Erlebenswerte Chor-, Solo- und Orgelbeiträge in der Marienkirche
Abendmusik für die Gottesmutter
Bad Breisig. Die „Geistlichen Abendmusiken“, die neuerdings am letzten Mittwoch jeden Monats in der Kirche St. Maria Himmelfahrt veranstaltet werden, dürften zu Höhepunkten des Kulturlebens der Quellenstadt werden. Diese Prognose kann man nach der Qualität der gerade stattgefundenen zweiten Veranstaltung dieser Reihe getrost wagen. Am vergangenen Mittwoch war die „Abendmusik“ in der erfreulich gut besuchten Marienkirche eine einzige musikalische Huldigung an die Patronin des Gotteshauses. Die Vortragsfolge war zusammengestellt von der in St. Marien zuständigen Organistin und Chorleiterin Carmen Scheuren und abgestimmt mit der Gemeindereferentin Christel Fassian-Müller. Die Letztgenannte sprach auch würdevolle Zwischentexte als Überleitung zwischen den Musikblöcken. Der Chor der Marienkirche sang unter der Leitung seiner Dirigentin Carmen Scheuren, begleitet am Klavier von Sven Scheuren und der Violinistin Brigitte Bauer. Zu einer Marien-Huldigung (Ave Maria) getextet wurde eine berühmte Oratorien - Arie Georg Friedrich Händels als würdevolles Chorlied vorgetragen. Zu der barocken Pfarrkirche passen Klänge eines der größten Meister des Barock besonders authentisch, zumal sie von einem bestens aufgelegten Cäcilienchor interpretiert wurden. Das gilt auch für das von der hervorragenden Bratschistin Brigitte Bauer mit Klavierpart von Sven Scheuren vorgetragene Concerto G-Dur (Largo und Allegro) von Händels Zeitgenossen Georg Philipp Telemann. Fehlt der dritte Barock-Meister: Johann Sebastian Bach. Von ihm spielte die Geigerin eine prächtige Solo-Fantasie. Alle Besucher im weiten Kirchenschiff warteten auf die große musikalische Glanznummer des Orgelvirtuosen Sven Scheuren. Und tatsächlich: Als die fast zwanzigminütige Improvisation über das Marienlied „Wunderschön Prächtige“, der Bravour - Ritt über die Manuale, das Pedal und quer durch die Register, der viel bewunderte Leistungsbeweis des Organisten wie auch der von ihm gespielten neuen Barock-Orgel in mächtigem Fortissimo ausklang, war es mit der andachtsvollen Zurückhaltung der Gotteshaus-Besucher vorbei: Begeisterter Beifall füllte die Marienkirche. Der folgende Sologesang der Sopranistin Dr. Susanne Gohlke mit der Arie „Panis Angelicus“ des französischen musikalischen Impressionisten César Franck und dem geistlichen Lied Nürnberger Barock-Komponisten Johann Wolfgang Franck hielt den Qualitäts-Standard des Augenblicks voll aufrecht. Die hervorragend ausgebildete Hobby - Sängerin füllt mit dem strahlenden Timbre ihres Soprans den weiten Kirchenraum. Sie konnte sich bei ihrem wohl akzentuierten Gesang auf die einfühlsame Begleitung des Organisten stützen. Die im weiteren Programm als „vier marianischen Antiphonen“ angekündigten Beiträge stützen sich auf im Mittelalter übliche zusammenhängende Liturgie-Beiträge. Hier war es das Zusammenspiel von Gregorianischen Gesängen („Salve Regina“ und „Ave Regina caelorum“), Orgel-Meditation über „Alma redemptoris mater“ und dem Chor „Regina Coeli“ von Ignaz Reimann. Noch einmal trat die aus Treis-Karden stammende Bratschistin solistisch in Aktion, begleitet von Sven Scheuren am Klavier: „Ave Maria“ - anspruchsvolle Meditation über ein Präludium von Johann Sebastian Bach. Langsam klang die Abendmusik aus: Der Marienchor sang den Titel „Abendstille“ von Rado Simoniti. Dann schloss sich der Kreis mit dem Chor „Dank sei dir, Herr !“ von Georg Friedrich Händel. Barocke Klänge in barocker Kirche - so war der Traum und der Traum wurde wahr! Begeisterter, lang anhaltender Beifall dankte den Protagonisten der 2. Geistlichen Abendmusik in St. Marien.
