Allgemeine Berichte | 17.07.2026

Spielplatz Von-Bodelschwingh Schutz

Spielplatz Von-Bodelschwingh-Straße Andernach: Bürgerinitiative fordert Dialog und Umweltprüfungen

Auch die Kinder der Anwohner sind engagiert

Andernach. Zukunft des Spielplatzes Von-Bodelschwingh-Straße bleibt offen: Bürgerinitiative setzt auf Dialog und Prüfverfahren

Nur noch wenig Optimismus herrschte nach der Stadtratssitzung mit Bürgersprechstunde am 25.06.2026, bei der Abordnung der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Spielplatz Von-Bodelschwingh-Straße“. Insgesamt kam das Gefühl auf, dass die Verantwortlichen den Protest gegen die Bebauung des Spielplatzes eher als störend empfinden.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die intensive Nutzung des Spielplatzes durch Anwohner, Schulen und Kitas als auch die klimatische Auswirkung der Sommerhitze in den bisherigen Planungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Anstatt diese neuen Erkenntnisse nun konstruktiv einfließen zu lassen, scheint man jedoch aus politischen Gründen an den ursprünglichen Plänen festzuhalten.

An dem Abend wurde mehrfach versichert, dass noch nichts beschlossen sei; zudem sicherte der Oberbürgermeister der Initiative vor laufender Kamera einen Runden Tisch zu. Es ist zwar richtig, dass noch kein endgültiger Beschluss gefasst wurde; dennoch werden die Vorbereitungen dazu im Hintergrund unvermindert vorangetrieben

Umfangreiche Gutachten stehen noch aus: OB Greiner und die Stadtverwaltung sicherten zu, dass vor einer endgültigen Entscheidung über die Bebauung des Spielplatzgeländes zwingend noch artenschutzrechtliche Prüfungen nach dem Bundesnaturschutzgesetz sowie eine umfassende Umweltprüfung durchgeführt werden müssen. Die Umweltprüfung soll die Auswirkungen der Neuversiegelung auf das lokale Mikroklima (unter anderem die Kaltluftentstehung und Frischluftschneisen), die zukünftige Lärmbelastung sowie die Regenwasserversickerung und den Grundwasserschutz untersuchen. Nicht zuletzt durch diese Ankündigung fühlt sich die Bürgerinitiative in ihrer Befürchtung bestätigt, dass die Bebauung längst beschlossene Sache ist und die angekündigten Prüfungen lediglich als notwendige Formsache abgehakt werden.

Blick auf alternative Bauplätze gefordert

Bisher wurde noch viel zu wenig über alternative Flächen gesprochen. Der Bürgerinitiative liegt keine vollständige Liste aller städtischen Grundstücke und Liegenschaften vor, dennoch fallen einige mögliche Alternativen sofort ins Auge:

1. Bebauung städtischer Grundstücke

Einige Grundstücke im Eigentum der Stadt liegen derzeit brach, bspw. der geschotterte Platz gegenüber von Lidl. Die dort geplante Kita wird nicht benötigt, wie Oberbürgermeister Greiner in der Stadtratssitzung am 25. Juni 2026 erklärt hat. Die Fläche ist also frei.

Ebenso liegt das Gelände des ehemaligen Thomas-Becket-Hauses brach.

Auf dem „Koch-Platz“ an der Scheidsgasse wird ein kleiner Teil von der Perspektive und als Parkplatz genutzt, ein weiterer als Wohnmobil-Stellplatz. Ein weiterer großer Teil des Platzes ist allerdings nicht genutzt.

2. Überbauung städtischer Parkplätze

Es gibt eine ganze Reihe geschotterter oder asphaltierter Parkplätze, die mit Wohnkronen überbaut werden könnten, zum Beispiel in der Breite Straße neben dem Gesundheitsamt, auf dem ehemaligen Güterbahnhof oder in der Friedrichstraße. Auch der „Koch-Platz“ in der Scheidsgasse würde sich dafür anbieten. Bei dieser Bauweise bleiben die Parkplätze erhalten, darüber kommen dann zwei oder drei Wohngeschosse auf Stelzen. Es gibt einige Beispiele für Wohnkronen, bspw. In Düsseldorf oder München (Dante 2; auf YouTube gibt es einen kurzen Film). Es gibt auch Handelsketten wie Lidl und Aldi, die so etwas schon umgesetzt haben. Dafür müsste die Stadt allerdings zunächst das Gespräch mit den Unternehmen suchen.

3. Städtischer Gebäudebestand

Die Initiative verwies bereits mehrfach auf die Feuerwehrwohnungen in der Moltkestraße, die nach dem Umzug der Feuerwehr leer stehen werden. Pikanterweise hatte die Verwaltung diesen Vorschlag bereits am 30. Oktober 2023 selbst im Planungsausschuss eingebracht, gefolgt von einem Vorschlag des Bürgermeisters Claus Peitz, alten städtischen Gebäudebestand zu sanieren. Beide Ansätze wurden damals nicht weiterverfolgt – stattdessen wurde die Prüfung einer Bebauung des Spielplatzgeländes beschlossen. Die Fraktionen der Freien Wählergruppe und der SPD scheinen ein großes Interesse zu haben, das Projekt an dieser Stelle durchzuführen. Die Entscheidung für einen Neubau entspringt hier offensichtlich dem Wunsch, den deutlich anspruchsvolleren Prozess einer Sanierung zu vermeiden.

Die lobenswerte Entsiegelung einer kleinen Teilfläche auf dem Spielplatz im Entenacker verliert an Signalwirkung, wenn man sie vor dem Hintergrund größerer Neuversiegelungen betrachtet. Die Planungen für das Gewerbegebiet an der B256 in Miesenheim, das Baugebiet am Burgberg II und aktuell das Projekt auf dem Spielplatz lassen befürchten, dass die Bebauung bislang unversiegelter Flächen nach wie vor im Vordergrund steht. Es sieht fast so aus, als ob eine Neuversiegelung einfacher zu genehmigen sei, als Brachflächen zu bebauen und Parkplätze mit Wohnkronen zu versehen.

Wie stark das Thema bewegt, zeigen die aktuellen Zahlen der Initiative: Innerhalb der letzten Wochen verzeichnete eine Petition bereits 1.175 Unterschriften von Andernacher Bürgern, und die Facebook-Seite der BI hatte seit dem 05.06.2026 bislang über 132.000 Aufrufe.

Gerne würden Mitglieder der Bürgerinitiative die Bürgersprechstunden der Parteien wahrnehmen, um ihre Bedenken dort persönlich zu äußern. Aufgrund der politischen Sommerpause finden aktuell jedoch keine Termine statt. Wir freuen uns über jedes Ratsmitglied, das trotz der Sommerpause das Gespräch mit uns sucht, und nehmen entsprechende Angebote gerne an!

Die Bewohner der Südstadt hoffen, dass Stadt und Stadtrat bei ihren weiteren Überlegungen die sozialen Aspekte, die Interessen der Andernacher Bürger und die Herausforderungen des Klimawandels sowie die Vorteile der „Grünen und essbaren Stadt“ berücksichtigt. Hier könnte man sich an der eigenen, regelmäßig propagierten, klimafreundlichen Linie orientieren.

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Auch die Kinder der Anwohner sind engagiert Foto: Privat

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