Bad Breisiger Seniorenorganisationen hatten eingeladen
Auch im Alter sicher am Steuer
Polizeioberkommissar Josef Rüth referierte im Rathaus und gab wichtige Tipps und Hinweise
Bad Breisig. Im Zeitalter des Computers und des Internets werden Senioren gern als eine Art eigener Menschenschlag mit wenig ausgeprägter Alltagstauglichkeit abgestempelt. Senioren im Straßenverkehr - für die miteinander „googelnde“ Jugend ein wahrer Horror. Dabei sind sie gar nicht so schlecht, die Alten am Steuer. Was ihnen an Reaktion oder Seh- und Hörkraft verloren geht, machen sie weitgehend durch Erfahrung wett. Der geringe Anteil der männlichen und weiblichen Senioren am Verursachen schwerer Unfälle spricht jedenfalls eine für sie ermutigende Sprache. Das jedenfalls ist die Aussage des Polizeioberkommissars Josef Rüth vom Polizeipräsidium Koblenz, Abteilung „Polizeiliche Prävention“. Er weilte auf Einladung des Bad Breisiger städtischen Seniorenausschusses und des Seniorenbeirats der Verbandsgemeinde in der Quellenstadt. An sich war der Vortrag des Polizeiexperten für Enikö Natafalussiy und Birgit Flügger, die beiden Sicherheitsberaterinnen von Stadt und Verbandsgemeinde, gedacht, aber POK Josef Rüth hatte gerne die Möglichkeit wahrgenommen, sein Referat vor einem höchst interessierten Kreis betroffener Jahrgänge im Rathaus zu halten. Die erste Stadtbeigeordnete Gabriele Hermann-Lersch konnte etwa 30 Senioren aus Bad Breisig und den umliegenden Orten begrüßen. Unter ihnen auch Elfi Vorbau, die Organisatorin des Treffens, MdL Guido Ernst und Werner Göbel, den Vorsitzenden des CDU-Seniorenbeirats. „Senioren 65 plus, Mobil im Straßenverkehr - aber sicher“, war das Referat überschrieben, und der Vortragende schränkte die Euphorie nach den ersten positiven Aussagen über die Verkehrstauglichkeit von alten Leuten ein: „Immerhin verringert sich das Gesichtsfeld im hohen Alter von 175 Grad auf 139 Grad. Seitliche Dinge werden also schlechter wahrgenommen. Zudem nimmt die dynamische Sehschärfe ab, Senioren können also das Tempo eines entgegenkommenden Fahrzeugs immer schlechter einschätzen. Auch die Dämmerungssehschärfe klappt nicht mehr wie früher.“ Der Fachmann rät, frühzeitig den Augenarzt zu konsultieren und eine verschriebene Brille nicht zu verschmähen.
Dann die nachlassende Hörfähigkeit. Wichtige akustische Signale im Älteren oft überhört. Da kann eine Hörhilfe deutliche Vorteile bringen.
Die anwesenden älteren Führerscheininhaber nickten zuweilen zustimmend. Fast jeder hat an sich Alters-Wehwehchen festgestellt, die einer medikamentösen Behandlung bedürfen, und viele Medikamente machen schläfrig und schränken damit die Reaktion ein. Auch die Beweglichkeit lässt nach, die Fähigkeit, angemessen auf Zwischenfälle zu reagieren. Rat des Polizeibeamten: Einen Fahrlehrer mit entsprechendem Angebot prüfen lassen, ob noch alles zuverlässig klappt. Ob zum Beispiel auch die Kenntnis über neue Verkehrsvorschriften und -zeichen vorhanden ist.
Und ein wichtiger Tipp: Wer im hohen Alter sich noch stark genug fühlt, ein Fahrzeug zu lenken. möge sich weitgehend auf den ihm bekannten Bereich in der Region beschränken und möglichst auf ermüdende Fernfahrten verzichten. Man kann mit Bus, Bahn und Flugzeug doch schnell und preiswert an jeden gewünschten Ort der Welt gelangen. An dieser Stelle wies Guido Ernst auf die Vorteile der Teilnahme an einem Verkehrssicherheitstraining hin, wie es vielfach angeboten wird. Er selbst habe dabei Erstaunliches an zusätzlicher Sicherheit gewonnen und könne nur empfehlen, etwas Geld dafür zu investieren.
Der Polizeibeamte hat noch einige banal klingende, aber einleuchtende Hinweise. Zum Beispiel den, wie wichtig in der Dunkelheit helle Kleidung für Fußgänger ist. Wie vorteilhaft es sein kann, das eigene Fahrzeug gegen ein öffentliches Verkehrsmittel zu tauschen. Heiße Diskussionen entfachte aber hier der Einwand einer älteren Dame: „Es ist doch ein Problem, überhaupt an gültige Fahrkarten der Bahn zu kommen.“ Interessante Hinweise hatte der Referent zum richtigen Benutzen von Linienbussen durch Senioren. Als alle den Freund und Helfer schon mit dankbarem Beifall bedachten, hatte er noch ein „Bonbon“ parat: einen satirischen Film mit fröhlichen Begebenheiten, wie sie sich mit Senioren auf der Straße ereignet haben könnten. Ein echtes Dankeschön für den bemerkenswerten Vortrag des eloquenten Polizeioberkommissars Josef Rüth. Er hat den auch im hohen Alter am Straßenverkehr noch teilnehmenden Senioren aufrüttelnde Tipps gegeben, wie sie Schaden an eigenen und fremden Sachen und Personen vermeiden können. „Was wir nicht wollen: den Alten vorzeitig das Stück Lebensfreude der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr zu vergällen. Jeder trägt seine hohe Verantwortung, hinsichtlich der Entscheidung, wie lange er es kann, ohne die Sicherheit zu gefährden.“
