Andernach erzählt
Die Liebe begann auf dem Tanzparkett – und führte zu den alten Uhren.
aus Andernach
Andernach. Winfried Kaune, langjähriger Andernacher und Bundeswehr-Journalist, entdeckte gemeinsam mit seiner Frau eine besondere Leidenschaft.
Es war ein Tanzabend, der für Winfried Kaune zu einem ganz besonderen Abend werden sollte. Auf dem jährlichen Chrysanthemen-Ball, bei dem sich die Menschen zum Tanzen und geselligen Beisammensein trafen, fiel ihm eine Frau auf. Nicht nur ihr Aussehen hatte es ihm angetan. Besonders beeindruckte ihn, wie sicher und elegant sie auf ihren hohen Stöckelschuhen über das Tanzparkett schwebte.
Winfried Kaune muss noch heute lachen, wenn er davon erzählt. Denn er selbst ist ein leidenschaftlicher Tänzer – und das Tanzen gehört auch heute noch zu den Dingen, die ihm Freude bereiten. Damals ahnte er allerdings noch nicht, dass diese Begegnung sein Leben verändern würde.
Diese Frau war Frau Belting, sie war in Andernach keine Unbekannte. In der Bahnhofstraße 5 führte sie das renommierte Juweliergeschäft Belting, das sie nach dem Tod ihres Mannes allein weiterführte. Besonders angetan hatten es ihr die antiken Uhren – ihnen galt ihre ganz besondere Leidenschaft.
Kaune fasste schließlich Mut und beschloss, sein Glück zu versuchen. Dafür brauchte es allerdings einen guten Grund, um die attraktive Tänzerin in ihrem Büro besuchen zu können. Also wählte er einen durchaus pfiffigen Weg: Er interessierte sich angeblich für antike Uhren und wollte sich bei ihr darüber informieren.
Ob die Uhren damals wirklich sein Hauptinteresse waren, darf man mit einem Augenzwinkern bezweifeln. Fest steht aber: Aus dem vermeintlichen Vorwand wurde tatsächlich eine gemeinsame Leidenschaft.
Der gebürtige Andernacher hatte zu dieser Zeit bereits einen abwechslungsreichen beruflichen Weg hinter sich. Als Redakteur und Journalist arbeitete er für die Bundeswehr in der Krahnenberg-Kaserne. Der jährliche Chrysanthemen-Ball gehörte zu den besonderen gesellschaftlichen Ereignissen, bei denen er nicht nur beruflich, sondern auch privat viele Menschen kennenlernen konnte.
Neben seiner Tätigkeit beschäftigte er sich außerdem mit Versicherungen. Doch die Welt der antiken Uhren sollte zunehmend einen eigenen Platz in seinem Leben bekommen.
Als Kaune und Frau Belting heirateten, verbanden sich nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Interessen und Lebenswelten. Das Juweliergeschäft Belting in der Bahnhofstraße blieb bestehen. Doch die Begeisterung für antike Uhren wuchs.
Immer mehr besondere Stücke kamen hinzu. Irgendwann reichte der Platz im Juweliergeschäft nicht mehr aus.
Die Lösung fand sich in einem besonderen Gebäude: einem alten Fachwerkhaus in der Hochstraße 95, das Winfried Kaune selbst gehörte und in dem er auch wohnte. Im Erdgeschoss richtete er sein Geschäft für antike Uhren ein. Durch die Vielzahl und Besonderheit der ausgestellten Stücke bekam der Raum beinahe den Charakter eines kleinen Uhrenmuseums.
Wer dort eintrat, konnte vermutlich nicht einfach sagen, was ihn erwartete. Genau diese Vielfalt machte für Kaune den Reiz aus.
Die Leidenschaft blieb nicht auf Andernach beschränkt. Kaune und seine Frau machten sich gemeinsam auf die Suche nach besonderen Uhren und reisten dafür unter anderem nach Holland, Belgien und Frankreich.
Es waren keine gewöhnlichen Einkaufsfahrten. Sie hielten Ausschau nach außergewöhnlichen Stücken, die sie später in Andernach anbieten konnten. So wurde aus dem gemeinsamen Interesse ein kleines Abenteuer, das sie durch verschiedene Länder führte.
Besonders beeindruckte ihn eine knapp 400 Jahre alte sechseckige Tischuhr, die er einmal zu Gesicht bekam. Die Präzision und die aufwendige Handarbeit faszinierten ihn. Gerade bei alten Uhren wurde für ihn sichtbar, wie viel Können, Geduld und handwerkliches Wissen in einem scheinbar kleinen Gegenstand stecken können.
Mit der Zeit entwickelte sich Kaune vom interessierten Liebhaber zum anerkannten Kenner. In Andernach sprach sich herum, dass er sich mit besonderen alten Uhren auskannte. Menschen kamen mit wertvollen Zeitmessern zu ihm und baten ihn um Reparaturen. Manchmal wurde er sogar zu den Besitzern nach Hause gerufen.
Eine solche Reparatur ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben.
Eine rund 3.000 Euro teure Uhr musste repariert werden. Eigentlich eine anspruchsvolle Aufgabe – doch die Uhr hing ausgerechnet über einem sehr wertvollen und schweren Klavier.
Das Klavier konnte nicht verschoben werden. Darauf steigen durfte Kaune natürlich ebenfalls nicht. Also blieb nur eines: äußerstes Geschick und Fingerspitzengefühl.
Kaune musste die Uhr erreichen, ohne das wertvolle Instrument zu beschädigen, und gleichzeitig konzentriert genug arbeiten, um die Reparatur fachgerecht auszuführen.
Solche Geschichten zeigen, dass seine Leidenschaft für antike Uhren nicht nur aus dem Betrachten schöner Stücke bestand. Es war ein Handwerk, das höchste Präzision verlangte.
Und manchmal brachte es ihm sogar prominente Kundschaft.
Zu seinen Kunden gehörte Richard von Weizsäcker, der frühere Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Er kaufte in dem Geschäft für antike Uhren eine deutsche Uhr, die er anlässlich eines Staatsbesuchs als Geschenk überreichen wollte.
Dabei blieb Winfried Kaune stets mehr als nur der Mann hinter den alten Uhren. Über längere Zeit verband er seine Arbeit als Journalist und Redakteur bei der Bundeswehr mit seiner Leidenschaft für die antiken Zeitmesser.
Und auch privat wurde es mit Frau Belting nie langweilig. Beide waren begeisterungsfähig und liebten das Abenteuer. Gemeinsam reisten sie nicht nur auf der Suche nach besonderen Uhren durch Europa – sie wagten sich auch an Dinge, die deutlich mehr Mut erforderten.
Zum Beispiel sprangen die beiden gemeinsam mit dem Fallschirm.
Wenn Winfried Kaune heute auf Andernach blickt, bedauert er vor allem, dass viele kleine, individuelle Geschäfte verschwunden sind und große Ketten zunehmend das Stadtbild prägen. Gleichzeitig betrachtet er diese Entwicklung mit einem Augenzwinkern. Schließlich habe er sich früher selbst darüber geärgert, wenn ältere Menschen immer wieder sagten: „Früher war alles besser.“ Das möchte er heute nicht selbst tun.
Viel lieber blickt er auf die Erfahrungen zurück, die sein eigenes Leben geprägt haben. Und dafür hat er einen Satz, der es kaum besser treffen könnte: „Erfahrungen sind die Fehler, aus denen man lernt.“
Vielleicht ist es genau diese neugierige und lebensfrohe Haltung, die sich durch seine Erinnerungen zieht: tanzen, lieben, reisen, Neues entdecken und immer offen bleiben für das nächste Abenteuer.
Mit der Geschichte von Winfried Kaune geht die monatliche Reihe „Andernach erzählt“ des Seniorenzentrums Katharina Kasper in die nächste Runde. Jeden Monat wird darin die ganz persönliche Geschichte eines Bewohners und damit zugleich ein kleines Stück Andernacher Geschichte erzählt.
Auch ehrenamtlich geschenkte Zeit trägt dazu bei, dass solche Erinnerungen lebendig bleiben.
Interessierte an einem ehrenamtlichen Engagement oder an weiterführenden Informationen können sich bei Dilara Köksal, der Ehrenamtskoordinatorin des Seniorenzentrums Katharina Kasper in Andernach, melden. Sie ist telefonisch unter 02632 307 - 290 oder per E-Mail unter d.koeksal@katharina-kasper-andernach.de erreichbar.
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Winfried Kaune blickt auf ein bewegtes Leben zwischen Journalismus, antiken Uhren, Tanz und gemeinsamen Abenteuern mit seiner Frau zurück. In seinem Fachwerkhaus in der Hochstraße 95 richtete er einst ein Geschäft ein, das durch seine besonderen alten Uhren beinahe den Charakter eines kleinen Museums hatte. Foto: Seniorenzentrum Katharina Kasper