Allgemeine Berichte | 29.03.2019

Gut besuchter Vortrag des Historischen Vereins Andernach

„Mittelalterliche Wandmalerei“

Der Mariendom in Andernach von innen.Foto: privat

Andernach. Im Rahmen des Jahresprogramms des Historischen Vereins Andernach, welches sich mit dem Bau, der Ausstattung und der religiösen sowie gesellschaftlichen Funktion mittelalterlicher Kirchen beschäftigt, fand der Vortrag von Frau Dr. Susanne Kern zu „Mittelalterlichen Wandmalereien, speziell in Andernach“ viele interessierte Zuhörer und-schauer. Im fast überfüllten Tagungsraum im Parkhotel „am Schänzchen“ entführte Frau Dr. Kern in die mittelalterliche Welt der Wandmalerei.

Diese erlebte in romanischer Zeit durch die Christianisierung einen großen Aufschwung, da die großen Wandflächen im Inneren sich dazu anboten, den meist leseunkundigen Gläubigen die Geschichten der Heiligen, der Apostel, der Gottesmutter Maria und vor allem Szenen vom Leben und Sterben Christi darzustellen.

Die irdischen Abbilder sollten die himmlischen Botschaften verkünden. Das gelang mit bildlichen Darstellungen eindrucksvoller als nur mit dem gesprochenen Wort. Waren die Figuren in der Romanik weniger naturalistisch als symbolhaft, mit starker Gebärdensprache und Attributen ausgestattet, entwickelte sich in der Gotik ein Stil, der der damaligen Tafelmalerei sehr nahe kam und sich ein starker Naturalismus, Stofflichkeit und Plastizität mit großer Liebe für Details finden lässt. Die angewandte Technik bestand zunächst aus einer Vorzeichnung im noch feuchten Putz, der die Umrisslinien der Figuren und Gegenstände beinhaltete. Durch die Verbindung der Farbpigmente mit dem abbindenden Putz sollten sich diese Linien als sehr dauerhaft erweisen, während die Farbflächen mit unterschiedlichen Bindemitteln wie pflanzlichen Leimen, Kasein oder Tempera auf die trockene Wand aufgebracht deutlich empfindlicher waren. Dies sollte sich als verhängnisvoll erweisen, als man sich im 19. Jahrhundert im Zuge des Historismus auf die Suche nach dem „Ursprünglich-Romanischen“ bzw. „Ursprünglich-Gotischen“ machte und in großem Stil den Putz in den alten Kirchen abschlug, um darunterliegende alte Wandmalerei freizulegen, die im Lauf der Jahrhunderte übertüncht und auch überputzt worden war.

Die oberflächlich aufliegenden Farbpigmente der Flächen wurden so oftmals mit dem Putz abgeschlagen, nur die in „fresco“ ausgeführten Umrisslinien überstanden diesen Prozess zumeist unbeschadet. Bei anschließenden Restaurierungen interpretierten die ausführenden Maler die vorhandenen Reste allzu häufig in ihrem Sinne, so dass von der originalen Malerei vieles wieder unter einer dem Zeitgeschmack geschuldeten Fassung verschwand. Im 20. Jahrhundert, in den vierziger bis sechziger Jahren, bemühten sich die Restauratoren um eine Wiederherstellung der originalen Fassung, indem man versuchte die Übermalungen des 19. Jahrhunderts wieder zu entfernen, was nicht immer zu einer befriedigenden Lösung führte, weil hierdurch oft noch weniger vom Urbild übrig blieb, als vor der Restaurierung im 19. Jahrhundert noch vorhanden war. Das ist der Grund, warum sich von der mittelalterlichen Wandmalerei in Deutschland nur noch sehr wenig in gutem Zustand erhalten hat. Heute stellt sich die Frage, wie man mit den „Überresten“ verfahren soll. Zumeist wird der noch vorhandene Zustand konserviert und auf einen weiteren Eingriff verzichtet. So bleibt dem heutigen Betrachter neben den „überarbeiteten“ Fassungen früherer Restauratoren leider nur ein schwacher Abglanz der einst so prächtigen, farbigen Wandmalereien.

Der Mariendom in Andernach von innen.Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
Ralf Schweiss
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Angebotsanzeige (April)
Gesundheit im Blick
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
82

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
98

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nadine Kreuser.  Foto: privat
16

In Ahrweiler gehört es fest dazu: das Maibaumstellen. Gemeinsam werden die großen geschmückten Bäume aufgerichtet – mit viel Vorbereitung, Muskelkraft und Gemeinschaftssinn. Gleichzeitig sieht man in diesen Tagen vor vielen Häusern kleinere Maibäume stehen. Sie werden meist ganz persönlich aufgestellt: als Zeichen der Zuneigung, der Verbundenheit oder einfach, um einem Menschen zu zeigen: Ich denke an dich.

Weiterlesen

Symbolbild.
32

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Imageanzeige
Hausmeister, bis auf Widerruf
Image Anzeige
Heizölanzeige
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Gesundheit im Blick
Minijob
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest Dedenbach
Pädagogische Fachkraft (w/m/d)
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 17
Anzeige KW 17
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr