25 Jahre Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co. Andernach, Mülheim-Kärlich, Weißenthurm
Leben mit MS
Multiple Sklerose – eine Krankheit mit 1000 Gesichtern
Andernach. Als Jürgen Leis aus Andernach vor 40 Jahren plötzlich unter Sehstörungen litt, ahnte er nicht, dass dies der Beginn einer chronischen Erkrankung war. Ebenso ahnungslos wie er selbst, waren auch die behandelnden Ärzte, dass seine Symptome der Beginn einer Multiplen Sklerose waren. So wurde zunächst eine Entzündung des Sehnervs diagnostiziert und auch entsprechend behandelt. „Die Behandlung schien zu wirken, so wurde auch das Sehvermögen wieder zu 100 Prozent hergestellt“, erzählt Jürgen Leis. Doch die Beschwerden, zu der sich schließlich noch weitere gesellten, kamen wieder und wurden chronisch. Für Jürgen Leis begann eine wahre Ärzte-Rallye. Elf lange Jahre musste er zahlreiche Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten über sich ergehen lassen, bis er schließlich die endgültige Diagnose erhielt. Seine Krankheit hatte einen Namen: „Multiple Sklerose“. Obwohl die Medizin sich heute weiter entwickelt hat, und eine MS früher erkannt wird, als noch vor 40 Jahren, ist es auch heute „laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) nur bedingt möglich, frühzeitig eine endgültige Aussage zu machen.
Fragen bleiben unbeantwortet
Eine der Schwierigkeiten, sich über MS zu informieren, besteht laut der DMSG, in der Besonderheit dieser Krankheit. Sie lässt selber noch viele Fragen unbeantwortet und ist in Verlauf und Beschwerdebild von Patient zu Patient unterschiedlich. Deshalb nennt man MS auch oft die „Krankheit mit 1000 Gesichtern“. Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die ganz unterschiedlich verlaufen kann und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Sie geht von einer verstreut auftretenden Entzündung im Gehirn und Rückenmark aus. Das Erscheinungsbild der MS ist sehr vielgestaltig; die meisten Anfangsbeschwerden der MS können eventuell auch durch andere Krankheiten verursacht werden. Durch eine Reihe neuerer Untersuchungsverfahren ist es in den letzten Jahren leichter geworden, eine MS festzustellen. Mitunter kann es jedoch auch für einen erfahrenen Arzt schwierig sein, die Krankheitszeichen bereits im Frühstadium exakt einzuordnen.
Was ist MS?
Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden; diese werden von verschiedenen Nervenfasern geleitet, die ähnlich wie elektrische Kabel von einer Isolierschicht umgeben sind. Entsteht ein Entzündungsherd im Bereich dieser Schutzschicht, können die Botschaften nicht so wirkungsvoll übertragen werden: MS-Erkrankte können dann zum Beispiel ein unangenehmes Kribbeln verspüren, vermehrt stolpern oder Schwierigkeiten beim Sehen bekommen.
Der Verlauf der Krankheit
Ebenso unterschiedlich wie die Symptome ist er der Verlauf der Krankheit von Patient zu Patient unterschiedlich und muss nicht zwangsläufig schlimm verlaufen. Oftmals bilden sich die anfänglich auftretenden Krankheitszeichen und die entzündlichen Herde weitgehend zurück. Auch Jürgen Leis erzählt, dass er Glück gehabt habe und der Verlauf seiner Krankheit sich relativ "günstig" gestaltete. „Nach dem ersten Schub im Jahre 1973 war es mir immerhin noch rund 20 Jahre lang möglich, mich aus eigener Kraft fortzubewegen. So konnte ich auch bis vor zwei Jahren meinen Beruf als Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer noch ausführen.“ Als er 1992 seinen ersten Rollstuhl bekam, schätze er sich ebenfalls noch glücklich, dass er ihn nicht ständig benutzen muss. Für viele Betroffene und ihre Angehörigen stellt insbesondere die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufes eine besondere Belastung dar.
Das Gespräch suchen
Da drastische Darstellungen der MS in Gesundheitsbüchern und Lexika viele Patienten eher noch verunsichern, kann es hilfreich sein, Gespräche mit Ärzten und anderen Betroffenen zu suchen. Auch Mitarbeiter der DMSG stehen Ratsuchenden jederzeit zur Verfügung. An letztere hat sich seinerzeit auch Jürgen Leis gewandt. Ihm wurde schließlich ein Ansprechpartner aus der Region vermittelt. Aus dieser Verbindung heraus wurde die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose & Co. Andernach, Mülheim-Kärlich, Weißenthurm gegründet, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Informationen: http://www.ms-selbsthilfe-andernach.eu/ und http://www.dmsg.de/
