Vortrag des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V.
"Sag mir was ich tun soll" Worte am Lebensende
Andernach. Das Vertrauen in die behandelnden Ärzte steht bei Menschen am Lebensende ganz oben auf ihrer „Wunschliste“, berichtete Dr. Thomas Dyong auf einer Vortragsveranstaltung, zu der der Förderverein Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V. in Zusammenarbeit mit der Hospizarbeit in der Stiftung Kirchliche Sozialstation eingeladen hatte. Dr. Dyong ist als Oberarzt, Pneumologe und Palliativ-Mediziner im St. Nikolaus-Stiftshospital in Andernach tätig und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Hospizbewegung.
Unsicherheit auf beiden Seiten
Aber bei diesen Ärzten, in die dieses Vertrauen gesetzt wird, lösen Gespräche am Lebensende auch Angst vor den Reaktionen der Patienten aus. Gespräche am Lebensende sind auf beiden Seiten von Unsicherheiten geprägt. Studien belegen, dass solche Gespräche nicht mehr Depression oder mehr Sorge auslösen. Es kommt darauf an, den schwerkranken, nicht heilbaren Patienten in einem offenen Gespräch das Angebot zu machen, sich in die Fürsorge der Palliativmedizin zu begeben, da in der Regel eine längere Hospizbetreuung mit besserer Lebensqualität des Patienten und der Angehörigen assoziiert wird. Im Gespräch kommt es darauf an, neben der sachlichen Information durch den Arzt den Patient in das Gespräch mit Fragen z. B.: „Wie denken Sie darüber?“, einzubinden und zu beteiligen.
Ärzte in der Verantwortung
Wenn auch häufig danach gefragt, hält Dr. Dyong nichts von Prognosen, da ärztliche Einschätzungen nur in 20 Prozent der Fälle realistisch sind, wie eine Untersuchung nachweist. Besondere Bedeutung in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient kommt dem Arzt zu.
Denn ihn als den „Sender“ sieht Dr. Dyong in der Verantwortung für das Verstehen durch den Patienten als „Empfänger“. Dabei fühlt sich der Gesprächsführende verpflichtet zu einem guten Gespräch, obwohl auch er hilflos, erschüttert oder selbst ratlos sein kann. Es kommt auf die Authentizität der begleitenden Person an. Auch der Arzt oder professionelle Hospizhelfer darf zugeben: „Ich bin ratlos“. Empathie ist die Voraussetzung für den Erfolg eines guten Gespräches am Lebensende: die Bereitschaft, sich dem Sterbenden oder Kranken hinzuwenden und Signale verstehen wollen mit der Bereitschaft, auch dann ergebnisoffen zu sprechen. Dabei ist die Wahl der Umgebung und der Beteiligten am Gespräch wichtig: Findet es auf Augenhöhe statt? Sind unerwünschte Zuhörer ausgeschlossen?
Reden und schweigen
Der Schlüssel für ein erfolgreiches Gespräch liegt in den drei Begriffen: Offenheit, Ehrlichkeit und vertrauen können. Dr. Dyong schloss seinen beeindruckenden Vortrag mit dem alles zusammenfassenden Satz: „Weise ist, wer weiß, wann zu reden und wann zu schweigen ist.“ Lang anhaltender Beifall der zahlreichen Zuhörer belohnte Dr. Thomas Dyong für die „Vorlesung über Kommunikation in der äußerst schwierigen Situation am Lebensende“, wie es Bernhard Ickenroth, der Vorsitzende des Fördervereins Hospizbewegung, in seinen Dankesworten treffend ausdrückte.
Die nächsten Veranstaltungen
Dabei wies er auch auf die nächsten Veranstaltungen wie den 16. Hospiztag der Region am 24. Oktober in Maria Laach mit dem Thema „Das Herz wird nicht dement“, die Vortragsveranstaltung „Der Trauer Raum geben“ am 16. November im Altenzentrum St. Stephan und die Ausstellung „Ein Koffer für die letzte Reise“ vom 1. bis 22. November in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Augustinum.
Weitere Infos:
Weitere Informationen über die Hospizbewegung gibt es unter www.hospiz-andernach-pellenz.de
