Allgemeine Berichte | 20.11.2012

Heimatjahrbuch feiert Jubiläum

70. Ausgabe mit 280 Seiten - Aktuelles und Historisches bunt gemischt

Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Kreisarchivar Leonard Janta stellen das aktuelle Heimatjahrbuch 2013 vor. FIX

Kreis Ahrweiler. Ein stolzes Jubiläum feiert das Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler mit seiner 2013er-Ausgabe: Denn es ist der 70. Band der erstmals 1926 erschienenen Reihe. Genau genommen konnten Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Kreisarchivar Leonard Janta bei der Vorstellung sogar ein zweites Jubiläum feiern. Denn nachdem das heimatkundliche Sammelwerk aufgrund der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre und des 2. Weltkriegs in seiner Anfangszeit nur sporadisch erschienen war - nämlich in den Jahren 1926 bis 1928 und 1936 bis 1941 -, wird es seit 1953 und damit nunmehr 60 Jahren ununterbrochen herausgegeben.

82 interessante Beiträge

Schon der Titel des neuen Werks zeigt die „bewährte Vielfalt“, die die beliebte Reihe ausmacht: Neben den Windkraftanlagen des kreisübergreifenden Windparks zwischen Weibern und Rieden, die stellvertretend für die auch im Kreis Ahrweiler eingeleitete Energiewende stehen, findet sich dort die spätromantische Pfarrkirche St. Peter, die das Stadtbild von Sinzig prägt. Auch der 10. Dankesabend des Sports am 21. Oktober 2011, eine besonders gelungene Veranstaltung, und die Weihe der neuen Agnus-Dei-Glocke der Pfarrkirche St. Johannes in Brohl am 27. August 2011 haben es auf den Titel geschafft. „Er zeigt, wofür das Heimatjahrbuch steht: Regionales, Historisches, Aktuelles“, betonte Janta.

„Das 70. Jubiläum ist ein Grund, stolz zu sein“, zeigte sich auch Landrat Pföhler zufrieden mit dem Werk und der Reihe. 80 Männer und Frauen haben daran mitgearbeitet und 82 Beiträge verfasst. „Wie stets hatten wir großes Interesse von Autorenseite, sodass wir auswählen konnten“, berichtete Janta. „Wir“, damit meint er den elfköpfigen Redaktionsausschuss, dem u.a. neben Janta und Pföhler der ehemalige Kreisbildstellenleiter Werner Mertens und Kreispressesprecher Jürgen Kempenich angehören. „Wir versuchen auch immer, jüngere Autoren ins Boot zu holen“, sagte Janta und verwies etwa auf den Beitrag „Junge Bands erobern Bühnen im Ahrkreis“ von Marius Reichert. Außerdem sind wie immer auch eine Reihe von „hochkarätigen Beiträgen“ von Wissenschaftlern, aber auch Laienheimatforschern vertreten.

Ein Blick in das Buch...

Trotz der bunten thematischen Mischung aus Natur und Landschaft, Geschichte, Architektur und Musik, Brauchtum und Biografischem auf 280 Seiten lassen sich doch einige Schwerpunkte festmachen. Wie stets möchte das Heimatjahrbuch über interessante aktuelle Entwicklungen im Kreis Ahrweiler informieren. So berichtet es über die aus der 2007er-Aktion des Kreises „DSL für alle“ hervorgegangenen Glasfaserkabelverlegungen in Wasserleitungen oder über die Fertigstellung der Stromfernleitung Weißenthurm-Bad Neuenahr, einem Teilstück der wichtigen Nord-Süd-Verbindung und damit auch der eingeleiteten Energiewende in Deutschland.

Beleuchtet werden aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wie der Einsatz von Schulen im Kreis gegen den Rechtsextremismus, Sprachkurse an der Kreis-Volkshochschule Ahrweiler für eine verbesserte Integration ausländischer Mitbürger oder aber die Arbeit der Umwelt-Lern-Schule in Niederzissen. Historischen Themen mit aktuellem Bezug widmet sich eine Reihe weiterer Beiträge. Einer befasst sich mit der Eröffnung der ehemaligen Synagoge Niederzissen am 18. März 2011. Das 1841 eingeweihte Gotteshaus wurde am 9. November 1938 in der sogenannten Reichspogromnacht geschändet, soll künftig mit einer Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen zu einer Erinnerungs- und Begegnungsstätte werden.

Jüdische Geschichte im Kreis thematisieren auch Artikel über das Themenjahr Stolpersteine, darunter einer von Zeitzeuge Franz Simon über Erich Elkan aus Bad Neuenahr, der heute in Brüssel wohnt und als einziger seiner Familie den Holocaust und zwischen 1940 und 1945 insgesamt zwölf Internierungs- und Konzentrationslager in Europa überlebt hat.

Biografisches nimmt überhaupt einen großen Raum in der 2013er-Ausgabe ein. Da wird das Schicksal der jüdischen Familie Gottschalk aus Bodendorf geschildert und das Leben von historischen und aktuellen Kirchenvertretern mit Bezug zum Kreis dokumentiert. Darunter sind Erzbischof Cyrillus Rudolf Jarre (1878-1952) aus Ahrweiler und der Pater und Missionar Franz Rosenbaum (1897-1961) aus Altenahr, die beide in den dreißiger Jahren eine Zeitlang in China im Dienste der Kirche tätig waren. Da ist aber auch ein Artikel über Dr. Helmut, dem aktuellen Trierer Weihbischof, der in früheren Jahren u.a. in Ahrweiler und Adenau wirkte.

Doch nicht nur mit kirchlichen, sondern auch weltlichen Persönlichkeiten beschäftigt sich das Buch. So räumt es mit einigen Legenden über den Entdecker der Apollinarisquellen Georg Kreuzberg auf und erinnert an das Jahr 1962, als die heute 70-jährige Maritta Schmitz aus Ahrweiler erste Deutsche Weinkönigin von der Ahr wurde. Der vielleicht spannendste biografische Beitrag des Werks, verfasst von Inge Kurtenbach, schildert das Leben von Eduard Martini. Als Flieger im 1. Weltkrieg desertiert er in den letzten Kriegstagen und landet mit seinem Doppeldecker zwischen Ahrweiler und Bad Neuenahr - was dem ehemaligen Aloisiuskönig fortan den Spitznamen „Ikarus von Ahrweiler“ einbringt. Als Kommunistenführer im Ahrtal gerät er 1933 in die Fänge der Nazis, verliert durch die KZ-Haft eine Niere und wird nur durch den Einsatz seines Freundes, des Ahrweiler Arztes Dr. Georg Habighorst vor dem Tod gerettet.

Natur, Architektur und Geschichte

Weitere historische Artikel im Werk spannen einen Bogen von den Eburonen, einem Keltenstamm zur Zeit der Römer in der Region, bis hin zur Geschichte der Sesselbahnen in Rheineck und Altenahr im 20. Jahrhundert sowie der Verleihung des ersten Karnevalsordens in Westum nach dem Krieg im Jahr 1948 - er war noch aus Holz! Dieser Bereich der historischen Recherche ist vor allem das Paradegebiet wissenschaftlicher Autoren und Heimatforscher. Dr. Wolfgang Dietz hat sich für die aktuelle Ausgabe mit der Geschichte Sinzigs befasst, Dr. Peter Neu mit der Hexenverfolgung im Arenberger und Nürburger Land und die Ahrweiler‘ Geschichtskoryphäe Hans-Georg Klein mit der Hungersnot von 1770/72 in seiner Heimatstadt.

Im Themengebiet Architektur stellen zwei Beiträge Jubiläen in den Mittelpunkt - von Kloster Marienthal (875 Jahre) und der Dernauer Pfarrkirche St. Johannes Apostel (250 Jahre). Weitere behandeln die Apollinariskirche Remagen, den „schönsten Sakralbau der Rheinromantik“, und die neue Orgel in St. Mariae Himmelfahrt Bad Breisig. Den mitunter skurrilen plastischen Figuren an der Abtei(-kirche) Maria Laach wie der „Schreibende Teufel“ und der „Haarraufer“ widmet sich ein anderer Aufsatz.

Auch die Natur des Kreises kommt nicht zu kurz. Prof. Wilhelm Meyer legt die geologische Geschichte des Brohltals dar, Dr. Bruno P. Kremer präsentiert die Ahr als „Kernstück der Eifel“ und ein weiterer Artikel schildert die Weinbaugeschichte Remagens von 1806 bis 1926. Erhältlich ist das in Hardcover ausgeführte Heimatjahrbuch 2013 im Buchhandel des Kreises.

BÜN

Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Kreisarchivar Leonard Janta stellen das aktuelle Heimatjahrbuch 2013 vor. Foto: FIX

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