Allgemeine Berichte | 24.01.2016

„Wir wurden von den Änderungswünschen überrollt“

Der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth zieht im Interview sehr selbstkritisch Zwischenbilanz und spricht Probleme offen an - Vom Konzept weiterhin absolut überzeugt

Der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth scheut sich nicht, die Anlaufschwierigkeiten beim Wechsel zum neuen Abfallkonzept zuzugeben.

KREIS MYK. Bei der Vorbereitung und Umstellung auf das neue Abfallsystem ist das meiste nach Plan gelaufen. Doch es gibt auch Probleme, die bei vielen Bürgern für Kritik, Ärger und Frust sorgen. „Verständlich und berechtigt“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth, im Kreishaus zuständig für die Kreislaufwirtschaft und Verbandsvorsteher des Abfallzweckverbandes (AZV).

In der Dezembersitzung des Kreistages haben Sie noch Zuversicht ausgestrahlt, dass ab dem 1. Januar alles rund läuft. Waren Sie zu blauäugig?

Nein, wenn man blauäugig an so ein Riesenprojekt geht, scheitert man. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Bei einem Großteil unserer Bürger ist sowohl das Einsammeln der alten Tonnen, das Austeilen der neuen Behälter als auch der Wechsel der Abfuhr auf den Abfallzweckverband reibungslos verlaufen. Aber während es bisher nur die 260l-Einheitstonne gab, können sich die Bürger jetzt - im Rahmen unserer Satzung - aus insgesamt 11 Tonnengrößen ihre Wunschbehälterausstattung zusammenstellen. Davon machen die Mayen-Koblenzer regen Gebrauch, das haben wir unterschätzt.

Viele Bürger haben schon vor Monaten ihre Änderungswünsche gemeldet und immer noch nicht die richtige Tonne.

Ja, das stimmt leider. Wir haben von September bis Mitte November rd. 400.000 Tonnen bewegt, alte eingesammelt, neue verteilt. Das lief nicht perfekt, aber es lief gut. Wirklich ins Schleudern gebracht haben uns die vielen Änderungswünsche. Auf unsere Abfrage zur gewünschten Größe der Biotonne im vergangenen Frühjahr hatte sich gut die Hälfte der 65.000 Haushalte gemeldet. Diese Wünsche wurden bei der Auslieferung im Herbst schon weitgehend berücksichtigt. Seit dem sind aber weitere 35.000 Änderungsanträge eingegangen, in den meisten Fällen trotz Abfrage zu den Biotonnen. Die Quote der Änderungswünsche liegt bei uns deutlich über den Erfahrungswerten bei Umstellungen in anderen Landkreisen. Dort lag sie bei 5 bis 8 Prozent. Wir liegen jetzt schon bei 16 Prozent.

Konnten Sie nicht früher gegensteuern?

Schon ab dem 1. Oktober haben wir parallel zur Behältererstverteilung Änderungswünsche mit einem dreiköpfigen Team abgearbeitet. Als wir gesehen haben, dass die Zahlen steigen, haben wir sofort reagiert und die Logistik deutlich ausgeweitet: Derzeit liefert ein Team von 20 Personen mit 16 Lkw täglich mindestens 500 Gefäße aus. 15.000 von 35.000 Aufträgen sind erledigt. Jedoch kommen immer noch Änderungsanträge rein.

Bei aktuell 20.000 Restaufträgen und 500 Lieferungen pro Tag heißt das: Es dauert noch 40 Arbeitstage, sprich acht Wochen, bis das abgearbeitet ist? Wohlgemerkt, ohne die neuen Aufträge.

Richtig, rein rechnerisch wären es noch acht Wochen. Wir arbeiten aber auch samstags und haben ein weiteres Aufstocken der Verteilteams eingeleitet, weitere Optimierungen in der Tourenplanung und bei der Technik durch neuere und schnellere Hand-Scanner eingeführt. Die Zahl der Verteilungen wird dadurch stark steigen.

Ein weiterer Kritikpunkt lautet: Die Kreislaufwirtschaft ist telefonisch nicht erreichbar oder es dauert ewig, bis Mails beantwortet werden.

Fast 20 Mitarbeiter im Kreishaus machen nichts anderes als telefonieren und Mails beantworten. Gerade haben wir um 4 weitere Kräfte aufgestockt. Hinzu kommt die Unterstützung durch ein geschultes externes Call-Center. Die Wartezeiten für die Bürger sind auch uns unangenehm.

Stimmt der Vorwurf, dass die Mitarbeiter nicht ans Telefon gehen? Der Gedanke drängt sich auf, wenn ein Freizeichen ertönt, aber niemand rangeht.

Nein, das ist absolut falsch. Wir haben eine Ringschaltung, die technisch bedingt ein Freizeichen gibt. Das ist unserer Telefonanlage im Kreishaus geschuldet. Ich bitte auch zu bedenken, dass die Mitarbeiter das, was sie mit dem Bürger am Telefon besprochen haben, im Anschluss ja auch noch in die EDV eingeben müssen. Das Team macht Überstunden ohne Ende mit Abend- und Wochenendarbeit. Dafür bin ich dankbar.

Jetzt ist der Abfallzweckverband für die Abfuhr zuständig. Funktioniert die Rekommunalisierung?

Ja, die Müllabfuhr läuft seit 2. Januar bis auf die Kinderkrankheiten ohne größere Beanstandungen. Dass einzelne Straßen bei den ersten Abfuhren nicht angefahren oder einzelne Behälter nicht geleert wurden, liegt daran, dass nach 25 Jahren ein neues Abfuhrunternehmen im Kreis arbeitet. Die neuen Müllwerker kennen noch nicht alle Straßen, alte Absprachen der Bürger mit der Firma SITA sind ihnen nicht bekannt. Das muss und wird sich einspielen.

Wann wird denn der Wertstoffhof mit dem Logistikzentrum in Ochtendung fertig?

Wir sind dort, auch dank des milden Wetters bis Dezember, sehr gut vorangekommen. Wir wollen im Mai fertig werden, offizielle Eröffnung ist im Juni. Für die Bürger stehen aber jetzt schon sämtliche Abgabemöglichkeiten zur Verfügung! So war´s auch geplant.

Bleiben wir beim AZV: Tonnen wurden nicht geleert, obwohl sie am selben Platz standen wie immer.

Ja, das betrifft in der Hauptsache die Restabfalltonnen, bei denen der Bürger jetzt selbst entscheidet, ob er sie geleert haben möchte oder nicht. Für den neuen Müllwerker ist aber oft nicht klar zu erkennen, ob die Tonne immer dort steht oder zur Abfuhr bereitgestellt wurde. Im Zweifel lässt er sie dann lieber stehen, um dem Bürger keine Kosten zu verursachen. Ruft der Bürger an und teilt mit, dass die Tonne geleert werden sollte, wird sie in der darauf folgenden Woche als Reklamation geleert. Bürger können auch Markierungszeichen bei der Kreislaufwirtschaft anfordern, dann ist klar: Tonne soll nicht geleert werden.

Muss ein Bürger, der eine kleinere Tonne haben möchte, die höhere Behältergebühr für die große Tonne bezahlen, bloß weil die Kreislaufwirtschaft mit dem Tausch nicht hinterherkommt?

Nein, beim Tausch von einer kleineren auf eine größere Tonne wird die höhere Gebühr erst ab dem auf den Tausch folgenden Monat berechnet. Umgekehrt wird beim Tausch von groß nach klein die niedrige Gebühr ab dem 1. Januar berechnet, wenn die Tonne in 2015 bestellt wurde. Bei Bestellungen in diesem Jahr wird die niedrigere Gebühr ab dem Tauschtag erhoben. Niemand soll einen finanziellen Nachteil haben.

Von den Grünabfallsammelplätzen sind bisher erst die Plätze in Andernach und Kruft sowie an der Deponie Eiterköpfe be-nutzbar. Was machen die Bürger in der Zwischenzeit mit dem Grünschnitt? Sie be-zahlen doch dafür.

Neben den genannten Plätzen sind andere schon im Bau, weitere befinden sich im Bauantragsverfahren. Bis zu deren Fertigstellung haben wir den Stadt- und Verbandsbürgermeistern angeboten, für drei Monate Container an geeigneten Standorten aufzustellen, damit die Bürger schon jetzt eine Entsorgungsmöglichkeit mit kurzen Wegen für ihre Grünabfälle haben.

Ganz ehrlich: Sind Sie noch vom Konzept überzeugt? Was würden Sie anders machen, wenn es ginge?

Ich bin jetzt seit zwanzig Monaten Erster Kreisbeigeordneter und ich habe noch keine Sekunde an diesem Konzept gezweifelt. Ganz einfach deshalb, weil ich auch als Bürger jeden Tag bei mir zu Hause feststelle, dass es funktioniert. Wenn man nur ein wenig mehr darauf achtet, dass man richtig trennt, merkt man schnell: Es bleibt tatsächlich kaum noch Restabfall übrig! Dafür mehr Bioabfall, mehr Papier, kurz: mehr Wertstoffe, mit denen wir die Umwelt und unsere Ressourcen schonen. Und ganz nebenbei über niedrigere Abfallgebühren auch unser Portemonnaie. Ja, ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Was würde ich an-ders machen? Erfahrungswerte anderer Kreise kritischer sehen, früher das Personal aufstocken, noch früher noch mehr LKWs einsetzen - und vorher eine neue Telefonanlage im Kreishaus installieren!

Ein Zwischenfazit in zwei Sätzen würde bei Ihnen lauten...

...dass wir vieles richtig gemacht haben, was wir an der deutlich überwiegenden Zahl der Haushalte ohne Probleme sehen. Dass wir gleichwohl den Ärger, die Beschwerden und die Unzufriedenheit der Bürger, bei denen es Probleme gab und gibt verstehen - und uns dafür entschuldigen.

Der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth scheut sich nicht, die Anlaufschwierigkeiten beim Wechsel zum neuen Abfallkonzept zuzugeben.

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