Cornelia Weigand, Landrätin des Kreises Ahrweiler, zieht Bilanz
Fünf Jahre nach der Flut: „Wir kämpfen weiter für das, was uns wichtig ist“
Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Cornelia Weigand, Landrätin des Kreises Ahrweiler, und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?
BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?
Cornelia Weigand: In den letzten fünf Jahren ist bereits vieles passiert, zugleich ist der Aufbau noch nicht abgeschlossen. Ein großer Meilenstein war die Wiederinbetriebnahme der nun vollständig elektrifizierten Ahrtalbahn im Dezember 2025. Auch die Freigabe eines zentralen Abschnitts des Ahrradwegs im Juni zeigt, dass wir unserem Ziel einer modernen wie auch widerstandsfähigen Infrastruktur Schritt für Schritt näherkommen. Zudem ist der private Aufbau gut vorangekommen, und die meisten Menschen sind wieder in ihren Häusern. Auch viele Unternehmen und Einzelhändler sind wieder zurück und haben einen erheblichen Anteil daran, dass unsere Region lebenswert ist und bleibt. Dieses Lebensgefühl wirkt sich auch spürbar auf den Tourismus aus: Wochenend-Ausflügler wie auch Urlauberinnen und Urlauber schätzen die Natur und die Kulinarik, die unser Kreis in so vielen Facetten bietet.
In Bezug auf Hochwasservorsorge hat sich viel getan: Die Gewässerwiederherstellung ist in vollem Gange und jede Maßnahme zahlt auf unseren Schutz ein. Bei den kreiseigenen Schulen ist die notwendige Planungsphase an den meisten Standorten abgeschlossen und die Bautätigkeiten werden nun sichtbar.
BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden?
Cornelia Weigand: Jede Baustelle zeigt: Es geht voran. Es tut gut, den Fortschritt zu sehen. Zugleich zehren die Baumaßnahmen mit ihren Einschränkungen und Umleitungen an unseren Nerven und erfordern eine Menge Geduld. Natürlich wären wir froh, wenn die Baustellen bereits fertig wären, aber wir wissen auch, dass eine große Maßnahme komplexe Planung erfordert. Das braucht auch Zeit und fordert Geduld. Wir möchten zukunftsgerichtet, resilienter und nachhaltiger aufbauen und dafür braucht es durchdachte Konzepte und eine fachlich fundierte Planung.
Eine der kreiseigenen Aufgaben ist die Wiederherstellung der Kreisschulen: Hier freuen wir uns, dass die Schülerinnen und Schüler des Peter-Joerres-Gymnasiums die ersten sein werden, die nach den Sommerferien ihre fertiggestellte Schule beziehen können. Bei anderen Schulen erreichen wir wichtige Meilensteine, für die Levana-Schule hoffen wir, bald das neue Grundstück unter Dach und Fach zu bekommen.
Die Gewässerwiederherstellung entlang des Flusslaufs der Ahr macht vielerorts große Fortschritte. Andernorts stehen wir weiter in Verhandlungen mit den Eigentümerinnen und Eigentümern, denn wir müssen die Grundstücke entweder erwerben können oder benötigen eine Genehmigung, um an den Uferrändern wichtige Maßnahmen zur Hochwasservorsorge umsetzen zu dürfen. Auch kämpfen wir weiterhin um die Finanzierung für Hochwasserrückhaltebecken im Ahreinzugsgebiet. Denn nur durch technischen Hochwasserschutz können wir die Arbeit und die bereits getätigten Investitionen, vor allem aber die Menschen, effektiv schützen.
BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?
Cornelia Weigand: „Die Flut hat uns alle geprägt. Als Kollektiv verarbeiten wir die Katastrophe gemeinsam. Es gibt immer wieder Möglichkeiten der Begegnung, sei es in den Dörfern oder bei verschiedenen Veranstaltungen, bei denen die Menschen zusammenkommen und das Erlebte reflektieren. Das heißt: Ja, ich erlebe diesen Zusammenhalt noch heute. Das Ahrtal hat 2021 eine enorme Solidarität erleben dürfen, von zehntausenden Menschen, privat, im Ehrenamt, von nah und fern, durch die großzügige finanzielle Hilfe von Bund und Ländern und auch durch die enorme Spendenbereitschaft. Nur dank dieser Hilfe und Unterstützung konnten wir wieder aufbauen. Nun lautet unser Ziel: Menschenleben schützen und das, was wir uns mühsam aufgebaut haben. Solidarität bedeutet auch, den Bau der Wasserrückhaltebecken als wichtige Prävention vor zukünftigen Ereignissen zu finanzieren und dafür den Aufbauhilfefonds nutzen zu dürfen. Wir kämpfen weiter für das, was uns wichtig ist. ROB
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Foto: Philippe Ramakers / Intuitive Fo
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