Finale des Bitburger-Rheinlandpokals in Polch
SpVgg zeigt auch in der Niederlage Größe
Burgbrohl unterliegt im Endspiel um den Rheinlandpokal dem FSV Salmrohr nach Elfmeterschießen mit 4:6
Polch. Es hat nicht sollen sein: Fußball-Oberligist SpVgg Burgbrohl hat den Einzug in die erste Runde um den DFB-Pokal und damit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte nur denkbar knapp verpasst. Im Finale um den Bitburger-Rheinlandpokal unterlag die Mannschaft von Trainer Klaus Adams dem leicht favorisierten Klassenkonkurrenten FSV Salmrohr nach dramatischem Spielverlauf mit 4:6 (1:1, 1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen. 2061 Zuschauer im Leo-Schönberg-Stadion von Polch waren Augenzeuge eines nicht immer hochklassigen, aber stets spannenden Finales gewesen. Spieler, Trainer und Verantwortliche der SpVgg Burgbrohl bewiesen aber trotz der unglücklichen Niederlage Größe, was dem Verein sicherlich viele Sympathien beschert haben dürfte. Dem Ex-Zweitligisten FSV Salmrohr, dem vor einem Jahr noch die Insolvenz drohte, winken nun 130.000 Euro an Fernsehgeldern, der unterlegene Finalist aus dem Brohltal muss sich mit 5.000 Euro begnügen.
Es war schon ein bizarres Bild, das sich den Zuschauern in Polch nach dem Ende der Begegnung bot. Die Spieler des FSV Salmrohr sangen und tanzten in der einen Hälfte und begruben Torhüter Daniel Ternes, der mit einem gehaltenen Elfmeter zum Pokalhelden mutierte, fast unter sich. Nur zehn Meter weiter um den Mittelkreis herum saßen und lagen die unterlegenen Burgbrohler, vergruben ihre Gesichter in ihren Trikots, rauften sich die Haare, vergossen Tränen der Enttäuschung und ließen sich von ihren Frauen und Freundinnen trösten, obwohl sie nahezu untröstlich waren. Vor allem natürlich der erst 19-jährige Spieler Julius Fohr, der eine glänzende Saison gespielt und auch im Finale eine überragende Leistung abgeliefert hatte - und dem prompt im Elfmeterschießen als einzigem Spieler die Nerven versagten - und das als erster Burgbrohler Schütze.
SpVgg-Mittelfeldspieler Tobias Wirtz, der in der regulären Spielzeit nach 32 Minuten den Führungstreffer der Salmrohrer durch Timo Heinz (8.) egalisiert hatte, fand dennoch schnell seine Worte wieder: „Jeder von uns weiß, wie ein Elfmeterschießen enden kann. So etwas lässt sich auch nicht trainieren. Es ist schon sehr bitter“, gab Tobias Wirtz zu Protokoll. „Unter dem Strich haben wir eine Riesensaison gespielt, das kann uns niemand mehr nehmen. Und auch diese Niederlage am heutigen Abend bringt gerade die jungen Spieler weiter. Das können sie zwar jetzt im Moment nicht glauben, aber es ist so.“
Zum Helden hätte auch Torhüter Michael Berg avancieren können, aber gerade bei den ersten beiden Elfmetern hatte er großes Pech. „Der erste Elfmeter ist mir unter dem Handschuh durchgerutscht“, resümierte der baumlange Schlussmann, „und auch beim Zweiten habe ich die Ecke gerochen. Mehr als die Fingerspitzen habe ich leider nicht mehr an den Ball bekommen.“ Elfmeterschießen sei halt immer Glücksache. „Schade, dass sich das Pendel nicht auf unsere Seite geschlagen hat.“
Burgbrohls Trainer wollte die Niederlage nicht am Elfmeterschießen festmachen. „Wir hatten vier 100-prozentige Chancen, drei davon in der regulären Spielzeit. Da hätten wir die Entscheidung zu unseren Gunsten erzwingen müssen“, räumte Klaus Adams ein. In der 60. Minute lief Sebastian Sonntag nach einem Traumpass des Georgiers Giorgi Piranashvili, der den Verein wohl verlassen und sein Glück in einer höheren Klasse suchen will, allein auf den FSV-Torhüter zu. Der 21-Jährige, zur zweiten Halbserie vom B-Ligisten SV Mayschoß gekommen, hätte den Ball flach in die rechte oder linke Ecke, ihn über den Torwart heben oder ihn zum mitgelaufenen und einschussbereiten Lukas Püttmann legen können - doch er schoss ihn dem schon am Boden liegenden Ternes genau in die Arme. „Da ist ihm wohl das Herz in die Hose gerutscht“, suchte sein Trainer nach Erklärungen. „Das müssen wir verstehen, so schwer es uns allen fällt.“ Nachdem erneut Sebastian Sonntag (76.), Norman Wermes (81.) und der eingewechselte Florian Stein (110.) weitere klare Chancen für Burgbrohl vergeben hatten, musste das unvermeidliche Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.
„Fußball kann grausam sein“
„Trotz der großartigen Leistung überwiegt die Enttäuschung“, gestand Ralf Dünchel, Vorsitzender des Hauptvereins SpVgg Burgbrohl und Abteilungsleiter Fußball. Ihm standen auch fast zwei Stunden nach Spielschluss im VIP-Raum die Tränen noch (oder wieder) in den Augen. „Ausgerechnet der jüngste Spieler verschießt, es bedeutete im Elfmeterschießen den ersten und einzigen Rückstand. Fußball kann schon sehr grausam sein. Das Fernsehgeld hätten wir gut für die Verbesserung der Infrastruktur einsetzen können.“ Übungsleiter Klaus Adams pflichtete ihm indirekt bei, richtete den Blick aber gleich wieder nach vorn, trotz aller Enttäuschung: „Im Elfmeterschießen muss es nun mal einen Gewinner und einen Verlierer geben. Wir tun gut daran, die vergangenen acht Meisterschaftsspiele und auch das Finale heute hier als Maßstab zu nehmen. Dann muss niemandem angst und bange werden. Ich bin sicher, dass wir eine andere Rolle spielen werden und nicht so lange in den Abstiegskampf verwickelt sein werden.“
Viel Zeit zum Abschalten bleibt Klaus Adams, der in Bad Breisig wohnt und die SpVgg in der am 1. August beginnenden Oberliga-Saison im fünften Jahr betreuen wird, nicht: Am Donnerstag, 25. Juni, also gerade mal drei Wochen nach Saisonende, bittet er schon wieder zum Training. Spätestens dann muss (und wird) die unglückliche Pokalniederlage aus den Köpfen sein.
Klein, aber fein: der Fanblock der SpVgg Burgbrohl. Fotos: SK
Lukas Püttmann (Mitte) konnte sich gegen Daniel Schraps (rechts) und Lars Schäfer (links) nicht wie gewohnt in Szene setzen.
Burgbrohls Trainer Klaus Adams kann sich nur ein gequältes Lächeln abringen, als ihm Bernd Schneider, der Spielausschussvorsitzende des Fußballverbands Rheinland, bei der Siegerehrung gratuliert.
