Allgemeine Berichte | 10.07.2026, 14:27 Uhr

Jürgen Saess, Ortsvorsteher von Heimersheim, zieht Bilanz

Fünf Jahre nach der Flut: „Die Ellenbogen werden zaghaft wieder ausgefahren“

Jürgen Saess.  Foto: ROB
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Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Jürgen Saess, Ortsvorsteher von Heimersheim, und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?

BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?

Jürgen Saess: Fast 120 Einwohnerinnen und Einwohner arbeiteten im Arbeitskreis „Fluthilfe Heimersheim Green Ehlingen“ in mehreren Arbeitsgruppen zusammen und erarbeiteten Konzepte zur Resilienz und Modernisierung unser beiden Weindörfer. Der Bahnhof Heimersheim wurde aufgegeben und der neue BHP mit Namen „Heimersheim-Lohrsdorf“ wurde realisiert.

Der Bahnhof von Heimersheim musste aufgegeben werden, um durch Wegfall des dortigen Mitteleinstiegs der Ahr mehr Raum zu geben. Das Konzept sieht weiterhin vor, dass zwei neue Bahnhaltepunkte, einer in Lohrsdorf und einer in Heppingen anstelle des Bahnhaltepunkts Heimersheim realisiert werden. Unter dem Namen Heimersheim-Lohrsdorf wurde einer bereits realisiert, Heimersheim-Heppingen soll noch kommen.

Die Brücke zwischen Heimersheim und Heppingen wurde neu geplant und wieder aufgebaut. Die flutgeschädigten Gewerbetreibenden in Heimersheim bauten und bauen immer noch ihre Gewerbe wieder auf.

Die Bürgerinnen und Bürger von Ehlingen und Heimersheim bauten fast alle ihre Haushalte wieder auf. Der Infopoint der SGD in Heimersheim konnte und leistete wertvolle Hilfen bei der notwendigen Erstellung und Bearbeitung von Förderanträgen. Der ASB sorgte für eine erstmals wieder nutzbare Begegnungsstätte in Heimersheim, unser Pfarrheim wurde von der Flut zerstört.

Ein im Jahr 2023 neu gegründeter „Runder Tisch“ unterstützt mit über 20 Mitgliedern durch Jugend- und Seniorenarbeit die Bewohnerinnen und Bewohner von Ehlingen und Heimersheim und auch das Lokale Team vor Ort wird durch tatkräftige Zusammenarbeit unterstützt. Die Vereine rund um die Landskrone halfen und helfen zusammen und bauten trotz großer Schäden alle wieder auf. Viele unserer Handwerksbetriebe sanierten und restaurierten freiwillig und kostenneutral unser flutgeschädigtes Burgsängerhäuschen und konnten es mittlerweile der Allgemeinheit wieder mit zur Verfügung stellen.

BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden.

Jürgen Saess: Durch die Flut in 2021 und danach kristallisierte sich heraus,

- dass die flutgeschädigte Kita ST. Mauritius abgerissen werden musste und leider immer noch in einem Provisorium (Containerlösung) befindet. Mittlerweile sind zwei Standort-„Fehlplanungen“ anzumahnen, ein Runder Tisch soll nun eine Lösung finden. Der Arbeitskreis „Fluthilfe Heimersheim Greeen Ehlingen“ und der Ortsbeirat Heimersheim hatten sich bereits 2022 für einen Standort der Kita im Bülland ausgesprochen.

- dass ein Durchbruch der B266 in Ehlingen erforderlich wird, damit eine wochenlange Überschwemmung dort in Ehlingen nicht mehr, wie nach der Flut, stattfinden wird.

- Gleichzeitig wurde deutlich, dass die B266, die sich im alten Flussbett der Ahr befindet und von dieser teilweise zerstört wurde, um zwei Spuren verkleinert werden muss.

- Eine Wassereintrittssperre (Fluttor) an der Unterführung unter die B266 in der Heppingen Straße muss ebenfalls noch vor einer zukünftigen Flut realisiert werden, um eine Überschwemmung des neuen und alten Gewerbegebietes damit zu verhindern.

- Die Kanalisierung muss immer noch verbessert werden.

- Die Verlegung von Glasfaser gestaltet sich schwierig, die Telekom kommt ihrem Versprechen auf kostenlosem Anschluss nicht mehr allumfänglich nach. Dadurch kommt es immer wieder bei Neuanschlüssen zum erneuten Aufbrechen der Tragschichten im Fußweg. Überall Löcher, grausam!!

- Die Buckelbrücke zum Bahnhof musste abgerissen werden, ein Neubau wäre gigantischen Ausmaßes bis hin zur Landskrone und zweimaliger Überquerung der L80 gewesen. Jetzt muss noch der Zuweg mittels einer Brücke über die Ahr zum BHP Heimersheim-Lohrsdorf von der B266 (Kloster-Prüm-Straße) aus realisiert werden

- Die Mühlenteichbrücke in der Göppinger Straße ist immer noch ein Provisorium.

Alle diese und weitere Themen sind noch immer nicht abschließend realisiert.

BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?

Jürgen Saess: Der Zusammenhalt ist immer noch da, man merkt aber auch, dass die Ellbögen teilweise, wenn auch noch zaghaft, aber wieder ausgefahren werden. ROB

Jürgen Saess. Foto: ROB

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