Eine wunderbare Weihnachtsgeschichte
„Das ist ja der Wahnsinn!“
„Blick aktuell“ half Änne Paech, ihre Tante nach über fünf Jahrzehnten in Andernach zu finden
Andernach. Der „Blick aktuell“-Redaktion ging kürzlich diese Suchmeldung (verkürzt) zu: „Ich suche meine Tante Karin, letzter bekannter Wohnort Andernach. Nach dem Tod meiner Mutter brach jeglicher Kontakt zur Familie mütterlicherseits ab. Seit zwei Jahren schreibe ich an unserem Familienstammbaum und meine Tante ist die Einzige, die mir Informationen zum Leben ihrer Mutter / meiner Großmutter geben kann. Auch würde ich gerne mehr über den Verlauf des Lebens meiner Tante erfahren …“ „Blick aktuell“ veröffentlichte diese Meldung zwar nicht, begab sich aber auf die Suche und - wurde fündig.
Änne Paech (63), ehemalige Hamburgerin und seit über 20 Jahren im bayerischen Sengenthal (bei Neumarkt) lebend, hatte zum letzten Mal nach dem frühen Tod ihrer Mutter in den 1960er-Jahren zu deren Schwester Kontakt. Ihre Stiefmutter durchschnitt damals jedoch die Bande zur mutterseitigen Verwandtschaft, ließ sogar alle papiergebundenen Erinnerungen verschwinden. Änne Paech, Büroleiterin einer Regionalentwicklungsgesellschaft, wollte nun „Licht ins Dunkel“ der Erinnerungen bringen. Die gesuchte Tante, sofern sie noch leben würde, wäre die Einzige, die ihre Rückblicke in die Kindheit und das lückenhafte Wissen über das Leben der Mutter und der Großmutter ergänzen könnte. Natürlich bestand auch der Wunsch nach einer Begegnung mit „Tante Karin“. Der Wahl-Bayerin war zwar noch die alte Andernacher Anschrift bekannt; dort wohnt Frau Abeck jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr.
„Blick aktuell“ recherchierte
15 Minuten Internet- und Telefonrecherche reichten Michael Krupp, freier Mitarbeiter, um „Tante Karin“ in Andernach zu finden und mit der aufgeschlossenen Dame den telefonischen Kontakt aufzunehmen. Groß war die Freude von Karin Abeck (78), die nun im Süden der Stadt wohnt, als sie von der Suchanfrage ihrer Nichte hörte. Es wurde vereinbart, gemeinsam den Überraschungs-Kontakt zu Änne aufzunehmen. Der „Blick aktuell“-Mitarbeiter bat daher „Nichte Änne“ unter einem Vorwand, sich für eine telefonische Nachfrage zum entsprechenden Zeitpunkt bereitzuhalten.
Familiärer Kontakt nach Jahrzehnten - ein Erlebnisbericht:
Karin Abeck, seit 1992 verwitwet, und eine Nachbarin empfangen Michael Krupp mit erkennbarer Vorfreude. Wie wird der Erstkontakt zur Nichte nach einer so langen Zeit verlaufen? Das Telefon wird auf „Mithören“ gestellt, so kann jeder den Dialog verfolgen. „Hallo, Frau Paech“, beginnt Krupp, als die Nichte in der Oberpfalz den Anruf entgegen nimmt. „Ich habe mich mal in Andernach umgehört, ob jemand eine Frau Abeck kennt, und sitze gerade bei einer Dame, die glaubt, ihre Tante vor längerer Zeit mal kennengelernt zu haben. Vielleicht kann sie Ihnen noch ein paar hilfreiche Informationen geben.“ Änne Paech reagiert erfreut: „Damit bin ich ja schon mal einen guten Schritt weiter“. Krupp: „Dann gebe ich ihnen jetzt mal Frau Garbe.“ Karin Abeck übernimmt: „Hallo Änne, ich sage einfach mal Änne, ist kein Problem?“ „Nein überhaupt nicht“, antwortet die Nichte. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellt sich eine ungewöhnliche Kenntnis bei der „Bekannten“ der Tante bezüglich deren Lebensdaten und - Stationen heraus. Auch entwickelt sich ein kleiner Disput über Jahreszahlen und Zusammenhänge. „Jetzt lösen wir das Ganze ’mal auf“, unterbricht Michael Krupp die Geschichtsforschungs-Konferenz. „Ich sitze hier in Wirklichkeit mit ’Tante Karin‘!“ „Ehrlich?“, ruft Anne Paech begeistert in den Hörer. „Ja, Änne, ich bin das“, lacht Karin Abeck gerührt. „Das ist ja der Wahnsinn!“ „Ja, ich freu mich auch. Ich bin jetzt ganz fix und fertig!“ Karin Abeck laufen Tränen über die Wangen. „Mensch, das finde ich ja so toll. Das ist so schön“, reagiert die bewegte Änne Paech.
Bevor ein Feuerwerk des Austauschs über die eigenen Lebensgeschichten so richtig zu sprühen beginnt, verabschiedet sich der Mitarbeiter von „Blick aktuell“.
„Wir sind so glücklich!“
Am folgenden Tag schickte Änne Paech folgende Rückmeldung: „Noch einmal allerherzlichsten Dank für Ihre erfolgreiche Recherche. Meine Tante und ich haben gestern Abend noch sehr lange telefoniert und uns ausgetauscht. Doch dann mussten wir einfach aufhören, weil wir beide so aufgewühlt waren; wir konnten es immer noch nicht fassen. An Schlaf war in der letzten Nacht kaum zu denken, in meinem Kopf ging es zu wie in einem Bienenschwarm, Fragen über Fragen schwirrten dort herum, die alle mit „Warum“ begannen. Auf alle Fälle werden meine Tante und ich diese wiedergewonnene Verbindung nicht mehr aufgeben. Wir sind so glücklich, uns wieder gefunden zu haben. Spätestens im Frühjahr habe ich vor, nach Andernach zu reisen, um meine Tante endlich umarmen zu können.“
