Viele Andernacher stehen für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit bereit
Großes Interesse am Informationsabend im Haus der Familie
Wohnungen werden dringend benötigt
Andernach. Der Tagungsraum im Haus der Familie (HdF) platzte sprichwörtlich „aus den Nähten“. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der städtischen Einrichtung, um sich über die Situation der Flüchtlinge in Andernach und die lokale Migrationsarbeit zu informieren. Viele kamen in der Absicht, sich künftig bei der Gestaltung einer menschlichen und somit freundlichen Willkommenskultur in der Stadt einzubringen. Bei ihrer Begrüßung zeigte sich die pädagogische Leiterin des HdF, Janine Schäfer, erfreut über das große Interesse. Mahnaz Loosen (Migrationsberatung), die Sprachförderungs-Verantwortlichen Elke Peplow und Simone Tölle, der Vorsitzende des Migrationsbeirats Wolfgang Lübke, Diakon Dr. Peter Helmling (Pfarreiengemeinschaft) und Raimund Solcher stellten die laufenden Projekte vor und warben um die Mitwirkung. In anschließenden Gruppengesprächen wurde der Informationsaustausch zu den verschiedenen Aufgabenfeldern vertieft.
„Bitte weniger Kleidung, weniger Möbel. Hilfe bei Wohnungen ist das Gebot der Stunde!“
Abgerundet wurde der Informationsabend im Haus der Familie durch Karl Werf (Leiter Amt für Jugend und Soziales) mit aktuellen Zahlen und Informationen zur Asylbewerbersituation. Werf machte deutlich, dass die Organisation und Lagerung von Sachspenden (Kleidung, Einrichtungsgegenstände, Willkommenspakete) nicht in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung falle und verwies auf die caritativen Einrichtungen beziehungsweise private Flüchtlingshilfe-Initiativen. „Der Asylbewerber erhält im Groben die gleichen Leistungen, wie jeder deutsche Langzeitarbeitslose, hat also einen Anspruch auf entsprechende Versorgung mit Kleidern, Schuhen et cetera.“ Die Ausstattung der Asylbewerber sei nicht das Problem, so Werf, sondern deren Unterbringung. „Anfang des Jahres lautete die Prognose: 160 Personen, die in diesem Jahr dazukommen sollten. Seit September liegt die Prognose bei 300. Etwa 140 Menschen sind bereits da, wir werden jedoch in diesem Jahr noch mindestens 140 Personen wohnungsmäßig versorgen müssen“, beschrieb der Sozial-Verantwortliche das Problem seines Amtes. Neben der Unterbringungs-Problematik hält Karl Werf auch Fragen zur medizinischen Versorgung der Asylbewerber für „eklatanter“, als Ausstattungsfragen. Die Flüchtlingszugangs-Prognose für 2016 würde sich für Andernach derzeit auf dem Niveau von 315 weiteren Personen bewegen. Mit viel Mühe könne zumindest die Unterbringung der für dieses Jahr angekündigten Asylbewerber gelingen. Zwischenzeitlich habe die Stadt auch ein Hotel in Andernach (40 Plätze) erworben. Werfs eindringlicher Appell: „Bitte weniger Kleidung, weniger Möbel. Hilfe bei Wohnungen ist das Gebot der Stunde!“
„Wo möchten Sie uns helfen?“
Auf noch am gleichen Abend von den Veranstaltungsteilnehmern zurückgereichten Fragebögen („Wo möchten Sie uns helfen?“), bekundete bereits eine Vielzahl der anwesenden Andernacher ihre Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Unterstützung und Betreuung von Asylbewerbern. Auf dem Vordruck waren die Projekte und Ansprechpartner aufgeführt:
Sprachförderung: Elke Peplow, Tel. (0 26 32) 3 01 38
Freizeitgestaltung: Raimund Solcher, Tel. (0 26 32) 25 36 20
Behördengänge: Mahnaz Loosen, Tel. (01 77) 1 47 31 47
Ausfüllen von Formularen: Mahnaz Loosen, Tel. (01 77) 1 47 31 47
Patenschaft: Mahnaz Loosen, Tel. (01 77) 1 47 31 47
andere soziale Projekte: Janine Schäfer, Tel. (0 26 32) 92 23 50
Geldspenden: Mahnaz Loosen, Tel. (01 77) 1 47 31 47
Interessiert folgten die Zuhörer den Ausführungen der Verantwortlichen für die lokale „Migrationsarbeit“.
Elke Peplow und Simone Tölle kümmern sich mit weiteren Sprachpaten um die Sprachförderung bei den Asylbewerbern.
