Spielplatz in Andernach
Wird der Wille vom 1321 Bürgern tatsächlich übergangen?
aus Andernach
Andernach. In der Kommunalpolitik kriselt es beim Thema Bürgerbeteiligung. Trotz eines massiven Protestes aus der Bevölkerung halten die Fraktionen von SPD und FWG im Andernacher Stadtrat unbeirrt an ihren Plänen fest, den Spielplatz in der Von-Bodelschwingh-Straße in der Südstadt zu bebauen.
Mit einem gemeinsamen Antrag haben die beiden Fraktionen die Verwaltung nun offiziell dazu aufgefordert, im Haushalt 2027 die erforderlichen Finanzmittel für die Errichtung eines neuen Wohngebäudekomplexes in der Von-Bodelschwingh-Straße bereitzustellen. Damit droht dem Quartier der Verlust eines weiteren wichtigen Spielplatzes für Kinder.
Klare Worte aus der Bürgerschaft ignoriert? Das Signal der Anwohnerinnen und Anwohner war unübersehbar: Insgesamt 1.647 Unterschriften wurden im Rahmen einer Initiative gesammelt, um den Erhalt der Grün- und Spielfläche zu sichern. Davon stammen allein 1.321 Unterschriften direkt von Bürgerinnen und Bürgern aus Andernach, die ihren Unmut über den geplanten Wegfall des Quartiertreffpunkts deutlich gemacht haben.
Kritiker werfen den verantwortlichen Kommunalpolitikern vor, dieses starke Votum schlichtweg zu ignorieren. Der Vorwurf im Raum: Der vermeintliche Bürgerwille zähle im Stadtrat weniger als parteipolitische Beschlüsse.
Die Fakten zum umstrittenen Bauprojekt (Quelle: Pressemitteilung der SPD vom 26.9.2026)
• Geplantes Vorhaben: Auf dem bisherigen Spielplatzgelände soll ein neuer Wohnkomplex mit bis zu 30 Wohneinheiten entstehen.
• Wohnungsstruktur: Geplant sind überwiegend kleine Einheiten mit 1 bis 2 Zimmern sowie einige wenige 3-Zimmer-Wohnungen.
• Der Spielplatz soll auf demselben Gelände neu angelegt werden.
Die unbeantwortete Kernfrage: Wo auf dem stark verdichteten Areal ist nach dem Bau von 30 Wohnungen noch adäquater Platz für Spielgeräte und Freiflächen?
Brisante Klimadaten: Beton statt dringend benötigter Kaltluft- und Grünflächen?
Besonders brisant erscheint das Vorhaben vor dem Hintergrund der jüngsten Klimadaten der Stadt: Bereits im Jahr 2025 war Andernach an die heißeste Stadt Deutschlands und auch 2026 wieder der Hitzespitzenreiter in Rheinland-Pfalz.
Angesichts dieser extremen thermischen Belastungen in den Sommermonaten und der ohnehin stark aufgeheizten urbanen Strukturen stellt sich umso mehr die Frage, warum dringend benötigte Frischluft- und grüne Erholungsflächen wie dieser Spielplatz versiegelt und mit Beton statt mit Bäumen und Abkühlung beplant werden sollen?
Ein wachsendes Problem für das Quartier: Für die Südstadt bedeutet dieses Vorhaben den bereits dritten Verlust eines Spielplatzes in den vergangenen Jahren. Während die Stadt dringend neuen Wohnraum benötigt, stellen sich viele Anwohner die Frage, ob dieser ausgerechnet auf Kosten von Grünflächen und Kinderinfrastruktur geschaffen werden muss.
Die Bürgerinitiative versichert weiterhin für den Erhalt des Platzes zu kämpfen und sich nicht durch Machtdemonstration einschüchtern zu lassen.
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Spielplatz in Gefahr Foto: Privat