Gut besuchter Vortrag des Historischen Vereins Andernach
„Mittelalterliche Wandmalerei“
Andernach. Im Rahmen des Jahresprogramms des Historischen Vereins Andernach, welches sich mit dem Bau, der Ausstattung und der religiösen sowie gesellschaftlichen Funktion mittelalterlicher Kirchen beschäftigt, fand der Vortrag von Frau Dr. Susanne Kern zu „Mittelalterlichen Wandmalereien, speziell in Andernach“ viele interessierte Zuhörer und-schauer. Im fast überfüllten Tagungsraum im Parkhotel „am Schänzchen“ entführte Frau Dr. Kern in die mittelalterliche Welt der Wandmalerei.
Diese erlebte in romanischer Zeit durch die Christianisierung einen großen Aufschwung, da die großen Wandflächen im Inneren sich dazu anboten, den meist leseunkundigen Gläubigen die Geschichten der Heiligen, der Apostel, der Gottesmutter Maria und vor allem Szenen vom Leben und Sterben Christi darzustellen.
Die irdischen Abbilder sollten die himmlischen Botschaften verkünden. Das gelang mit bildlichen Darstellungen eindrucksvoller als nur mit dem gesprochenen Wort. Waren die Figuren in der Romanik weniger naturalistisch als symbolhaft, mit starker Gebärdensprache und Attributen ausgestattet, entwickelte sich in der Gotik ein Stil, der der damaligen Tafelmalerei sehr nahe kam und sich ein starker Naturalismus, Stofflichkeit und Plastizität mit großer Liebe für Details finden lässt. Die angewandte Technik bestand zunächst aus einer Vorzeichnung im noch feuchten Putz, der die Umrisslinien der Figuren und Gegenstände beinhaltete. Durch die Verbindung der Farbpigmente mit dem abbindenden Putz sollten sich diese Linien als sehr dauerhaft erweisen, während die Farbflächen mit unterschiedlichen Bindemitteln wie pflanzlichen Leimen, Kasein oder Tempera auf die trockene Wand aufgebracht deutlich empfindlicher waren. Dies sollte sich als verhängnisvoll erweisen, als man sich im 19. Jahrhundert im Zuge des Historismus auf die Suche nach dem „Ursprünglich-Romanischen“ bzw. „Ursprünglich-Gotischen“ machte und in großem Stil den Putz in den alten Kirchen abschlug, um darunterliegende alte Wandmalerei freizulegen, die im Lauf der Jahrhunderte übertüncht und auch überputzt worden war.
Die oberflächlich aufliegenden Farbpigmente der Flächen wurden so oftmals mit dem Putz abgeschlagen, nur die in „fresco“ ausgeführten Umrisslinien überstanden diesen Prozess zumeist unbeschadet. Bei anschließenden Restaurierungen interpretierten die ausführenden Maler die vorhandenen Reste allzu häufig in ihrem Sinne, so dass von der originalen Malerei vieles wieder unter einer dem Zeitgeschmack geschuldeten Fassung verschwand. Im 20. Jahrhundert, in den vierziger bis sechziger Jahren, bemühten sich die Restauratoren um eine Wiederherstellung der originalen Fassung, indem man versuchte die Übermalungen des 19. Jahrhunderts wieder zu entfernen, was nicht immer zu einer befriedigenden Lösung führte, weil hierdurch oft noch weniger vom Urbild übrig blieb, als vor der Restaurierung im 19. Jahrhundert noch vorhanden war. Das ist der Grund, warum sich von der mittelalterlichen Wandmalerei in Deutschland nur noch sehr wenig in gutem Zustand erhalten hat. Heute stellt sich die Frage, wie man mit den „Überresten“ verfahren soll. Zumeist wird der noch vorhandene Zustand konserviert und auf einen weiteren Eingriff verzichtet. So bleibt dem heutigen Betrachter neben den „überarbeiteten“ Fassungen früherer Restauratoren leider nur ein schwacher Abglanz der einst so prächtigen, farbigen Wandmalereien.
