Theaterstück „JustIn Time“
Kurs Darstellendes Spiel des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums begibt sich auf Zeitreise
aus Andernach
Andernach. War früher wirklich alles besser? Und ist die Zukunft garantiert? Große Fragen hat am 18. und 19. Juni der Kurs Darstellendes Spiel (DS) der Stufe 12 des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums (BvSG) auf die Bühne gebracht. So begaben sich die 23 jungen Schauspieler:innen unter der Leitung ihrer Lehrerin Christiane Bals mit ihrem Stück „JustIn Time – Die beste Zeit ist jetzt!“ zunächst auf den Weg in die Zukunft: Alle Lebensbereiche sind von KI kontrolliert, Menschen mit Masken werden von ihr ferngesteuert, Systemmeldungen überall, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen – und es fühlt sich irgendwie gut an: „Alles ist schön! … In meinem System seid ihr alle sicher!“ Doch einer protestiert: „Niemand ist mehr frei!“
Plötzlich Zeitsprung der Jugendlichen in die Vergangenheit: irgendwo in Deutschland in den 1960er Jahren, der Imbissbudenbesitzer, aus einem südeuropäischen Land mit seiner Familie nach Deutschland gekommen, und doch hier nicht richtig zu Hause. Seine Tochter (gespielt von Melissa Omrak) hat gelernt zu schweigen, dass Widerspruch gegen den Patriarchen Schande bringt, sie soll einen Mann heiraten, den sie nicht liebt – doch sie rebelliert gegen die Familie und flieht: „Für sie bin ich eine Frau, die funktionieren soll. Sie nennen es Schande. Ich nenne es Freiheit!“ Eindrucksvoll und ergreifend spielt Vahe Simonyan dann den minutenlangen Zusammenbruch des Vaters und schreit: „Ich möchte nicht allein sein, die Kontrolle haben, in einem Land, in dem ich nie so richtig zu Hause war!“
Es ging um noch viel mehr in diesem Stück, so z.B. um „Manosphere“, verletzte Männlichkeitsideale und Gewalt gegen Frauen, um eine „Insel des Glücks“, wo Meditation und ein besonderer Tee vermeintlich ein säuselndes, oberflächliches Glück versprechen (sehr stimmungsvoll angeleitet von Helena Calvo Brost als Yoga-Lehrerin) oder – etwas skurril - um eckige Zitronen, angepriesen in sehr schön überdrehter Weise von David Kowalski. Maeve Jost und Ceylan Basoda sangen überzeugend solistisch wechselnd mit der Gruppe „Summer Nights (Grease)“. Schließlich rannte und sprang Duc Nguyen, als Titelfigur Justin, in köstlich witziger Weise mit wahren Luftsprüngen, ausgelassener Lebensfreude und lustig-überrraschenden Sprüchen durch das gesamte Stück.
So freute sich das Ensemble an zwei Abenden über einen ausverkauften Theatersaal, in dem der Kurs Bildende Kunst das Bühnenbild unter der Leitung von Thomas Poganiuch gestaltet hatte. Auch einen kleinen Programmflyer hatten die Schüler:innen selbst geschrieben. Güljan Alo und Paul Sommer (spontan eingesprungen!) organisierten souverän Technik und Licht.
Wie wollen wir also leben? In Freiheit oder unter Kontrolle und Sicherheit? Diese beiden Pole zogen sich durch das gesamte Stück und verbanden die vielfältigen Szenen, die der Kurs alle selbst geschrieben und mit seinen eigenen Ideen inszeniert hatte. Mit eindrucksvoller Präsenz und Ausdrucksstärke wuchsen dabei die Jugendlichen auf der Bühne über sich selbst hinaus und rissen das Publikum mit einer Mischung aus Komik und Dramatik zu den Abgründen des Lebens in ihren Bann. Sie standen voll hinter ihren Rollen, so dass eine Zuschauerin spontan meinte: „Die spielen die Wirklichkeit!“
Am Schluss kamen die Zeitreisenden wieder im Heute an und erkannten: „Wir sind frei! Unser Zuhause!“ So griff das Ensemble schließlich die Szene vom Anfang mit einer großen Party wieder auf: Die beste Zeit ist jetzt! Das Publikum stimmte diesem zuversichtlichen Eindruck mit langem begeistertem Applaus vollends zu!
C. Große Rüschkamp, BvSG
Szene aus „JustIn Time“ am BvSG: „Insel des Glücks“ Foto: Christian Große Rüschkamp
In „JustIn Time“ werden Menschen durch KI gesteuert. Foto: Christian Große Rüschkamp
Vahe Simonyan als Vater, der seine Familie zusammenhalten will. Foto: Christian Große Rüschkamp
Weitere Themen
Der Kurs Darstellendes Spiel des BvSG mit seiner Lehrerin Christiane Bals (unten 3. v. rechts) Foto: Christiane Bals