Allgemeine Berichte | 24.07.2015

Schüler der August Horch-Schule Andernach besuchen Bauprojekt

Mittelalter hautnah erlebt

Die Schüler des technischen Gymnasiums sind beeindruckt von den Fertigkeiten des Mittelalters.  privat

Andernach. Schüler der elften Jahrgangsstufe des beruflichen Gymnasiums an der BBS August Horch-Schule Andernach erkundeten jetzt das mittelalterliche Bauprojekt Guédelon in der französischen Gemeinde Treigny im Département Yonne, Burgund. Die Klassenfahrt bildete den Abschluss einer einjährigen, fächerübergreifenden Unterrichtsreihe, in der sich die Lernenden intensiv mit der Gesellschaftsstruktur, der Lebensweise und den Arbeitstechniken im Mittelalter auseinandergesetzt hatten und sprachliche Grundlagen im Fach Französisch erwarben, die während des Besuchs zuweilen hilfreich waren. Guédelon steht für ein einmaliges Projekt, von dem sich Historiker weitergehende Einblicke in die technischen und handwerklichen Fertigkeiten der mittelalterlichen Gesellschaft erhoffen. Seit 1998 wird in den Wäldern Burgunds eine Burg nach dem Prinzip der experimentellen Archäologie errichtet, wobei ausschließlich wissenschaftlich abgesicherte Techniken des 13. Jahrhunderts zum Einsatz kommen. Baumaterialien werden in einem angrenzenden Steinbruch und in nahegelegenen Tongruben und Wäldern gewonnen und vor Ort zum Einbau vorbereitet. Die verwendeten Werkzeuge werden nach historischem Vorbild auf der Baustelle hergestellt.

Mühevolle Handarbeit

So werden die Quader aus Eisensandstein mit Keilen aus dem Fels gebrochen, von Steinmetzen mit Hammer und Meißel zugehauen und profiliert. Die Ziegel werden in eigens errichteten Öfen vier Tage und drei Nächte lang bei einer Temperatur von 1000 Grad gebrannt und der Zement selbst hergestellt. Jeder Nagel ist handgeschmiedet, sogar die Nahrungsmittel werden nach alter Tradition erzeugt. Zum Transport kommen Pferdekarren und Seilwinden zum Einsatz, die ausschließlich durch Muskelkraft bewegt werden.

Die Schüler waren beeindruckt von der harten körperlichen Arbeit und der logistischen Planung, die bei der Errichtung einer Burg nötig waren. Sie waren überrascht, wie sehr sich jeder Arbeiter mit dem gesamten Projekt identifizierte und wie stolz die Beteiligten auf die Gemeinschaftsleistung waren. Die Schülergruppe war sich schnell einig, dass das Mittelalter alles andere als „finster“ war. Einig war man sich allerdings auch darin, dass man auf die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts nicht verzichten wollte, als nämlich der klimatisierte Reisebus die Schüler über die asphaltierte Autobahn mit Zwischenstopp in Troyes schnell und sicher wieder nach Andernach brachte.

Die Schüler des technischen Gymnasiums sind beeindruckt von den Fertigkeiten des Mittelalters. Foto: privat

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