen die Bassenheimer Straße frei von Fahrzeugen war. Viele vorbeifahrende Passanten bewunderten auch den Willys Jeep. Zweifelsfrei bekommt man ein solch historisches Fahrzeug nicht alle Tage zu sehen. Peter Domes, der sich in seiner Freizeit mit Militärgeschichte beschäftigt, trug auch noch einen originalen Stahlhelm und eine entsprechende Uniform. Ein wenig erinnerte die Szene an „Zurück in die Zukunft“; ebenso, als käme das Fahrzeug aus einer anderen Zeit. Nach mehreren Versuchen war schließlich die gewünschte Szene fotografiert. Sehr engagiert behilflich war Norbert Weiler, der auf sympathische Art und Weise bei den Verkehrsteilnehmern um Verständnis bat. Bleibenden Eindruck hat die Aktion auch bei vielen Anwohnern der Bassenheimer Straße hinterlassen, die das Geschehen interessiert verfolgten. Der Fotovergleich von 1945 zu 2015 ist zweifelsfrei der spektakulärste Bestandteil der Ausstellung, die beim Stadtfest am 21. Juni in der „Alten Kapelle“ zu sehen sein wird. Ergänzend zu der Foto-Präsentation wird in dem Gebäude dann auch Modeschmuck von Ria Senner präsentiert. Diese hat getreu dem Motto „Aus Alt mach Neu“ aus alten Schmuckschätzen Neues in Form von Halsketten, Broschen, Armbändern und Ringen modelliert.
Der Willys Jeep, an dessen Steuer der amerikanische Offizier saß, ist ein Fahrzeug, das heute die Blicke auf sich zieht.
Ein vergleichbarer US-Jeep 70 Jahre später in der Bassenheimer Straße.
(v.l.): Norbert Weiler, Horst Hohn, Peter Domes und Anton Mohrs realisierten gemeinsam mit dem historischen Willys Jeep ein ungewöhnliches Foto-Projekt.
