Diskussionsrunde zur Zukunft des Nürburgrings in Adenau
"Wir sind der Politik ausgeliefert"
Landtagsabgeordneter Marc Ruland (SPD) kassiert Schläge für Beck und Dreyer
Adenau. In der Hocheifelhalle Adenau wurde vor kurzem über die Zukunft der legendären Rennstrecke, dem Nürburgring diskutiert. Anlass hierzu war diesmal die SWR4 Veranstaltung Klartext mit dem Titel „Ring frei? Das Entscheidungsrennen in der Eifel“. Mit dem Weiterverkauf der Capricorn-Anteile an den russischen Oligarchen Victor Charitonin im Oktober diesen Jahres, wurden die schlimmsten Befürchtungen der Menschen in der Region, wahr. Der Blick auf die Gästeliste offenbarte, dass Vertreter aus den politischen Lagern, wie CDU Landtagsabgeordneter Alexander Licht, SPD Landtagsabgeordneter Marc Ruland und Nils Wiechmann von den Grünen sich den Fragen von Moderator Thomas Meyer stellen würden. Doch bereits vor Beginn der zweistündigen Sendung war dem überwiegenden Teil der 250 Besucher anzumerken, dass dieser Abend kaum Neues zur weiteren Entwicklung am Ring hervorbringt. Anders wie bei der ersten SWR4 Veranstaltung im April 2013 in Nürburg, war diesmal kein Verantwortlicher des Rings anwesend. Rennfahrer Christian Menzel und der Motorsport-Journalist Wilhelm Hahne komplettierten die Runde und übernahmen den Part der Politikerschelte.
Eine kleine Vorstellungsrunde der Gesprächspartner auf der Bühne gab den Startschuss für eine im späteren Verlauf immer emotionaler werdende Konversation. Den Anfang machte Alexander Licht von den Christdemokraten der das, was sich tagtäglich im Landtag abspiele als Theater bezeichnete. Laut seiner Aussage habe die Landesregierung in Person von Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Versprechen abgegeben, dass es keinen Oligarchen am Ring geben werde. „Wir sind in einer ganz schwierigen Situation und das erschreckende ist, dass offensichtlich nur noch Gerichte entscheiden wie die Zukunft exakt aussieht. Es wird erst einmal ab ersten Januar, davon ist auszugehen, mit einem ganz normalen Pachtvertrag weitergehen. Aber wie die Zukunft, mit wem die Zukunft und wie sie exakt aussieht steht nach wie vor in den Sternen und dafür zeigt vor allem die Sozialdemokratie Verantwortung“, äußerte sich Alexander Licht in Richtung des SPD-Vertreter Marc Ruland.
Youngster Marc Ruland als Vertreter der Landesregierung
Der Landtags-Neuling aus Andernach forderte zu Beginn seiner Ausführungen zum Abrüsten der Sprache auf und wünschte sich einen sachlichen Dialog. Zudem gestand Marc Ruland die Fehler seiner Parteigenossen in Hinblick auf das Projekt Nürburgring 2009, mit der Ergänzung, er selbst sei erst 2013 in den Landtag eingezogen. „Eine Aufarbeitung hat in den verschiedensten Gremien stattgefunden, im Landtag, im Untersuchungsausschuss, bei der EU...“, äußerte sich Marc Ruland. Aus seiner Sicht habe man politische Verantwortung übernommen und wandte sich dann mit der Bitte an alle Beteiligten, man solle nun zukunftsgewandt nach vorne blicken.
Bis dato verlief die Diskussion zum Thema „Nürburgring“ noch recht geordnet ab. Doch dies änderte sich schlagartig als der Grünenpolitiker Nils Wiechmann zu Wort kam. Moderator Thomas Meyer hatte ihn zuvor gefragt, wie die Politik sich zukünftig, ohne weiteren Einfluss, am Nürburgring einbringen wolle. Wiechmann stellte direkt klar, dass der Ring wie von der EU vorgeschrieben nach dem Insolvenzverfahren an den meistbietenden Gesellschaftern verkauft wurde. „Ich hoffe, dass die neuen Gesellschafter klug genug sind zu wissen, dass sie die Zukunft am Nürburgring natürlich nicht alleine gestalten können sondern das sie die Region mitnehmen. (...) Ich hoffe, das das funktioniert, aber das ist zunächst einmal auch dann der Einfluss, den die Politik im Moment noch hat aufgrund der Entscheidungen die auf der Europäischen Ebene und von den Insolvenzverwaltern getroffen worden sind.“
Das Publikum wurde durch die Äußerungen des Grünenpolitikers in Rage versetzt und auch Rennfahrer Christian Menzel konnte nur schwer zurückhalten, was er in diesem Moment empfand. "Wir haben keine Hoffnung mehr , wir wissen ganz genau, dass wir der Politik ausgeliefert sind und das Ihnen die Region hier in Wahrheit scheiß egal ist." Das dies auch die mehrheitliche Meinung des Publikums widerspiegelte war dem Applaus zu entnehmen. Alexander Licht (CDU) legte dann kurz darauf auch nochmal nach in dem er auf eine mögliche Einflussnahme der Landesregierung während des Verkaufsverfahrens zu sprechen kam. "Vier Wochen teilte Sie (Landesregierung) auf bohrende Nachfrage mit, dass sie selbst, die Staatskanzlei schon früher, am 16. Januar und am 10. März selbst mit Bietern Gespräche geführt hat. Mir kann doch keiner glauben machen, dass es da nur darum ging ob Tee oder Kaffee gefragt wird." Newcomer im Landtag Marc Ruland versuchte sich rhetorisch geschickt durch den Abend zu manövrieren und die Sozialdemokraten so gut es ging zu vertreten. "Das es doch ganz normal ist, wenn jemand in diesem Land investieren möchte und er Gespräche mit dieser Landesregierung haben haben möchte, dass diese Gespräche dann auch stattfinden. Aber daraus abzuleiten, zu suggerieren und hier zu polemisieren, dass es einen Einfluss in irgendeiner Weise gegeben hat. Wir wissen doch, was die EU-Kommission gesagt hat dazu, das wissen sie so gut wie ich. Da steht schwarz auf weiß drin: offen, transparent, diskriminierungsfrei. Das mag man mir nicht glauben, aber die EU-Kommission hat das so dargelegt." Eine Zuschauerin äußerte sich zu dieser Aussage von Marc Ruland entsetzt. Bisher habe die EU-Kommission in keinster Weise für Rechtssicherheit gesorgt und es sei vorhersehbar das EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager das nicht einfach so hinnehmen wird. Leider fehlte hier eine Stellungnahme der Verantwortlichen am Ring. Laut Moderator habe man versucht Herr Dr. Heinemann von den Betreibern einzuladen, der seine Zusage jedoch wieder zurückzog.
Kritik an der Landesregierung kam ebenso von Motorsport-Journalist Wilhelm Hahne. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sachverstand der für Millionen eingekauft wurde so minderwertig ist, dass das daraus wurde, was nun geworden ist - nämlich eine echte Katastrophe."
Die Unwissenheit, die letztlich für die Angst bei den Menschen in der Region sorgt, zog sich durch den gesamten Abend. Nach den Einschätzungen von CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Licht werde mit Klagen anderer Bieter gerechnet und das letzte Wort sei noch lange nicht gesprochen. Marc Ruland (SPD), der mit der Nürburgring-Affäre nicht im geringsten vertraut war dazu: "Wir haben es hier nicht damit zu tun, dass es einen Weiterverkauf gibt, wir haben hier einen Wechsel auf der Gesellschafter-Ebene , ohne Veränderungen damit zu tun. (…) Die EU-Kommission hat sich zu diesem Thema bislang nicht negativ in irgendeiner Weise geäußert und ich würde mir ähnlich, wie es der Kollege Wiechmann gesagt hat, wünschen, das es möglichst schnell dazu kommt." Dem Anschein nach nahm das Publikum den SPD-Nachwuchs nicht wirklich ernst. Die breite Meinung des Publikums war klar, die Politik hat den Nürburgring letztlich in die Insolvenz getrieben und die schlimmsten Prognosen immer wieder übertroffen. Da half auch Marc Rulands Geschichte vom Besuch des Truck-Grand-Prix als kleiner Junge nichts mehr. Die Region wird sich damit abfinden müssen, das die Zukunft am Nürburgring noch lange Zeit ungewiss bleiben wird.
Video und Bildergalerie zur Diskussion in Adenau
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