Bei der Brohler Kirmes stehen Traditionen und Gemütlichkeit im Vordergrund
Böllerschüsse, Festzug und Entenrennen
Brohl. Und ganz zum Ende des Rennens schoss die Ente mit der Nummer 681 aus dem Windschatten – Pardon, in die Strömung, ließ ihre etwa 1200 postgelben Badeenten-Konkurrenten einfach stehen und ließ sich von Laura Nehler und Frank Seul im Zielkanu als Sieger feiern. Nochmals Pardon: natürlich fangen. Willkommen bei der Brohler Kirmes, die St. Johannes dem Täufer gewidmet ist und bei der, so war auch Bürgermeister Michael Schäfer aus irgendeiner Gerüchteküche zu Ohren gekommen, der Kuckuck für das jeweils laufende Jahr begraben werden soll.
Die Siegerenten
Keine Gerüchte sind dagegen die Verfolger von Ente Nummer 681 die sich in folgender Reihenfolge einfangen ließen und ihren Stallbesitzern tolle Preise vom Android-Tablett über Wellness- und Musical-Fahrten, Eintrittskarten für die Proklamationssitzung der Narrenzunft in Brohl, Freifahrtscheine mit der Brohltalbahn und letztlich auf Rang zehn einen Meter Bier oder eine Flasche Sekt einbrachten. Und die Preise sicherten sich folgende Enten: 671, 599, 403, 153, 999, 156, 865, 239 und 739, Die Besitzer können sich zum Empfang ihrer Gewinne mit Jörg Seul über Tel. (01 60) 99 75 74 51 oder per E-Mail unter info@prinzengarde-brohl.de in Verbindung setzten.
Brohler Böller
Genug der Formalitäten, hin zu den Brohler Böllern, die traditionell die Eröffnung der St. Johannes-Kirmes der Bevölkerung diesseits und auch jenseits des Rheins anmelden. Zunächst mit Schüssen aus den bis zu 20 Kilogramm schweren Handfeuerwaffen, dann mit konzentrierten Kanonenböllern und schließlich mit einer ganzen Böllerserie. Anschließend blickte dann Eugen Laux auf die Ursprünge der Brohler Böller zurück: „Wir sind kein Verein, sondern nur eine Interessensgemeinschaft, die mit diesem Böllern das Andenken vom ,Kanonen-Jupp` ehren, der vor einigen Jahren gestorben ist. Bis dahin hat dieses Brohler Original selber Kanonen gesammelt, gebastelt und bei Salut-Anlässen genutzt.“ Zusammen mit seinem Bruder Josef trat Eugen das Erbe vom ,Kanonen-Jupp´ an und notierte bald großes Interesse in und regen Zulauf aus der Bevölkerung. Am Samstag waren es 15 Böllermänner und –frauen, alle ausgestattet mit den notwendigen Lizenzen, die am Rheinufer die Brohler Kirmes begrüßten und abends dann auch für die Feuerwerke in Bad Breisig beim Rheinuferfest und in Brohl selbst verantwortlich zeichneten.
Brohler Kirmestraditionen
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Brohler Kirmestraditionen, obwohl die Bewahrung dieser Tradition vor nicht allzu langer Zeit erst von der Gemeinde auf die Prinzengarde gewechselt ist. Meint deren Kommandant Jörg Seul: „Vor Jahren ist die Ortsgemeinde an die Prinzengarde herangetreten und hat nachgefragt, ob wir die Kirmes organisieren würden. Und da hier alles was drei Jahre als ist, traditionell ist, pflegen wir jetzt diese Tradition.“ Dabei fällt auf, dass die Zahl der Schausteller sich auf ein Kinderkarussell und Entchenangeln reduziert hat, die Gemütlichkeit aber absolut in den Vordergrund gerückt ist. Seul: „Das hängt damit zusammen, dass wir nicht mehr bereit waren, die hohen Schaustellergebühren zu bezahlen. Wir machen hier fast alles in Eigenregie, und das kommt gut an.“ Zum Beispiel beim oben erwähnten Entenrennen, bei dem mehr als 300 Zuschauer den Zieleinlauf vom Ufer aus verfolgten um dann auf dem Festplatz zu feiern. Aber nicht nur da, sondern auch beim Gastbesuch von der anderen Rheinseite zeigte sich die Kirmes als Familien- und Freundeskirmes.
Den Fährbetrieb beleben
Traditionell ist der Besuch von der anderen Rheinseite und beide Bürgermeister, Michael Schäfer für Brohl und Oliver Labonde für Rheinbrohl, bemühen sich zurzeit darum, zu Festanlässen den Fährbetrieb wieder zu beleben. Labonde: „Die Verhandlungen sind in vollem Gange, und die Gesellschaft der Bad Breisiger Personenfähre hat ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, im preislich machbaren Bereich mitzuspielen. Es hakt noch ein wenig auf politischer Ebene, aber wir sind uns sicher, dass die Fähre bei besonderen Anlässen Brohl und Rheinbrohl wieder verbindet.“ Fahre hin, Fähre her, die Rheinbrohler Delegation machte dennoch ihre Aufwartung und wurde von VG-Chef Bernd Weidenbach und Michael Schäfer herzlich willkommen geheißen. Zum Dank für die Gastfreundschaft überrechten Oliver Labonde mit der Rheinbrohler Weinkönigin Ester und Prinzessin Christine eine „Traubenbütt“ voller Weinflaschen aus der Rheinbrohler Innerortslese verbunden mit dem Wunsch der beiden Majestäten „auf ein Wiedersehen spätestens beim Rheinbrohler Weinfest am ersten Oktober-Wochenende“.
Der Festzug zog entlang des Rheins. Foto: privat
"Alle Kanonen Feuer!" Dabei wurde es richtig laut. Foto: TER
Entenrennen: Durch die Stromschnellen des Brohlbachs nähert sich die Spitzengruppe dem Rhein. Foto: TER
