Obst-Gartenbau-Vereine Mülheim und Kärlich
Rheinisch-Nassauische Obstbautagung
Über 60 Interessierte fanden sich in der Kürfürstenhalle ein
Mülheim-Kärlich. Im November fand erneut die Rheinisch-Nassauische Obstbautagung in Mülheim-Kärlich statt. Hierzu hatten sich über 60 Interessierte in der Kurfürstenhalle eingefunden. Norbert Schäfer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, begrüßte zunächst die anwesenden Gäste aus Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft. Danach hielt er Rückblick auf das ablaufende Vegetationsjahr. Der Sommer war viel zu trocken für Landwirtschaft und Obstbau. Zwar war der Schädlings- und Pilzbefall an den Bäumen durch die trockene Hitze geringer als in den vergangenen Jahren, wodurch Pflanzenschutzmittel eingespart werden konnten, aber auch die Früchte litten hierunter. Kleine Früchte waren die Folge. Schäfer forderte bessere Erlöse, da die Betriebe durch den Mindestlohn auch mehr belastet würden. Die hohen Temperaturen haben verhindert, dass die Kirschessigfliege sich in diesem Sommer massiv ausbreiten konnte. Hier sind derzeit Bekämpfungsverfahren aus den USA im Test. Schäfer stellte klar, das in dem Beitrag „Gift auf unseren Feldern“ des SWR- Fernsehens die Arbeit der Obstanbauer nicht korrekt dargestellt wurde. Informationen, Interviews und Arbeiten seien nur teilweise gesendet worden, und dadurch sei ein Negativimage entstanden. Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), ging anschließend auf die aktuelle Entwicklung in der Agrarpolitik ein. Dieser holte zu einem Rundumschlag gegen die Politik aus. Die Arbeit der Obsterzeuger würde schwieriger, da immer mehr Hilfs- und Pflanzenschutzmittel verboten würden und hierfür kein Ersatz bereit gestellt werde. Außerdem sei der Mindestlohn unterschätzt worden. Nicht wegen der Höhe, sondern wegen der damit verbundenen Dokumentationen. Es werde in Zukunft noch mehr Bürokratie auf die Obstbauern zukommen. Auch die Globalisierung stelle hier ein Problem dar. Was nutze es, wenn in Deutschland ein Mindestlohn gezahlt werde, wenn das importierte Obst aus Kairo von Menschen geerntet wird, die 5 Euro pro Tag verdienen. Horper machte deutlich, dass die Anerkennung fehlt. Discounter müssten gutes, regional produziertes Obst ordentlich bezahlen. Danach ging Dr. Hans-Christoph Behr mit vielen grafischen Darstellungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ein. Er erläuterte, dass beim Lebensmitteleinkauf an erster Stelle die Regionalität zähle. 75 Prozent des Obstverzehrs seien Frischobst, wobei hier am wichtigsten der Apfel, gefolgt von Erdbeeren, Pflaumen, Süßkirschen sei. Seit 2008 ist der Konsum von Frischobst um 20 Prozent gestiegen. Hiervon würden aber immer noch 5 Millionen Tonnen importiert und lediglich 1,7 Mio. Tonne kämen aus Deutschland. Während die Nachfrage an Zwetschgen im Land sinke, steige die Nachfrage an Süßkirschen. Der Anbau in Rheinland-Pfalz steige, der Anteil aus deutschem Anbau liege derzeit bei 88 Prozent. Dr. Ingo Braune vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zog Bilanz nach einem Jahr Mindestlohn. Dieser führe in den Betrieben dazu, dass nach Methoden gesucht werde, um Personalkosten zu reduzieren. Hierzu zählt eine Mechanisierung der Arbeiten an den Pflanzen wie zum Beispiel das Schneiden per Schneidgeräten mit Scheibenmessern. Die erwartete Arbeitslosigkeit blieb laut Braune aus, was auf die gute Konjunktur zurückzuführen sei. Propagiert wird von der Bundesregierung eine Reduzierung von Pflanzenschutzmittel, es sei jedoch klar, dass eine Produktion ganz ohne nicht geht. In den letzten Jahren wurden frei gewordene Stellen bei der Pflanzenschutz- und Anbauberatung aus Kostengründen nicht neu besetzt. Es ist geplant, die bisher kostenlose Beratung in Zukunft nur noch gegen eine Gebühr durchzuführen. Dies wurde scharf kritisiert. Auf die Forderungen aus dem Saal, die Beratung der Obstbauern durch das Dienstleistungszentrum (DLR) auch weiterhin in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen, verwies Dr. Ingo Braune an die Länder. Leider hatten zwischenzeitlich alle politisch Verantwortlichen den Saal verlassen, so dass diese Fragen unbeantwortet blieben. Im Schlusswort wurde nochmals darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, die Bevölkerung richtig über die Arbeit der Obstbauern zu informieren und aufzuklären. Eine kostenlose Beratung/Betreuung der Obstanbauer durch das DLR bei immer neu auftretenden Schädlingen bedingt durch den Klimawandel sei auch in Zukunft wichtig. Abschließend bleibt zu bemerken, dass der Obstbau immer noch nicht die Beachtung in der politischen Landschaft findet wie zum Beispiel der Weinbau. Die für die Veranstaltung angekündigte Landesvorsitzende der CDU Julia Klöckner hatte offensichtlich „wichtigere Termine“ wahrzunehmen, ebenso wie der Staatssekretär Peter Bleser vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die beide nicht erschienen sind. Wie bereits erwähnt haben die politischen Vertreter auf Landesebene nach der Begrüßung nach und nach den Saal verlassen und konnten die Fragen an sie aus den Wortmeldungen der anwesenden Obstbauern nicht mehr beantworten. So können Landwirte und Obstbauern nur darauf hoffen, dass die nächste Landesregierung ihre Interessen angemessen vertritt. Ein Dankeschön geht an dieser Stelle an die beiden Obst- und Gartenbau-Vereine aus Mülheim und Kärlich, die auch in diesem Jahr wieder gemeinsam die Halle hergerichtet haben.
Die Referenten hatten viel Anschauungsmaterial mitgebracht.Foto: privat
