Allgemeine Berichte | 14.10.2014, 08:54 Uhr

Ausstellung der Kreissparkasse Ahrweiler zeigt Willy Brandt im Spiegel der Karikatur

Amüsante Notizen eines großen Politikers

KSK-Direktor Dieter Zimmermann eröffnete die Wanderausstellung, die noch bis zum 24. Oktober in den Räumen der Hauptstelle der Kreissparkasse zu sehen ist. -FIX-
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Ahrweiler. Willy Brandt gehört zu den herausragenden deutschen und europäischen Politikern der deutschen Nachkriegszeit. Und was viele nicht wissen: Der SPD-Politiker war äußerst verbunden mit der Region. Hier erkundete er als Pfadfinder Wald und Wiesen, hier baute er sich ein Haus, in dem er schließlich auch seine letzten Jahre verbrachte. Da liegt nichts näher, als einem der wohl charismatischsten Politiker mit einer Ausstellung in Ahrweiler zu gedenken. Weil es zu seinem Charakter passt, glänzt die Ausstellung in den Räumen der Kreissparkasse Ahrweiler nicht durch Ernsthaftigkeit, sondern durch Satire und Spott. Denn sein Politikerleben war immer von Humor geprägt. Karikaturen begleiteten ihn durch sein ganzes politisches Leben: vom Regierenden Bürgermeister in Berlin bis zu seinem Tod in Unkel 1992. „Man hat sich bemüht“ lautet der Titel dieser besonderen Ausstellung.

Großer Staatsmann, großer Bahnhof: Selbst Bundesministerin Andrea Nahles war zur Ausstellungseröffnung gekommen, um die von Helmut Schmidt (langjähriger Pressesprecher der Bundes-SPD aus Kirchsahr), Namensvetter des einstigen Bundeskanzlers, zusammengestellte Bilderausstellung mit ihren persönlichen Erinnerungen an Brandt zu verknüpfen. Und die reichen bis in ihre Jugend zurück, als Nahles die Jugendorganisation der SPD als Bundesvorsitzende anführte. „Willy Brandt hatte es immer wieder verstanden, die Brücken zur Jugend zu bauen. Er sprach die Sprache der Jugend“, lobte die SPD-Politikerin vor weiteren Vertretern aus Kommunalpolitik und Gesellschaft. Brandt habe wie kein anderer Länder und Generationen zusammengeführt und geprägt - „ein großer Staatsmann“, befand Andrea Nahles. Vor der Gästeschar in der KSK-Geschäftsstelle zitierte sie Brandt mit den Worten „Alter kommt von allein, Verstand nicht.“ Ein Zitat, das sie bis heute begleite.

KSK-Direktor Dieter Zimmermann fand ebenso lobende Worte. Er bezeichnete die Wanderausstellung als eine „würdige Fortsetzung der bereits in mehr als 20 Städten Europas gezeigten Ausstellungsserie.“ Zimmermann weiter: „Herausgestellt wird hier nicht allein der Politiker und Friedensnobelpreisträger, sondern der Mensch Willy Brandt, der auch dem Ahrwein zugeneigt gewesen ist.“ Berlin, Moskau - und jetzt auch in Ahrweiler.

Karikaturen waren für ihn ein künstlerisches Medium lebendiger Demokratie

Genau 60 in den Jahren von 1957 bis 1992 entstandene Karikaturen füllen die Ausstellung. Willy Brandt hatte viel übrig für die Zunft der Spott-Zeichner. Obwohl sie ihn, weiß Gott, nicht geschont haben, sah er in den meisten Karikaturen „bei aller Schärfe immer auch etwas Versöhnliches“. Willy Brandt lachte viel, er war einer der am meisten karikierten Politiker der Bundesrepublik. „Ich bin der Natur dankbar, dass sie so gnädig war, mir jene Merkmale auf meinen Kopf zu erhalten, die den Karikaturisten ihre Arbeit erleichtern“ hat er mit viel Verständnis für die Zunft der Spottzeichner gesagt. Karikaturen waren für ihn ein künstlerisches Medium lebendiger Demokratie, das schon mal etwas mehr wagen kann als der gedruckte Kommentar. Mit spitzem Stift begleiten sie den Regierenden Bürgermeister von Berlin (1957), den Kanzlerkandidaten der SPD (1961 und 1965), den SPD-Vorsitzenden (1964), den Außenminister (1966) und schließlich den Bundeskanzler (1969) und Träger des Friedensnobelpreises (1971). „Sie bringen treffsicher seinen Rücktritt (1974), seine Präsidentschaft in der Sozialistischen Internationale (1976) und sein Engagement als Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission (1977) auf den Punkt“, kommentiert Kurator Helmut G. Schmidt. Sie spiegeln auf ihre Art seine Ost- und Entspannungspolitik ebenso wie seinen Einsatz für die Dritte Welt wider und lassen auch innerparteiliche Differenzen - seien sie mit den Jusos, mit Helmut Schmidt oder mit Herbert Wehner - nicht aus. Die gezeichneten Kurzkommentare provozieren, ohne zu verletzen. „Dass die Ausstellung mit dem Brandenburger Tor in Berlin beginnt und auch damit endet, ist kein Zufall: Berlin, die Einheit der Stadt und die Einheit Deutschlands standen immer im Zentrum des politischen Wirkens von Willy Brandt“, wusste Helmut G. Schmidt zu berichten. Die 100 Karikaturen von mehr als 40 namhaften Zeichnern wurden dem Erinnerungsband „Willy Brandt - Man hat sich bemüht“ entnommen. Aus vielen tausend Zeichnungen wurden die 200 Aussagekräftigsten ausgewählt, die exemplarisch die politischen Stationen Willy Brandts begleiten.

„Durch’s Brandenburger Tor: Da geht’s in die Geschichte, Willy…“

Besonders bezeichnend ist beispielsweise eine Karikatur, entstanden kurz nach Brandts Tod im Jahr 1992: Darin hält ihn der Tod in der Hand und weist ihm den Weg durch das Brandenburger Tor. „Durch’s Brandenburger Tor: Da geht’s in die Geschichte, Willy…“ sagt der Tod und hat damit Recht, denn Brandt ist durch seine Ostverständigung und die damit verbundene Völkerverständigung in die deutsche Geschichte eingegangen. Eine andere Karikatur trägt den Titel „Der Lotse geht von Bord“ - eine Anlehnung an ein ähnliches Bild von Otto von Otto Bismarck. „Rettungsflieger“ lautet der Titel einer weiteren aussagekräftigen Karikatur. Willy Brandt kehrt mit 175 Geiseln aus elf Ländern aus dem Irak zurück. Fünf Tage hatte er mit Saddam Hussein um ihre Freilassung gerungen und hätte gerne mehr erreicht. Es kostete ihn Überwindung, dem Diktator die Hand zu reichen, sagte Brandt später. „Schwergewicht“ - so der Titel eines Bildes, das Willy Brandt mit dem Brandenburger Tor auf den Schultern zeigt. Willy Brandt wurde zum Regierenden Bürgermeister von West-Berlin gewählt und trat in die Fußstapfen seines Vorbildes Ernst Reuter. Er schulterte sein Amt in schwerer Zeit. Weiterhin beeindruckend. „Unterschrift des Jahres“: Diplomatische Beziehungen, Gewaltverzicht und Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze waren Kernpunkte des Warschauer Vertrages, den Willy Brandt im Dezember 1970 unterzeichnete. Dabei kam es zum weltweit beachteten Kniefall vor dem Ehrenmal im Warschauer Ghetto. Eine Szene, die Generationen an Willy Brandt erinnern wird.

„Man hat sich bemüht.“ Genau das will die Ausstellung dokumentieren. Zu sehen ist sie während der allgemeinen Schalterstunden in der Hauptstelle der KSK in Ahrweiler vom 13. bis 24. Oktober.

KSK-Direktor Dieter Zimmermann eröffnete die Wanderausstellung, die noch bis zum 24. Oktober in den Räumen der Hauptstelle der Kreissparkasse zu sehen ist. -FIX-
Namhafte Persönlichkeiten waren gekommen, um die Ausstellung in der KSK Ahrweiler zu bestaunen. -FIX-

Namhafte Persönlichkeiten waren gekommen, um die Ausstellung in der KSK Ahrweiler zu bestaunen. Foto: -FIX-

Bundesministerin Andrea Nahles war aus Berlin zur Eröffnung gekommen. -RERE-

Bundesministerin Andrea Nahles war aus Berlin zur Eröffnung gekommen. Foto: -RERE-

Hier eine der vielen Karikaturen, die man in der Ausstellung sehen kann. -FIX-

Hier eine der vielen Karikaturen, die man in der Ausstellung sehen kann. Foto: -FIX-

KSK-Direktor Dieter Zimmermann eröffnete die Wanderausstellung, die noch bis zum 24. Oktober in den Räumen der Hauptstelle der Kreissparkasse zu sehen ist. Foto: -FIX-

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