Allgemeine Berichte | 17.05.2026, 10:08 Uhr

Nach 13 Jahren Funkstille tolles Comeback für die Laientheatergruppe

Spiegeltheater Adenau feierte Comeback mit Komödie „Kardinalfehler“

Das Ensemble ist zufrieden: Toller Applaus des Publikums und eigene Freude über das so eindrucksvolle Comeback
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Adenau. Spiegeltheater Adenau feiert erfolgreiches Comeback mit „Kardinalfehler“

Mit der Komödie „Kardinalfehler“ meldete sich das Spiegeltheater Adenau Ende April aus einer langen Schaffenspause zurück: Nach 13 Jahren Funkstille feierte die Laientheatergruppe mit drei sehr gut besuchten Aufführungen in der Hocheifelhalle ein erfolgreiches Comeback. Dafür hatte sich das Ensemble ein Stück von Alistair Beaton und Dietmar Jacobs ausgesucht, das die Doppelmoral der Institution Kirche und die Verfehlungen ihrer Würdenträger kritisch aufs Korn nimmt – aber die Balance zwischen Drama und Komödie gut hält.

Das Stück zeichnet das Sittengemälde eines kleinen, ruhigen Bistums in den Wochen vor dem Besuch des Papstes zur 700-Jahr-Feier. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren: Dem freundlich- schusseligen und selbstverliebten Bischof Konrad Glöckner (Georg Heinen), fallen immer wieder neue Dinge ein, wie er sich und das Bistum vor dem Heiligen Vater in einem guten Licht präsentieren kann. Seine Spontanideen treiben den gestrengen Generalvikar Koch (Gregor Specht), der den Papstbesuch perfektionistisch, kühl und minutiös plant und die energisch-feministische Haushälterin Wiebke Ebert (Hildegard Kraft) immer wieder an den Rand des Wahnsinns. So will Bischof Glöckner unter anderem den kreuzbraven Priesterseminaristen Matteo (Michael Heinen) als „Stimme der Jugend“ ein Grußwort sprechen lassen. Eine Idee, die dem abgebrühten Generalvikar gar nicht gefällt, da er selber gerne das Wort vor dem Papst ergreifen will. Er setzt alles daran, den jungen Matteo auszubooten.

Im täglichen Clinch um die Planung ist dem Generalvikar und dem Bischof aber vor allem eines klar: Es darf bis zum Besuch bloß keinen Skandal im Bistum geben! Vor allem, wo sich jetzt auch noch überraschend der sehr resolute Reisemarschall des Vatikans (Thomas Sebastian) angekündigt hat, um das Provinzbistum vor der Ankunft des Papstes peinlichst genau zu überprüfen. Aber kaum ist der arrogante Reisemarschall im Haus, klingelt der Skandal bereits in Gestalt der selbstbewussten und fordernden Studentin Emma (Laura Darms) an der Tür des Bischofs. Sie beweist dem verdatterten und hilflosen Bischof, dass sie sein Kind aus einer früheren Liebschaft ist. Er hatte die Mutter im Stich gelassen, um in der Kirche Karriere zu machen. Das Führungsduo des Bistums hat nun alle Hände voll damit zu tun, diesen Fehltritt des Kardinals schnell und nachhaltig zu vertuschen.

Es gibt eine Menge zu lachen bei diesen Irrungen und Wirrungen und pointierten Dialogen (Souffleuse: Petra Schöttler-Nicoli). Doch immer wieder bleibt den Zuschauern dieses Lachen im Halse stecken: Etwa, wenn der vorgeblich so gütige Bischof sich angesichts seiner Tochter - die kein Schweigegeld, sondern nur Interesse von ihm will - als karrieregeiler Schwächling entpuppt und nach der Mutter nun auch die Tochter im Stich lässt, um seinen Ruf zu schützen. Oder, wenn der eifersüchtige Generalvikar den träumerischen Matteo mit dem Wissen über dessen heimliche Homosexualität eiskalt erpresst und ohne Gewissensbisse alle Hebel in Bewegung setzt, um das Bistum vor den möglichen Auswirkungen der Wahrheit zu schützen.

Es ist ausgerechnet der zunächst naiv scheinende junge Priesterseminarist, der am Ende den meisten Mut zur Wahrheit aufbringt: In einem beeindruckenden Monolog spricht er sich den Frust über das, was aus Sicht der Jugend die Kirche innerlich kaputt macht von der Seele und steht dabei auch zu seinem Schwulsein. Doch es stellt sich heraus, dass seine besonnene Rede nur eine Sprechprobe war. Ob er am Ende tatsächlich den Mumm aufbringen kann, all das öffentlich vor dem Papst zu sagen, ist nicht sicher, als der Vorhang fällt.

Das Spiegeltheater hat mit „Kardinalfehler“ das 20. Stück im Aufführungsrepertoire seit 1983 abgeliefert, das gut zum Leitgedanken des Ensembles passt: provozierend, humorvoll komödiantisch – ohne dabei belehrend zu sein. Es ist ihm wieder ein spannender, lustiger und auch nachdenklich stimmender Theaterabend zu einem aktuellen Thema gelungen.

Für den Zuschauer blieb am Schluß offen: Konnte der Priesterseminarist seine Botschaft vor dem Papst sprechen?

Für den Zuschauer blieb am Schluß offen: Konnte der Priesterseminarist seine Botschaft vor dem Papst sprechen? Foto: Werner Dreschers

„Ich will das Geld nicht - ich möchte anerkannt werden“

„Ich will das Geld nicht - ich möchte anerkannt werden“ Foto: Werner Dreschers

Haushälterin Wiebke ist echt sauer, jetzt sagt sie dem Bischof aber mal ordentlich die Meinung ...

Haushälterin Wiebke ist echt sauer, jetzt sagt sie dem Bischof aber mal ordentlich die Meinung ... Foto: Werner Dreschers

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Spiegeltheater Adenau feierte Comeback mit Komödie „Kardinalfehler“
Recht brutal geht der Generalvikar mit Matteo um: „Ich mache Dich ferig!“

Foto: Werner Dreschers

Spiegeltheater Adenau feierte Comeback mit Komödie „Kardinalfehler“
Der resolute Reisemarschall des Papstes ist sauer: „“Wie kann es sein, dass in Ihrem Archiv eine solche Schlamperei herrscht?“

Foto: Werner Dreschers

Spiegeltheater Adenau feierte Comeback mit Komödie „Kardinalfehler“
Spiegeltheater Adenau feierte Comeback mit Komödie „Kardinalfehler“

Das Ensemble ist zufrieden: Toller Applaus des Publikums und eigene Freude über das so eindrucksvolle Comeback Foto: Werner Dreschers

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