Wirtschaft | 11.08.2023

Interview mit Dr. Joachim Rasch, Geschäftsführer der WFEG und Messekoordinatorin Ann-Kathrin Schäfer

Überblick über die 22. Ausbildungsmesse in Rheinbach

Dr. Joachim Rasch (Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Rheinbach (WFEG) und Ann-Katrin Schäfer (Messekoordinatorin der WFEG).  Foto: Eich

Rheinbach. Blick aktuell traf sich zum Interview über die anstehende Rheinbacher Ausbildungsmesse mit Joachim Dr. Rasch, Geschäftsführer des Veranstalters Wirtschaftsförderung Rheinbach (WFEG) sowie mit Ann-Kathrin Schäfer, der Messekoordinatorin der WFEG. Am 9. September 2023 findet die 22. Rheinbacher Ausbildungsmesse statt.

Dies ist die erste Messe nach drei Jahren Zwangspause durch Corona und die Flut. Hat sich dieser Umstand auf die diesjährige Messe ausgewirkt?

Dr. Rasch: Glücklicherweise nicht negativ. Im Gegenteil – wir waren überrascht über die vielen schnellen Anmeldungen der Aussteller. Wir hatten bei der letzten Ausgabe in Präsenz im Jahr 2019 rund 130 Austeller auf dem Messegelände in der Alliance Möbel Marketing GmbH & Co. Kg. Dieses Jahr können wir mit einer ähnlichen Austellervielfalt aufwarten. Es ist wohl so, dass viele Aussteller darauf gewartet haben, dass die Rheinbacher Ausbildungsmesse wieder ihre Tore öffnet.

Was bietet die Ausbildungsmesse 2023 ihren Besuchern?

Dr. Rasch: Die Aussteller informieren über ca. 160 Ausbildungsberufe aus fast allen Branchen. Zudem können sich Schülerinnen und Schüler über 65 duale Studiengänge informieren. Wir möchten Jugendlichen die immense Vielfalt von beruflichen Möglichkeiten unserer spannenden Wirtschafts- und Wissenschaftsregion aufzeigen.

Ann-Kathrin Schäfer: Hierzu gehören auch interessante Angebote mit Auslandslandsaufenthalten. Und dieses Jahr bieten wir erstmals 18 Fachvorträge von Ausstellern zu den unterschiedlichsten Themen an. Das ist in dieser Menge neu. Erstmals können die Schülerinnen und Schüler dieses Jahr auch Bewerbungsfotos von sich auf der Messe machen lassen – kostenlos! Dazu arbeiten wir mit einem Rheinbacher Fotofachgeschäft zusammen. Zudem starten wir gleich nach den Sommerferien eine regionale Werbekampagne für unsere Messe auf sehr vielen Kanälen, vor allem in den Sozialen Medien. In der Woche vor der Messe schalten wir ebenfalls zum ersten Mal Werbespots bei Radio Bonn-Rhein-Sieg und Radio Euskirchen. Auch wir als Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach (WFEG) präsentieren uns selbst und bieten allen Ausstellern und Besuchern unsere Hilfe an. Wir stehen für Fragen rund um die Messe immer zu Verfügung.

Haben die Onlinemessen in 2020 und 2021 eine Auswirkung auf die kommende Messe gehabt?

Dr. Rasch: Auf die Messe an sich nicht wirklich. Es war damals ein Versuch, in der Corona Zeit eine Alternative für die Ausbildungsmesse in Präsenz zu finden. Es war aber damit nicht der Erfolg verbunden, den ein Kontakt in Präsenz bieten kann. Das hat eine ganz andere Wirkung, wenn man sich mit den Schülern und Studenten Face to Face trifft und sich einen persönlichen Eindruck von den Berufen, den Betrieben, den Menschen machen kann. Das war bei der Online-Variante nur bedingt möglich. Daher haben wir uns auch dagegen entschieden, die Messe zusätzlich digital anzubieten.

Ann-Kathrin Schäfer: Einige Ansätze der Online-Variante konnten wir aber übernehmen. So haben wir den Anmeldeprozess vollständig digitalisiert und bilden diesen nur noch über unsere Website ab. Auch was die Social Media Kampagne betrifft orientieren wir uns an der letzten digitalen Ausbildungsmesse und versuchen, diese mit den dort gesammelten Erfahrungen weiter zu optimieren.

Mit wie vielen Ausstellern und Besuchern rechnen Sie auf der diesjährigen Rheinbacher Ausbildungsmesse?

Ann-Kathrin Schäfer: Mit 110 Ständen haben wir den Platz maximal ausgenutzt. Da sich an den Ständen des Gewerbevereins und des Bauhandwerks Rheinbach (ehemals Bauinnung Rheinbach) aber zahlreiche Unternehmen zusammenschließen, haben wir rund 150 ausstellende Betriebe und Institutionen vor Ort. Und dass, obwohl wir die Preise aufgrund gestiegener Kosten moderat anheben mussten. So sind wir mit dem Ergebnis der Anmeldungen von Ausstellern insgesamt sehr zufrieden. Damit die Messe wieder ein echter Erfolg wird, fehlen nur noch die Besucher. Wenn wir hier wieder wie zuletzt rund 2.000 Besucher erreichen, können wir sehr zufrieden sein.

Gibt es bestimmte Berufsgruppen und Institutionen, die im Zuge der wirtschaftlichen Veränderungen mehr vertreten sind?

Ann-Katrin Schäfer: Nein, eigentlich nicht. In diesem Jahr haben sich Aussteller aus Industrie, Logistik, Handwerk, Behörden, Handel, Pflegeberufen, Krankenhäusern und weiteren Berufszweigen angemeldet. Das breite Angebot richtet sich nicht nur an Schüler, die eine duale Ausbildung anstreben, sondern auch an diejenigen, die studieren möchten oder nach dem Schulabschluss einen Auslandsaufenthalt planen. Es ist für jeden was dabei.

Bei der letzten Ausbildungsmesse in Präsenz 2019 war zum ersten Mal das Bauhandwerk Rheinbach – damals noch als „Bauinnung Rheinbach“ bekannt – mit dabei. Das Handwerk leidet besonders am Mangel an Auszubildenden. Wie schätzen Sie, aus Sicht der Ausbildungsmesse, die Chancen ein, dass sich hier was ändert?

Dr. Rasch: In diesem Jahr sind zwar schon zahlreiche Handwerksbetriebe aus Rheinbach und der Region dabei. Dennoch könnten auch noch mehr handwerkliche Betriebe vertreten sein und ihre spannenden Tätigkeiten und Möglichkeiten präsentieren.

Dass sich viele Jugendliche gegen eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, hat auch mit dem leider noch immer eher negativen Image vieler Handwerksberufe zu tun. Dabei haben sich diese Berufsbilder total gewandelt. Ein Heizungsbauer kommt heute mit dem Laptop und wartet und prüft damit das Gerät. Und ganz wichtig: Die Ausbildung kann auch immer eine erste Stufe zur beruflichen Weiterentwicklung sein, das vermitteln wir auf der Messe. In vielen Berufen gibt es die Möglichkeit, nach Abschluss der Ausbildung noch ein Studium zu beginnen – und das auch ohne Abitur. Handwerk und Hochschule schließen sich nicht aus – im Gegenteil, sie können sich gut ergänzen. Den Beruf eines Handwerkers zu ergreifen ist keine Einbahnstraße, sondern bietet vielfältige Weiterbildungs- und Karriere-Chancen.

Was sollen die interessierten Besucher auf der Messe beachten und wie sollten sich die jungen Menschen vorbereiten?

Dr. Rasch: Die Schüler haben dazu viele Möglichkeiten: Wir empfehlen, bei den Ergebnissen und Erkenntnissen aus dem schulischen Landesprogramm „Kein Anschluss ohne Abschluss (KAoA)“ anzusetzen. Hierbei wird eine „Potenzialanalyse“ für jeden Schüler erstellt, aus der erste Neigungen, Interessen und Talente abgeleitet werden. Die kann man gut nutzen, um vorher gezielt auf unserer Website (www.rheinbacherausbildungsmesse.de) nach geeigneten Unternehmen für seine Interessen zu suchen. Wichtig ist, dass man sich dahingehend vorbereitet, sich vorher zu überlegen, was man sich beruflich vorstellen kann und dann auf der Messe aktiv wird und die Unternehmen anspricht. Man sollte offen sein und keine Hemmungen haben, an die Unternehmensvertreter mit gezielten Fragen heranzutreten – denn genau dafür ist das Format ja gedacht. Auch hierfür bieten wir auf unserer Website einige Tipps.

Den Ausstellern raten wir, etwas aus dem Tätigkeitsbereich des Unternehmens zu zeigen. Etwas Anschauliches auf die Messe mitzubringen, um sich interessant zu machen. Nur ein Roll-Up und ein paar Flyer sind heutzutage eigentlich zu wenig. Ein guter Weg ist auch immer, seine Auszubildenden, die schon im Betrieb tätig sind, mit auf die Messe zu nehmen; am besten in Arbeitskleidung. Hier können dann Gespräche auf Augenhöhe mit den Jugendlichen stattfinden.

Welche Pläne haben Sie und ihr Team für die 23. Ausbildungsmesse im nächsten Jahr?

Dr. Rasch: Wir werden ganz sicher auch für die nächste Ausbildungsmesse in 2024 neue Ideen und Innovationen finden und in Gesprächen sowohl mit den Ausstellern, aber auch mit den Schülern neue Ansätze entwickeln. Bereits während der Messe wird eine Schülergruppe die ausstellenden Betriebe und einzelne Besucher befragen. Die Auswertung der Befragung wird uns wieder Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung der Messe bieten. Auch weitere Kurzvorträge und andere Formate zu spannenden Themen aus der Berufswelt und Berufswahl können wir uns vorstellen. Entscheidend ist aber auch hier: Qualität statt Quantität.

Uns ist es sehr wichtig, nicht nur in Rheinbach, sondern in unserer ganzen Region Jugendlichen eine geeignete berufliche Perspektive vor Ort bieten zu können. Die Jugendlichen müssen auch zukünftig wissen, was sie vor Ort an spannenden Möglichkeiten für die Berufs- und Studienwahl haben.

Mit Dr. Joachim Rasch und Ann-Kathrin Schäfer sprach Alfred Eich.

Dr. Joachim Rasch (Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Rheinbach (WFEG) und Ann-Katrin Schäfer (Messekoordinatorin der WFEG). Foto: Eich

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