Allgemeine Berichte | 06.04.2014

Kell – 212 Jahre Wallfahrtsort

Gottesdienste am Schmerzensfreitag

Die Kreuzigungsgruppe aus dem Kloster Tönisstein. privat

Kell. Viele Pilger kommen alljährlich zu der Pieta, um Trost und Kraft zu finden. Im Monat Mai finden wöchentlich Pilgergottesdienste statt. Einer der Hauptwallfahrtstage zu dem Keller Muttergottesbild ist jedoch der Schmerzensfreitag, also der Freitag vor Karfreitag eines jeden Jahres. An diesem Tag kommen viele Pilgergruppen nach Kell. Es finden deshalb am Freitag, 11. April, zwei Gottesdienste statt, und zwar um 14.30 Uhr, unter anderem mit den Pilgergruppen aus Eich, Nickenich, Wassenach und dem Brohltal und um 16 Uhr, unter anderem mit den Pilgerinnen der Pfarrei Maria Himmelfahrt, Andernach. Die Pfarrgemeinde Kell lädt alle Pilgerinnen und Pilger ein, an diesem Tag die Gottesmutter singend und betend zu verehren. Diese Einladung gilt auch an alle Christen aus Kell und Umgebung für das gemeinsame Rosenkranzgebet jeden Sonntag um 14 Uhr vor dem Gnadenbild in der Keller Pfarrkirche.

Wie kommt das Gnadenbild nun nach Kell?

Wenn man die Pfarrkirche St. Lubentius in Kell betritt, fällt das auf der rechten Seite im Chorraum der ehemaligen Pfarrkirche befindliche Marienbild auf. Es handelt sich um eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes. Das Kunstwerk wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angefertigt. Es ist erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Kell. Ursprünglich befand es sich im Kloster Tönisstein, das unweit der heutigen Fachklinik Bad Tönisstein lag. Wenn man von der Fachklinik aus in Richtung Wassenach wandert, sieht man noch einige Mauerreste dieses ehemaligen Karmeliter-Klosters.

Im Jahre 1388, so eine Legende, sahen Hirten aus Kell, die auf den Hügeln auf beiden Seiten des Brohlbachs und im Tal selbst ihre Herden weideten, mitten im dichten Dornengestrüpp ein Licht leuchten. Die Hirten gingen dem Lichtschein nach und kamen zu einer Stelle in unmittelbarer Nachbarschaft der heutigen Klosterruinen. Dort sahen sie, wie ein Strauch brannte, aber nicht verbrannte. Die Legende erzählt, dass sich diese Erscheinung vom brennenden Dornbusch in der Folgezeit noch mehrere Male wiederholte. Bei den Bewohnern erweckte sie Angst und Erstaunen. Nach langem Zögern machte sich schließlich ein Hirte auf und durchsuchte die Stelle. Er breitete den Dornbusch auseinander und sah ein Bild der schmerzhaften Muttergottes, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hielt, und vor ihr in anbetender Haltung kniend den heiligen Antonius.

Der Mann lief zurück nach Kell und erzählte, was er gefunden hatte. Die Bevölkerung beschloss, das Bild in die Pfarrkirche zu bringen und dort zur Verehrung aufzustellen. So brachte man die Pieta auf den Berg. Als am darauffolgenden Tag fromme Bürger zum Beten in die Kirche kamen, war das Bildnis verschwunden. Obwohl es niemand dahin getragen hatte, lag es wieder an seiner ursprünglichen Stelle im Dornbusch. Das Gleiche geschah dreimal hintereinander, berichtet die Legende.

Die Keller Einwohner fanden keine Erklärung dafür. Sie betrachteten den Vorgang als Zeichen, dass die Gottesmutter an der Stelle verehrt werden wollte, an der das Bild gefunden worden war. So beschlossen sie, neben dem Dornbusch eine Kapelle zu Ehren Marias zu errichten. Der damalige Trierer Bischof erteilte seine Zustimmung und bereits 1389 begann der Bau des Gotteshauses. Ein Jahr später, am Feste des hl. Antonius (17. Januar), wurde die Kapelle eingeweiht. Sie wurde dem hl. Antonius, der schmerzhaften Maria und dem hl. Wendelinus, dem Schutzheiligen der Hirten, geweiht. Das Bild der schmerzhaften Gottesmutter brachten die Keller in einer feierlichen Prozession zu diesem Gotteshaus, das dem Pfarrer von Kell unterstellt wurde.

Entwicklung zur Wallfahrtsstätte

Alsbald, so berichtet die Historie, entwickelte sich das Kapellchen zu einer regelrechten Wallfahrtsstätte. Aus der gesamten Umgebung strömten die Menschen nach Tönisstein, um dort zu Maria und dem hl. Antonius zu beten. Der Andrang wurde so groß, dass die Keller Pfarrer ihn nicht mehr bewältigen konnten. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaten sie sich die Hilfe des Karmeliter-Ordens. Dieser schickte einen Laienbruder, der fortan bei der Kapelle wohnte und den Pfarrer unterstützte. Wenige Jahre später, genau gesagt 1463, schenkte ein Adeliger namens „Rollmann von Geisbüsch“ seine in der Keller Gemarkung liegenden „Güter, Renten und Pächten dem Kirchlein unserer schmerzhaften Mutter zu Tönisstein“. Die Urkunde dieser Schenkung befindet sich heute im Landeshauptarchiv Koblenz. 1465 schließlich beschlossen die Karmeliter die Gründung eines Klosterkonventes in Tönisstein. Die Mönche errichteten eine Kirche und bauten ein Kloster. Um 1495 waren die Gebäude fertiggestellt und wurden bezogen. Das Kloster erhielt den Namen des hl. Antonius und war fortan mehrere Jahrhunderte eine Niederlassung der Karmeliter. 1794 besetzten und annektierten die Franzosen das linksrheinische Rheinland und führten hier die Säkularisation durch. Im Zuge dieser Einziehung der geistlichen Besitzungen wurde 1802 auch das Kloster Tönisstein aufgehoben. Die Mönche mussten von hier verschwinden. Das Bild der schmerzhaften Muttergottes wurde in die Pfarrkirche von Kell gebracht, wo es heute noch verehrt wird.

Kloster wurde preußischer Staatsbesitz

Das Klostergebäude und die dazugehörigen Grundflächen wurden kurz darauf verkauft. 1815, als die Rheinlande durch Beschluss des Wiener Kongresses an Preußen übergingen, wurde das Kloster Tönisstein preußischer Staatsbesitz. Wenige Jahre später wurde das bis dahin unzerstört gebliebene Gebäude versteigert. Die neuen Besitzer benutzten es als Steinbruch und verwendeten die dicken Klostermauern zum Bau anderer Häuser. So verfiel Tönisstein schnell zu einer Ruine. 1982/83 schließlich wurden die Überreste unter Denkmalschutz gestellt. Übrings: Unmittelbar an der Kirche befindet sich eine Kreuzigungsgruppe, die aus dem Kloster Tönisstein stammen soll (siehe Bild) Bei der Auflösung des Klosters 1802, also vor 212 Jahren, beschlossen die Keller Gläubigen, jeden Sonntag vor der Pieta den Rosenkranz und eine Litanei zur schmerzhaften Gottesmutter zu beten. Dieses Versprechen wird bis zum heutigen Tage eingehalten. Das Gebet findet grundsätzlich um 14 Uhr statt. Die Keller Kirche ist seit Mitte des letzten Jahres total barrierefrei. Von dem Parkplatz Ecke Zum Eichenhain/Burgfrieden ist die Kirche fast ebenerdig für Rollstühle und Rollatoren befahrbar. Weitere Informationen (Kirchenführungen etc.) erteilen gerne Egon Kulmus, Tel. (0 26 36) 35 72 bzw. e-mail: ekulmus@t-online.de und Dieter Patron, Tel. (0 26 36) 37 15.

Die Kreuzigungsgruppe aus dem Kloster Tönisstein. Foto: privat

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