Allgemeine Berichte | 23.05.2013

Vier Institutionen des Kreises erhielten die Ehrenplakette

Landrat lobt ehrenamtliches Engagement

Auszeichnung für „Die Tafel“ Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie den Verein „Markt für Leib und Seele „ in Adenau.  Fix

Kreis Ahrweiler. „Viele sagen: Es ist doch völlig normal, was ich tue. Lassen Sie mich es Ihnen sagen: Es ist eben nicht normal, sie tun mehr als Andere für uns und die Gesellschaft. Denn Sie alle verbindet, dass Sie sich in der Zeit, die Ihnen täglich zur Verfügung steht, für mehr einsetzen als für Ihren Beruf, für Ihr eigenes Wohl oder das Ihrer Familie und Freunde.“ Mit diesen Worten eröffnete Landrat Dr. Jürgen Pföhler am Donnerstag die Feierstunde zur Verleihung der Ehrenplakette des Landkreises Ahrweiler an vier Vereine beziehungsweise Institutionen der Region: den Kultur- und Heimatverein Niederzissen, den Kreisfeuerwehrverband Ahrweiler, die „Tafeln“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie den Verein „Markt für Leib und Seele, füreinander, miteinander“ aus Adenau, vergleichbar mit den „Tafeln“.

Ins Leben gerufen wurde die Auszeichnung 1985 vom damaligen Landrat Dr. Egon Plümer, der ebenso im Großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung anwesend war wie die Landtagsabgeordneten Guido Ernst und Horst Gies, Kreisbeigeordnete, Fraktionsvorsitzende und weitere Vertreter aus Politik und Kirche sowie natürlich die Ausgezeichneten, sodass der Saal mit rund 80 Personen gut gefüllt war. Wie bei jeder Verleihung war auch der Künstler Friedhelm Pankowski zugegen, der die Plakette mit der stilisierten Kreiskarte und „Markenzeichen“ des Kreises wie Landskrone oder Rhein geschaffen hat. Jede von ihnen ist Handarbeit in 27 Arbeitsgängen - Unikate, die den Wert dieser Ehrengabe für herausragende Verdienste unterstreichen.

Heimat als Kompass

„Die Heimat- und auch die Kulturpflege haben daher einen großen Stellenwert“, kündigte Pföhler den ersten Preisträger an. „Sie bewahren uns davor, die Werte, nach denen die Generationen vor uns gelebt haben, leichtfertig über Bord zu werfen. Heimat ist ein Kompass: Da komme ich her, da will ich hin.“ Seit seiner Gründung 2007 habe der Heimatverein Niederzissen einen „großen Aufstieg“ vollzogen und sei eine Kompassnadel. „Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Restaurierung der Ehemaligen Synagoge in Niederzissen“, so der Landrat. „Die Vereinsmitglieder haben ehrenamtlich unzählige Stunden in den Wiederaufbau der Synagoge investiert, die im vergangenen Jahr offiziell eröffnet werden konnte.“ Die Synagoge Niederzissen bilde als Erinnerungs- und Begegnungsstätte heute eine wichtige Brücke zur alten jüdischen Gemeinde, die damals hier vorhanden gewesen und mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus ausgelöscht worden sei. Sie setze ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung. Mehr denn je sei es heute wichtig, solche Symbole und klare Zeichen zu setzen gegen Rechtsextremismus, Intoleranz und Fremdenhass, der auch den Kreis Ahrweiler nicht verschont habe. Pföhler spielte hiermit auf die Ereignisse rund um das sogenannte Braune Haus in Bad Neuenahr an. Mit Mut und Beharrlichkeit hätten die engagierten Vereinsmitglieder Vorbildliches geschaffen. Von den 400.000 Euro umfassenden Investitionen steuerten sie 30.000 Euro an Eigenleistungen zur Restaurierung der Ehemaligen Synagoge bei. Gerne habe der Kreis, selber Mitglied im Kuratorium des Vereins, das Instandsetzungsprojekt bei der Prioritätensetzung aller Fördermaßnahmen der Dorferneuerung an oberste Stelle gesetzt und somit den Weg freigemacht für die Landeszuschüsse. Besonderes Lob des Landrats galt dem Vereinsvorsitzenden und Ortsbürgermeister Richard Keuler, dem er auch die Ehrenplakette überreichte. „Mit viel Herzblut haben Sie sich auch gegen manche Skepsis im eigenen Ort für das Projekt Synagoge eingesetzt. Als ,Motor‘ haben Sie mit herausragendem und beispielhaftem Engagement die Restaurierung des Gebäudes vorangetrieben.“ Als Anerkennung gab es zudem zwei Flaschen Wein. „Wie Sie die auf 140 Mitglieder aufteilen wollen, weiß ich allerdings nicht“, scherzte Pföhler.

Großer Einsatz

„Wo andere rausrennen, da rennen Sie rein“ - mit diesen Worten setzte der Landrat die Ehrungen fort. Gemeint war damit der Kreisfeuerwehrverband Ahrweiler, Dachorganisation für 2.000 Frauen und Männer in den Freiwilligen Feuerwehren des Kreises und fast 400 Jugendliche in der Jugendfeuerwehr. Der Verein vertrete vorbildlich die Belange der freiwilligen Feuerwehrleute gegenüber dem Land als Träger des Brandschutzes.

Er wurde vor 28 Jahren gegründet und besitzt heute mehr als 2.900 Mitglieder. Der Kreisverband fungiert als Bindeglied zwischen den Feuerwehren und der zivilen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Zudem übernimmt er die Organisation und Abnahme von Wettbewerben wie das Geschicklichkeitsfahren für Einsatzfahrer und das Feuerwehrleistungsabzeichen. Darüber hinaus ist er für Themen der Wehrführerfortbildung und Ausbildung im Einsatz mit Motorkettensägen zuständig und leistet die entsprechend notwendige Öffentlichkeitsarbeit. „Unsere Feuerwehrleute retten, löschen, bergen, schützen“, betonte Pföhler. „Dabei riskieren sie Leib und Leben. Und das alles freiwillig und ehrenamtlich. Neben der Zeit investieren sie vor allem ihre Person, ihr Leben, setzen den Familienfrieden aufs Spiel. Das gilt noch mehr hinsichtlich der psychischen Belastungen, beispielsweise jener schrecklichen Bilder bei Unfällen auf der nahen A61, die niemand von uns sehen will. Der Kreis, aber auch ich persönlich, haben hohen Respekt vor den Feuerwehrfrauen und -männern, die uns vorleben, wie eine Gesellschaft als Gemeinschaft funktionieren kann.“ Nach der Auszeichnung der Feuerwehr mit der Ehrenplakette im Jahr 1996 solle nun auch die Arbeit des Dachverbands honoriert werden. In Empfang nahm sie sein stellvertretender Vorsitzender Rolf Genn. „Zwei Flaschen durch 2.900 Mitglieder zu teilen wird noch schwieriger“, setzte Pföhler seinen Running-Gag fort.

Skandal Armut

„In unserer Wohlstandsgesellschaft dürfte es bei der Überproduktion von Lebensmitteln eigentlich keine Armut und keinen Hunger geben. Aber es gibt ihn, auch bei uns im Kreis Ahrweiler. Das ist ein Armutszeugnis, ein Skandal“, leitete der Landrat zu den nächsten Preisträgern über. Abhilfe könne jedoch geschaffen werden, das Prinzip sei einfach: „Wer zu viel Essen hat, gibt es denen, die zu wenig haben. Lebensmittel verteilen, statt vernichten, heißt die Devise.“ Im Kreis gibt es zwei Einrichtungen, die für die unkomplizierte Hilfe der Bedürftigen vor Ort sorgen: „Die Tafel“ Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie der Verein „Markt für Leib und Seele„ in Adenau. Sie verteilen Woche für Woche eingesammelte Ware aus Großküchen, Hotels und Supermärkten an Not leidende Menschen. Heute rund 120 Ehrenamtler dabei für die Tafel aktiv, die es in Ahrweiler seit 2006 und in Sinzig seit 2010 gibt. Das ökumenische Solidarprojekt wurde gemeinsam von dem Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr, dem Diakonischen Werk, der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Katholischen Dekanat Ahr-Eifel gegründet. Waren es im Gründungsjahr 450 Personen, die die kostenlose Abgabe von Lebensmitteln in Anspruch genommen haben, so sind es mittlerweile rund 700 Menschen, die regelmäßig eine der beiden Ausgabestellen aufsuchen. Heute seien die Tafeln in Ahrweiler und Sinzig aber mehr als ein Ausgabeort von Lebensmitteln, sagte Pföhler. Sie leisteten Hilfe zur Selbsthilfe, gäben den Menschen Halt und unterstützen sie bei der Teilhabe am sozialen Leben. So böten sie etwa Koch- und Nähkurse an, begleiteten die Bürger bei Behördengängen und sorgten für soziale und seelsorgerische Betreuung. Der Verein „Markt für Leib und Seele“ kümmert sich seit Mai 2008 um die Sammlung und Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige in der Verbandsgemeinde Adenau. Träger sind die Katholische und Evangelische Kirche sowie einzelne Bürger. Rund 50 Menschen engagieren sich hier ehrenamtlich. Alle zwei Wochen kommen viele bedürftige Menschen an die Ausgabestelle und holen Lebensmittel für sich und ihre Familien ab. Damit werden geschätzte 100 Menschen im Adenauer Land mit gespendeten Lebensmitteln versorgt. Die Produkte werden hauptsächlich von hiesigen Geschäften gespendet, teilweise führen die ehrenamtlichen Mitglieder jedoch auch Sammelaktionen durch. Darüber hinaus betreibt der Verein an den Ausgabetagen ein Sozialcafé. Hier besteht die Möglichkeit zu Austausch, Information und Begegnung. Außerdem bietet der Verein auch allgemeine Hilfestellung für Menschen in Not. „Sowohl die Tafel als auch der Markt für Leib und Seele haben sich zu einer festen sozialen Institution im Kreis Ahrweiler entwickelt. Beide Organisationen geben ein herausragendes Beispiel für ehrenamtliches, soziales und vor allen Dingen mitmenschliches Engagement“, betonte Pföhler. Für „Die Tafeln“ Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig nahmen Ursula Schmitten, Pfarrer Friedemann Bach und Gudrun Schimansky die Ehrenplakette in Empfang, für den Markt für Leib und Seele der Vereinsvorsitzende Dieter Trojahn. Das Lob Pföhlers galt auch der Schülerband des Are-Gymnasiums unter der Leitung von René Fromm, die den Festakt musikalisch begleitete. Das Schlusswort gehörte jedoch dem Landrat: „Liebe Träger der Ehrenplakette, Sie alle haben Großartiges geleistet und können stolz sein. Ich hoffe, wir konnten Sie ein Stück weit motivieren, weiterzumachen. Denn Ihre Arbeit trägt auch eine Vorbildfunktion in sich: Sie motivieren andere, mitzumachen und zu helfen.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Ahrweiler, Rolf Genn nahm die Ehrung stellvertretend für die gesamte für die Dachorganisation entgegen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Ahrweiler, Rolf Genn nahm die Ehrung stellvertretend für die gesamte für die Dachorganisation entgegen.

Auszeichnung für „Die Tafel“ Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie den Verein „Markt für Leib und Seele „ in Adenau. Fotos: Fix

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