Volkshochschule Andernach informiert
„Lernen hat bittere Wurzeln, aber es trägt süße Früchte“
Lehrgänge zum qualifizierten Schulabschluss starten am 22. September
Andernach. Mit der Einrichtung von Lehrgängen zum nachträglichen Erwerb des Hauptschul- und Realschulabschlusses hat man in Andernach eine wichtige zentrale Maßnahme für Jugendliche und jugendliche Erwachsene etabliert, um eine Chancengleichheit zu erreichen, die gleichzeitig eine wichtige gesellschaftliche und bildungspolitische Aufgabe darstellt, der sich die Volkshochschule Andernach seit vielen Jahren erfolgreich annimmt, wobei gerade die lokalen Besonderheiten und Bedarfe berücksichtigt werden. Hierbei ist besonders die Kooperation mit anderen lokalen Einrichtungen und Projekten hervorzuheben. Der Aufwand, diese Zielgruppe in den Volkshochschulkursen zur Vorbereitung auf den Erwerb eines qualifizierten Schulabschlusses zu begleiten, nimmt jedoch seit Jahren stetig zu, da sich das Klientel in diesen Kursen grundlegend verändert hat.
Waren es früher berufstätige Erwachsene, die in Abendkursen an der Volkshochschule einen Schulabschluss nachholen wollten, sind es heute überwiegend Jugendliche, die, oftmals durch familiäre oder persönliche Krisensituationen, im ersten Bildungsweg gescheitert sind und durch ihre Teilnahme einen wichtigen Schritt vorwärts zu einem Neuanfang hinsichtlich beruflicher Qualifikation, aber auch privater Persönlichkeitsentwicklung machen, wenn auch kein einfacher. So scheitern etwa 20 Prozent aller Bewerberinnen und Bewerber im ersten Semester. Nochmals die gleiche Anzahl verliert im verbleibenden Jahr bis zur Abschlussprüfung den Anschluss und verlässt den Lehrgang frühzeitig. Immerhin 60 Prozent erreichen den ersehnten Schulabschluss.
„Gerade bei den älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern stellt sich zu Beginn die Frage: ‚Schaff ich das überhaupt noch?‘, denn viele müssen erst einmal wieder ‚lernen zu lernen‘, da ihre aktive Schulzeit oftmals schon längere Zeit hinter ihnen liegt. Aber die meisten im Alter von Anfang bis Mitte zwanzig haben zumindest schon ein berufliches Ziel vor Augen, wenn auch manches Mal noch recht vage - aber immerhin: Sie haben eins - und dementsprechend ist auch ihre Einstellung zum Unterricht doch recht positiv“, erklärt Michael Kreutz, Leiter der Schulkurse an der VHS Andernach. Bei den Jüngeren sieht es da schon etwas anders aus: Gescheitert an Regel- und Berufsschule, so stehen gerade diese zunächst ohne wirkliche berufliche Perspektive orientierungslos im Regen, um schließlich in Begleitung ihrer Eltern an die Tür der VHS zu klopfen, in der Hoffnung, zumindest hier erfolgreich eine schulische Qualifikation zu erlangen. Oftmals fehlt es aber bei der Gruppe der unter 18-Jährigen, deren Bewerbungen um einen Schulplatz auf dem zweiten Bildungsweg in Andernach innerhalb der letzten Jahre sehr stark angestiegen sind, an Motivation und Durchhaltevermögen, oder sie widersetzen sich dem Druck ihrer Eltern.
Eine Teilnehmerin umschreibt es treffend, ihr Abschlusszeugnis endlich in den Händen haltend: „Als ich hier anfing, sah ich nur diese langen 18 Monate vor mir, all diese scheinbar unnützen Regeln, denen man sich mal wieder unterwerfen muss. Dann jeden Tag hier sitzen zu müssen. Dinge lernen, die einen eigentlich nicht interessieren und dann noch den Druck meiner Eltern im Rücken. All das hab ich ja schon auf der Regelschule durchmachen müssen, und, ja, ich bin gescheitert dort. Das wollte ich nicht nochmals erleben und ich hab durchgehalten und es geschafft, vor allem mit einem super Notendurchschnitt. Somit habe ich alle Möglichkeiten, was aus mir zu machen, sogar das Abitur.“
Und dass sich die Ergebnisse nach Lehrgangsende sehen lassen können, das zeigte auch die Abschlussprüfung, bereits die zweite in diesem Jahr, Ende Juni. Lehrgangsleiter Michael Kreutz und Joachim Schmitz (ADD) freuten sich, 13 Absolventinnen und Absolventen des 27. Vollzeitlehrgangs zum Sekundarabschluss I verabschieden zu können und stellten die sehr guten Leistungen heraus: Acht Zeugnisse, davon drei mit dem Durchschnitt „1“, erhielten den Vermerk „qualifiziert“ und berechtigen somit zum Besuch eines Bildungsganges zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife.
Ein schöner Erfolg, der auch auf der ausgezeichneten Arbeit eines fachkompetenten Dozentenkollegiums beruht, das nicht nur Unterrichtsstoff vermittelt, sondern sich auch über die eigentlichen Unterrichtstunden hinaus immer wieder als Motivationsmotor erwies und allen Beteiligten mit Rat und Tat beiseite stand. Auch im kommenden Schuljahr 2014/2015 gibt die VHS Andernach allen Interessentinnen und Interessenten die Möglichkeit, ihre schulische Qualifikation zu verbessern. Wer bisher keinen höheren schulischen Abschluss erwerben konnte, hat dazu ab 22. September Gelegenheit, denn dann startet die VHS Andernach vormittags wieder mit dem etablierten Lehrgang zum Erwerb der Mittleren Reife. Im Oktober bzw. November startet schließlich der Lehrgang zum Erwerb der Berufsreife (Hauptschulabschluss). Wie in den letzten Jahren erfolgreich praktiziert, sind Unterrichtszeiten und -tage hier variabel und werden den Wünschen der Interessenten angepasst.
Anmeldungen, bzw. Bewerbungen für beide Lehrgänge sind noch möglich, entsprechende Formulare gibt es wie immer im Internet unter www.vhs-andernach.de und in der VHS Geschäftsstelle. Anmeldungen und weitere Informationen/Ansprechpartner sind Herr Kreutz unter Tel. (0 26 32) 92 21 62 (Lehrgangsleiter) oder Herr Zervas unter Tel. (0 26 32) 92 22 69 (Sachbearbeiter).
