Kulturamt Andernach präsentierte Theater in der Mittelrheinhalle
Ein hitziges Stück Gegenwart im Zeitalter der Political Correctness
Andernach. Wenn ein Moslem seine Herkunft verleugnet, um berufliche Anerkennung zu erlangen, eine Afroamerikanerin im Karriererausch steckt und dabei Kollegialität verachtet, ein jüdischer Kurator mit der Frau seines Freundes schläft und in jeder Kritik einen antisemitischen Angriff versteht und eine amerikanische Künstlerin dem Islam verfällt, dann spricht man von Ayad Akhtars Schauspiel „Geächtet“.
Ein Theaterstück der Gegenwart mit Themen, die nicht aktueller sein könnten. Am vergangenen Donnerstag spielte das Ensemble des Tournee-Theaters Thespiskarren in der Mittelrheinhalle Andernach das politische Beziehungsstück „Geächtet“. Fünf Menschen, unterschiedlicher Herkunft treffen bei einem gemütlichen Abendessen aufeinander um die bevorstehende Kunstausstellung von Emily zu feiern. Doch kurz darauf fliegt die Political Correctness gewürzt mit Antisemitismus quer durch den Raum. Fragen über die Beziehung zwischen Mann und Frau werden gestellt und mit dem Koran zitiert. Wo liegt die Grenze in puncto Kopftuch und Verschleierung? Gerechtigkeit vs. Ordnung? Und was haben wir dem Islam wirklich zu verdanken?
Das feurige Temperament der Darsteller entfachte sich jedoch erst kurz vor der Pause. Spannung lag in der Luft und lauter wurden die Stimmen, die in der zweiten Hälfte in Trauer und Selbstmitleid verschwanden. Zum Schluss konnte man die Stille förmlich greifen, was etwas Beängstigendes und Beklemmendes auslöste.
Es ist ein zeitgenössisches Theaterstück mit einer Botschaft, die es nur selten den Weg in die öffentlich geführten Diskussionen schafft. Hin zum Zeitalter des Kolonialismus. Hin zur Zeit, als Pakistan noch Indien hieß und kulturelle Identitäten dem westlichen Gedankengut noch nicht erlag. Eine Inszenierung, die Ayad Akhtars Text ein Bild und eine Botschaft gab und die öfter auf der Bühne der Mittelrheinhalle gastieren sollte, sofern Sie vom Zuschauer auch angenommen wird.
Pressemitteilung des
Kulturamts Andernach
