Allgemeine Berichte | 09.07.2026

Dominik Gieler, Bügermeister der Verbandsgemeinde Altenahr, zieht Bilanz

Fünf Jahre nach der Flut: Meilensteine und Kompromisse

Dominik Gieler.  Foto: Michael Streich

Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Dominik Gieler, Bügermeister der Verbandsgemeinde Altenahr, und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?

BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?

Dominik Gieler: Im Wiederaufbau der Verbandsgemeinde Altenahr und der betroffenen Ortsgemeinden gibt es viele Meilensteine. Das für die Verbandsgemeinde größte und komplizierteste Projekt ist meiner Meinung nach unser ortsbildprägendes Rathaus. Für uns ist dieses Projekt ungemein wichtig. Das merkt man auch daran, dass man danach am häufigsten gefragt wird. Unser temporärer Standort an der Sommerrodelbahn ist zwar gut in der Verkehrsanbindung und hat ausreichende Parkmöglichkeiten. Demgegenüber stehen aber auch Nachteile und Kompromisse. Insbesondere in der Leichtbauhalle gibt es fast keinen Schallschutz und im Sommer wird es dort sehr warm. Das wirkt sich natürlich nicht positiv auf die eh bereits hohe Arbeitsbelastung aus. Die Sanierung des Rathauses im Ortskern von Altenahr wäre somit ein ganz deutlicher Meilenstein, auch gegenüber unseren Mitarbeitenden.

Dabei vergessen wir natürlich nicht, dass auch andere Projekte nicht zu vernachlässigen sind. Es sind noch viele Straßen fertigzustellen, etwa die B 267 in einigen Ortslagen, was allen Beteiligten noch einiges an Geduld abverlangen wird. Der Ahr-Radweg, neben unseren Wanderwegen wichtig für den Tourismus, ist größtenteils wiedergestellt. Mit unseren Großprojekten der Schulen kommen wir gut voran. Die derzeitigen Containerlösungen sind teilweise sehr belastend für alle Beteiligten und deshalb freuen wir uns auf den Tag, an dem die Schülerinnen und Schüler sowie das gesamte Lehrkollegium wieder die Ahrtalschule in Altenburg betreten werden.

BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden?

Dominik Gieler: Wir arbeiten auf Hochtouren an der Umsetzung einer Vielzahl von Projekten. Dabei alles im Auge und die Übersicht zu behalten, ist sehr schwer und kräftezehrend. Bei einigen Projekten hakt es aus unterschiedlichen Gründen. Die Finanzierung ist dank des Wiederaufbaufonds dabei meist nicht das Problem. Für viele Projekte – da es mit Blick auf die Resilienz im Wiederaufbau zu Veränderungen und Neuerungen kommt – sind Genehmigungen und positive Stellungnahmen manchmal schwer zu bekommen. Hier fordern wir mehr Flexibilität, um die zeitlichen Abläufe zu verkürzen.

Bisher war es auch nicht einfach, für alle Gewerke die geeigneten Firmen zu bekommen. Das hat zur Folge, dass Ausschreibungen angepasst oder wiederholt werden, was wiederum mehrere zeitintensive Runden im Vergabeverfahren zur Folge hat. Hier scheint sich allerdings in jüngster Zeit aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage eine Veränderung in unserem Sinne abzuzeichnen.

BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?

Dominik Gieler: Ich habe den Eindruck, dass wir nach wie vor zusammenhalten, wenn es darauf ankommt. Ich beobachte allerdings auch, dass die Leute der vielen Baustellen überdrüssig und müde sind. Die ständigen Straßensperrungen zehren an den Nerven und man hat den Eindruck, dass sich viele zurückgezogen haben und Ruhe suchen. Das stimmt mich als Bürgermeister natürlich nachdenklich, aber leider können wir die Situation noch nicht ändern. Deswegen appelliere ich immer wieder an die Geduld der Bürgerinnen und Bürger mit der festen Überzeugung, dass wir in einigen Jahren sagen können, dass wir es geschafft haben und sich der lange Weg bis dahin gelohnt hat. ROB

Dominik Gieler. Foto: Michael Streich

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