Schüler der Realschule plus in Niederzissen unterzeichnen Jobgarantie
BiG - Berufsausbildung in Garantie
Niederzissen. „Mit dem Projekt „BiG – Berufsausbildung in Garantie“ hat die Realschule plus in Niederzissen eine Vorreiterrolle im Land Rheinland-Pfalz, ja sogar in der Bundesrepublik Deutschland übernommen“, stellte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles als Schirmherrin bei der Auftaktveranstaltung der ersten Ausbildungsplatzgarantie (BiG – Berufsausbildung in Garantie) an Schulen in Rheinland-Pfalz in der vollbesetzten Bausenberghalle in Niederzissen fest. Dieses Projekt sei ein Pilotprojekt, von dem sie sich viele Nachahmer erhoffe. „Ich möchte, dass dies Schule macht. Ich bin mir sicher, dass wir von diesem Projekt noch viel hören werden. Hoffentlich ist es eine Initialzündung für andere“, erklärte die Ministerin, die sich ausdrücklich aber auch bei den Unternehmern bedankte, die sich an diesem Projekt beteiligen. Zwar gebe es in Deutschland eigentlich genügend Arbeitsstellen, doch noch immer gebe es bei der Vermittlung der Jobs Probleme. Die Ministerin begrüßte es, dass sich das Projekt auch ausdrücklich an Flüchtlingskinder wendet. „Viele der Kinder sprechen nach einem halben Jahr bereits viel besser Deutsch als ihre Eltern. Sie sind hoch motiviert und haben eine Chance verdient“, erklärte Frau Nahles. An der Realschule plus in Niederzissen gibt es in den sechs Jahrgangsstufen 20 Kinder, von denen vier an diesem Abend einen Vertrag unterzeichneten. Mit der Vertragsunterzeichnung von 60 Schülern der Realschule plus Niederzissen ist das Projekt „BIG – Berufsausbildung in Garantie“ jetzt angelaufen. Es ist das erste seiner Art in Rheinland-Pfalz. Die teilnehmenden Schüler besuchen derzeit in Niederzissen die achte und neunte Klasse. Wenn sie die neunte bzw. zehnte Klasse mit der Schulnote drei im Durchschnitt abschließen, ist ihnen ein Ausbildungsplatz sicher. Denn an dem Projekt sind bisher auch 35 Betriebe aus der Region beteiligt, die die Jobs zur Verfügung stellen. Man ist zuversichtlich, dass bereits im Sommer 2016 bis zu 60 Unternehmen bei dem Projekt mitmachen. Unterstützt wird „BiG“ auch durch die Bundesagentur für Arbeit Mayen-Koblenz, die Industrie- und Handelskammer Koblenz wie auch die Handwerkskammer Koblenz und die Verbandsgemeinde Brohltal.
Mit diesem Projekt sollen Firmen und Azubis besser zueinander finden. Bei Bedarf werden die Schüler in der Schule durch Nachhilfekurse in den entsprechenden Fächern unterstützt. Es gibt Lerngruppen am Nachmittag mit berufsbezogenen Inhalten. Dazu bietet die IHK in der Schule das Projekt „Fit in die Lehre“ an.
Zu der Auftaktveranstaltung konnte Schulleiter Timo Djelassi rund 220 Schülerinnen, Schüler, Eltern, Firmenvertreter sowie die Vertreter der beteiligten Institutionen und Kommunalpolitiker willkommen heißen. Als maßgeblicher Mitinitiator des Projekts sah der Rektor die Schule als sicheren Hafen für Kinder und Jugendliche, mit einem Bildungsauftrag, der heute weit über das Lernen und Lehren hinausgehe. „Hier werden Werte und Normen geschaffen und gelebt, Potentiale entdeckt und entwickelt, Persönlichkeiten gebildet und Erfahrungen gesammelt, Wissen analysiert und manchmal auch aufgesaugt. Dies gilt vor allem für unsere geflüchteten Jugendlichen aus Ländern, in denen es aufgrund von Gewalt und Angst keine Chancen gibt. Die Integration ist uns ein wichtiges Anliegen und soll auch im Zuge der Ausbildungsplatzgarantie Erfolg haben“, erkläre Djelassi. An die Schuler gerichtet appellierte er: „Nehmt eure Chance wahr und begeistert euch und uns mit eurem Engagement.“
Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mayen-Koblenz Ulrike Mohrs freute sich für die Jugendlichen: „Wer hat das schon, dass so viele Stellen daran mitarbeiten, dass der Berufseinstieg gelingt?“ Entscheidend sei aber dabei, dass die Schüler bereit seien, sich selbst einzubringen und auch Hilfestellungen anzunehmen. Sie rief den Schülern zu: „Die Chancen für eine gute berufliche Ausbildung sind da. Nutzen Sie die gebotenen Chancen!“ Bürgermeister Johannes Bell war sichtlich stolz auf das Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz der Realschule plus Niederzissen. „Mit diesem Alleinstellungsmerkmal ist auch der Schulstandort gestärkt. Das, was wir heute hier abschließen, hat Strahlkraft im ganzen Land. Es wird ein Modellprojekt für ganz Deutschland. Heute wird sowohl für Zukunft der Region und der Schüler ein wichtiger Baustein gelegt.“ Kreishandwerksmeister Frank Wershofen wies darauf hin, dass der Erfolg darin bestehe, dass man Fähigkeiten habe, die gerade gefragt sind. Er bedauerte den „Akademisierungswahn“: „Alle wollen Abi“. Ob das immer gebraucht werde, stellte er in Frage. Dagegen sei bei rund 130 Berufen ein Arbeitsplatz garantiert. Wershofen betonte, dass man mit dem Handwerk früh ins Arbeitsleben und damit vielleicht auch schneller ans Ziel komme. „Auch nach einer Meisterprüfung ist ein Studium möglich“, machte er den Schülern Mut. Sodann unterzeichneten die 60 Schüler ihre Verträge. Die feierliche musikalische Gestaltung der Auftaktveranstaltung hatte das Blasorchester Brohltal unter der Leitung von Oleg Beljak übernommen.
Die Schirmherrin, Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sowie Bürgermeister Johannes Bell (links) und Schulleiter Timo Djelassi (rechts) mit Schülerin und Schülern bei der Vertragsunterzeichnung zur Ausbildungsplatzgarantie.
Groß war die Gästeschar, angeführt von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, bei der Vertragsunterzeichnung zur Ausbildungsplatzgarantie in der Bausenberghalle in Niederzissen.
