Allgemeine Berichte | 28.04.2015

Ein Vorfall von der Ahr bringt die Unantastbarkeit des Brauchtums in Wanken

Die Grenzen der Brauchtumspflege?

Wie denken Sie darüber, liebe Leserinnen und Leser?

Die Recher Junggesellen beim Zersägen des Maibaums. privat

Der Junggesellenverein aus Rech an der Ahr wurde bei dem Transport ihres Maibaums von der Polizei gestoppt. Die Folge: Der Maibaum musste entsorgt werden. Das sorgte für kontroverse Reaktionen bei den BLICK aktuell-Lesern - ganz besonders im Internet.

Region. Kaum ein Leserbrief hat in letzter Zeit für mehr Aufruhr gesorgt, als der des Junggesellenvereins Rechs, welcher Anfang letzter Woche die Redaktion von BLICK aktuell erreicht hat. Besonders auf den sozialen Plattformen im Internet schlug das Statement der Junggesellen ein wie eine Bombe und sorgte für Zugriffszahlen und Leserkommentare in ungeahnten Ausmaßen. Wurde hier ein empfindlicher Nerv getroffen, der ohnehin schon blank lag?

Was war passiert?

Kurz vor dem Maifeiertag sind allerorts die Junggesellenvereine unterwegs und suchen sich die schönsten und größten Bäume aus, welche ihren Heimatort bunt geschmückt in der Maienzeit verzieren sollen. So hielten es auch die Junggesellen aus Rech, doch ihre Brauchtumsvorbereitungen fanden auf einer Bundesstraße bei Ahrbrück ein jähes Ende. Die Beamten der Polizei Adenau stoppten die Recher bei der Beförderung des Maibaums und untersagten die Weiterfahrt. Das geladene Gut hätte Überlänge, das Fahrzeug wäre für solch geartete Transporte nicht zugelassen und die Ladung auch nicht ordnungsgemäß gesichert. Die Lösung des Problems lag für die Polizeibeamten auf der Hand: Der Maibaum musste an Ort und Stelle entsorgt, dass heißt zersägt, werden und die Junggesellen im Ahrbogen abgeholt werden. Letztendlich kamen die Recher der Aufforderung nach. Die Junggesellen des 400 Jahre alten Vereins sehen diesen Vorfall nicht nur als unnötig an; sie empfinden auch die Zukunft des Brauchtums als ungewiss. Auch die Polizei in Adenau nahm Stellung zu dem Geschehenen und mahnte die „unzähligen Gefahrenpotentiale“ eines solchen Transport nicht außer Acht zu lassen. Und so war der Nährboden für eine flammende Diskussion gegeben, eine Diskussion um Paragraphenreiterei, mangelnde Kulanz, Dienstvorschriften und dem Niedergang des heimatlichen Brauchtums gegeben, die emotionaler nicht hätte ausfallen können. Angeheizt wurde diese zusätzlich, da gerade in der Ahrregion die Maibaumtransporte in Unfälle verwickelt waren. Im Jahre 2007 kam es bei Bad Bodendorf zu einem tragischen Verkehrsunfall; zwölf teils schwer Verletzte waren die Bilanz.

Fingerspitzengefühl und Formalitäten

Die Diskussion, egal ob bei Facebook oder dem BLICK aktuell Webportal ließ nicht lange auf sich warten. Viele Nutzer bemängeln das fehlende Fingerspitzengefühl der Polizei; so wirft ein Nutzer, der sich im Internet „Tom“ nennt, die Frage auf, ob man dies nicht einfach auf dem „kleinen Dienstweg“ klären könne. Soll heißen, dieses Jahr eine Verwarnung auszusprechen und 2016 dann solche Transporte ordnungsgemäß anzumelden und entsprechend zu sichern. Etwas mehr Taktgefühl hätte sich auch der Nutzer „Brennecke“ gewünscht und fragt: „Was wäre so schlimm gewesen, die Junggesellen zu eskortieren?“. Laut dem Bericht der Junggesellen lehnten die Polizisten dies aber ab. Andere werfen der Polizisten schlicht und ergreifend Pedantismus vor; von „den nächsten Stern“ verdienen ist hier die Rede und das überhebliche Gehabe von „Dorf-Gesetzeshütern“ wird mit Verachtung gestraft. Doch auch leise Töne machen die Runde in der virtuellen Welt. So fasst es auch Nutzer „Kim“ mit Verständnis für die Polizei mahnend zusammen: „... und wenn jetzt doch etwas passiert wäre, wäre das Gejammer groß.“ Und auch der Kommentar von „Markus“ fällt hier ganz pragmatisch aus: „Dann haltet Euch doch an die gängigen Gesetze und Euch kann auch nix passieren.“. Auch über die Verhaltensweise der Polizei wird spekuliert. So wird auch zu Bedenken gegeben, dass der Akt des angeordneten Auseinandersägens ohne Schutzkleidung für die Beteiligten viel gefährlicher sei, als der Transport als solches. Andere attestieren der Polizei schon eine recht großzügige Auslegung der Rechtsvorschriften und stellen gar die Frage: „Woher kam eigentlich dieser Baum... ?“ -ROB-

Stellt die rigorose Durchsetzung von Gesetzen eine Gefährdung des Brauchtums dar? Hans / pixabay

Stellt die rigorose Durchsetzung von Gesetzen eine Gefährdung des Brauchtums dar? Foto: Hans / pixabay

Die Grenzen der Brauchtumspflege?

Der Maibaum - Symbol der Brauchtumspflege, nicht nur im Rheinland. Foto: Goemedien / pixabay

Die Recher Junggesellen beim Zersägen des Maibaums. Foto: privat

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Kommentare
29.04.201509:36 Uhr
Jupp

Wo soll die Zukunft des Brauchtums ungewiss sein?
Es gibt Vereine, die ebenfalls Maibäume aufstellen, die solche "Probleme" nicht haben.

Warum?

Weil sie sich vorher (!) schlau machen, eine Transportgenehmigung einholen, sich an die darin gemachten Auflagen (Kennzeichnung der Fahrzeuge, Kennzeichnung der Teilnehmer usw.) UND den gesamten Transport des Baumes mit der Polizei abstimmen (übrigens auch eine Auflage aus der Transportgenehmigung).

Pragraphenreiterei oder Kulanz?
Wer will diese abwägung treffen und wer übernimmt die Verantwortung bei einen Schaden? Die Polizei oder die Recher Jungesellen, bei denen es ja traditionell in den letzten 400 Jahren glücklicherweise zu keinem Unfall kam?

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