- Anzeige - Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Voreifel eG in der Jungholzhalle Meckenheim
Genossenschaftsbank lebt Solidarität und Verantwortung: Spende über 750.000 Euro
Damit sollen die Folgen der Flutkatastrophe insbesondere für das kulturelle Leben in der Region abgemildert werden - Trotz schwieriger Rahmenbedingungen erzielte das Geldinstitut 2020 ein gutes Ergebnis
Rheinbach. „Als Genossenschaftsbank wollen wir Verantwortung für die Region leben, denn Solidarität ist ein ganz wesentlicher Wert einer Genossenschaft.“ So begründete Vorstandssprecher Burchard Kraus den Beschluss der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Voreifel eG, auf die vorgeschlagene Dividende für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2020 zu verzichten und stattdessen eine Spende in Höhe von 750.000 Euro zur Abmilderung der Folgen der Flutkatastrophe auf den Weg zu bringen. Damit soll insbesondere das kulturelle Leben in der Region unterstützt werden, das nicht nur infolge der Flutkatastrophe, sondern vorher schon wegen der Corona-Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen sei. Über die Vergabe der Spenden werde ein Gremium der Bank entscheiden, dass überwiegend aus Mitgliedervertretern besteht und von Aufsichtsrat und Vorstand ergänzt wird.
Sonderkreditprogramm Hochwasser ist sehr gefragt
Zwar seien die Vergaberichtlinien noch nicht festgelegt worden, so Kraus, doch aller Voraussicht nach werde das Geld nicht in kleinen Beträgen gießkannenmäßig übers Land verteilt, sondern sei mit Einzelspenden in der Größenordnung von 2000 bis 10.000 Euro pro Verein oder Institution als wesentliche Hilfe beim Neustart gedacht. Doch damit nicht genug, habe die Genossenschaftsbank auch noch gleich nach der Starkregenkatastrophe ein Sonderkreditprogramm „Hochwasser“ aufgelegt, über das mittlerweile schon mehr als 290 Anträge unbürokratisch bearbeitet worden und insgesamt fast sechs Millionen Euro als Kredite in der Größenordnung von jeweils 30.000 Euro an betroffene Kunden ausgezahlt worden seien. Neben vielen Kunden seien auch einige Mitarbeiter der Bank von der Flutkatastrophe betroffen, gottseidank aber keine Personenschäden zu beklagen. Das Institut selbst sei ebenfalls mit einem blauen Auge davongekommen. Lediglich die Filiale in Odendorf hatte einen vollgelaufenen Keller, doch auch dort soll in zwei bis drei Monaten wieder der reguläre Geschäftsbetrieb starten.
Alles in allem habe die Raiffeisenbank Voreifel auch 2020 trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein gutes Ergebnis erzielt, so Kraus vor gut 80 Mitgliedervertretern in der Meckenheimer Jungholzhalle. Die Bilanzsumme stieg leicht um 56 Millionen Euro auf 1,226 Milliarden Euro und sei so auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad. Ebenso stieg das betreute Kundenkreditvolumen um 22 Millionen Euro auf 952 Millionen Euro. „Die Nachfrage nach Häusern, Grundstücken und Wohnungen ist in der Pandemie nochmals spürbar angezogen und hat zu Rekordumsätzen in der Baufinanzierung geführt“, freute sich Vorstandsmitglied Mathias Lutz.
Raiffeisenbank bleibt auf Wachstumskurs
Das betreute Kundeneinlagenvolumen wuchs dank einer historisch hohen Sparquote um 57 Millionen Euro auf 1,745 Milliarden Euro, hier zeige sich, dass die Bank in einer relativ vermögenden Region aktiv sei, erklärte Kraus. „Die Raiffeisenbank Voreifel bleibt also als wirtschaftlich leistungsfähige Genossenschaftsbank auf Wachstumskurs“, so die Botschaft des Vorstands. Wobei die Mitgliederzahl leicht von 32.606 auf 32.561 gesunken sei. Das Eigenkapital habe die Raiffeisenbank um 6,4 Millionen Euro auf 133 Millionen Euro aufgestockt, was einer Gesamtkapital wurde von 25,49 Prozent entspreche. „Damit sind wir eines der kapitalkräftigsten Kreditinstitute in der Region“, sagte Kraus.
Vom Jahresüberschuss wurden 4,8 Millionen Euro in die Rücklagen verschoben, sodass der Bilanzgewinn nach Steuern leicht von 2,208 Millionen Euro auf 2,167 Millionen Euro gesunken sei. Vor allem der aufgrund der Niedrigzinsphase deutlich um 1,65 Millionen Euro gesunkene Zinsüberschuss sei nicht leicht zu verkraften gewesen. Dem stehe ein Provisionsüberschuss von gerade mal 197.000 Euro gegenüber sowie ein um 1,2 Millionen Euro gesunkener Verwaltungsaufwand. Hierbei sei allerdings zu berücksichtigen, dass 2019 die EDV-Umstellung mit einmaligen Kosten von 700.000 Euro zu Buche geschlagen sei.
Junge Menschen für die Bank interessieren
Entlassungen habe es keine gegeben, das sei auch in absehbarer Zeit nicht geplant, bestätigten die beiden Vorstandsmitglieder. Allerdings habe die Bank mit zwölf langjährigen Mitarbeitern Altersteilzeitverträge geschlossen. „Wir wollen kein Personal abbauen, uns geht es vielmehr darum, mehr junge Menschen für das Arbeiten in der Bank zu interessieren“, stellte Lutz klar. Dennoch seien die bisherigen kleinen Filialen in Arloff, Houverath, Oedingen und Unkelbach auf SB-Filialen umgestellt worden. Dort habe es ohnehin kaum noch Publikumsverkehr gegeben, erläuterte Lutz, dass die Kunden schon zuvor „mit den Füßen abgestimmt“ hätten. Ohnehin habe während der Pandemie der Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr drastisch zugenommen, auch die Geldausgabeautomaten würden deutlich weniger genutzt. „Das Bargeld gerät von mehreren Seiten unter Druck“, konstatierte Kraus.
Losgelöst von den noch schwer absehbaren Folgen der weltweiten Pandemie erschienen Kraus die Veränderungen, die durch die Digitalisierung in das Leben eingriffen, besonders markant. „Die Krise hat technische und prozessuale Entwicklungen beschleunigt, die Bankenbranche wird in der nahen Zukunft große Veränderungen erleben“, sagte er voraus. Vieles, was über Jahrzehnte gewohnt und selbst verständlich gewesen sei, werde sich durch den technischen Fortschritt verändern. Dabei resultiere aus der genossenschaftlichen Grundidee eine gesellschaftliche Verpflichtung und unternehmerische Verantwortung, bei der digitalen Entwicklung gerade auch die älteren Menschen mitzunehmen. Es sei aber weiterhin optimistisch für das Geschäftsgebiet, denn der Charakter der Region sei anpackend und positiv ehrgeizig. Er sieht die Bank für die Zukunft gut aufgestellt.
JOST
