Achtes Hafenfest in der Brohler Rheinaue
Chorgesang und Blasmusik
„Museumsverein Aalschokker Katharina“ bot Brohlern und Gästen ein abwechslungsreiches Programm
Brohl. Strahlender Sonnenschein über der Rheinaue neben dem Brohler Hafen - beste Voraussetzungen für das traditionelle „Hafenfest“ am Pfingstsonntag. Die Organisatoren hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und eine Festmeile geschaffen, die Gäste aus nah und fern anlockte. Kaum zu glauben, dass der Ort Brohl-Lützing lange nicht erkannte, welche Möglichkeiten sich zwischen Rhein und Bundesstraße bieten. Es bedurfte erst der Privatinitiative von Joachim Boltersdorf, der vor einem Jahrzehnt mit Gleichgesinnten den alten Aalschokker „Katharina“, das historische Fischerboot, vor der fast sicheren Verschrottung rettete. Das prächtig renovierte Schiff wurde in den Rheinwiesen aufgestellt und bietet seitdem den Anlass, das Kleinod Rheinaue ins Bewusstsein der Brohler Bürgerschaft zu rücken.
Nun war es das achte Mal, dass der „Museumsverein Aalschokker Katharina“ zum Pfingstfest in den großen Biergarten am Brohler Hafen eingeladen hatte, und schon früh waren alle Plätze unter und neben dem schneeweißen Zeltdach und den Sonnenschirmen vor der Bühne besetzt. Ein buntes musikalisches Programm wurde dort angeboten.
Zunächst profitierte das feierfreudige Publikum des Hafenfestes davon, dass Viktor Schmickler, der rührige Vorsitzende des benachbarten Bad Breisiger Männergesangvereins „Liedertafel“, ein waschechter Brohler ist. So hatte der es leicht, den Chor unter seinem Dirigenten Eberhard Hohn auf die Bühne in der Rheinaue zu vermitteln, wo die Sängerschar mit fröhlichen Liedern das Publikum unterhielt. Eberhard Hohn erwies sich dabei wieder einmal als ein eloquenter Moderator, der die Beiträge mit informativen verbalen Brücken ankündigte. Viktor Schmickler ist nicht nur Chorsänger, sondern auch ein veritabler Bariton-Solist. Wie in jedem Jahr, so intonierte er auch diesmal wieder das von dem verstorbenen Bad Breisiger Musiker Uli Paulsen komponierte „Brohler Hafenlied“, diesmal begleitet von Eberhard Hohn auf dem Piano mit der „Liedertafel“ als Background-Chor. Später sang der Viktor Schmickler noch das traditionelle „Brohltallied“, dabei begleitet vom Musikclub „Fidelio“ Brohl.
Bevor diese tolle Musikkapelle den musikalischen Part übernahm, hatte der Shanty-Chor der Marine-Kameradschaft von 1928 aus Frechen eine gute Stunde lang das Hafenfest mit seinem großen Repertoire an Liedern von Fernweh, Liebe, Wind und Meer verschönert. Das war Seefahrt-Romantik pur mit Melodien, die jeder kennt und gerne mitsingt, vermischt mit Schlager-Evergreens, die mit Seemannsgarn gesponnen und mit Weltschmerz angereichert sind. Nach Brohl geführt und geleitet wurde der Frechener Seemannschor von einem vor 22 Jahren in das ferne Braunkohlerevier verzogenen „Bröhlche Jung“, Volker Müller. Er spielte routiniert das Akkordeon und dirigierte zugleich den geschulten Chor. Und der sang von der gar nicht so christlichen Seefahrt, dafür so, wie sich Landratten diese vorstellen. Wolken, Wind und das weite Meer, ehe man in Jamaika vor Anker geht.
Aber ob Seeleute wirklich so unwiderstehlich sind, wie sie singen? Was sollen sie denn besser können als der gestandene Bröhlche Mann? Aber unterhaltsam sind sie allemal, diese Lieder aus der großen Seemannskiste. Und Shantys sind nun einmal ein Kulturgut.
Aber noch so schöne musikalische Darbietungen stillen weder Hunger noch Durst. Und so sind die Vereine und Gruppierungen wieder mit „an Bord“: Die „Wanderfreunde“ braten leckere „Kräbbelchen“, die Prinzengarde der „Narrenzunft“ zapft Bier und sorgt auch für andere Getränke, der Verein „Frauen für Frauen“ stärkt seine Kasse mittels Verkauf von Kaffee und Kuchen, der Pfarrgemeinderat brät wieder seinen berühmten Spießbraten, der „Museumsverein Aalschokker“ hat heimischen Fisch im Angebot, daneben ist das fleißige Team der professionellen „Hafen-Schänke“ unter Wirt Michael Schmitgen, genannt „Schmiddi“, mit attraktivem Verzehr- und Getränkeangebot im Einsatz.
Ein wenig abseits und damit vom großen Publikum unbemerkt haben die Aktiven des Andernacher Modellbauvereins ihre höchst beachtenswerten Miniaturschiffe im Hafen zu Wasser gelassen. Der Teil der Hafenfest-Besucher, die es bemerkt hatten, ließen sich von der Vorführung der tollen, selbst gebastelten nautischen Modelle begeistern. Außerdem sorgte eine Ausstellung prächtiger historischer Traktoren für viel Aufmerksamkeit. Vor allem die technisch interessierten Besucher konnten sich daran nicht satt sehen. Und was immer wieder die Leute anzieht: der alte Salonwagen der Brohltalbahn, der auf den Gleisen am Hafen präsentiert wurde.
Der Pfingstmontag sollte auch noch einen zweiten erfolgreichen Hafenfest-Tag hergeben, aber da spielte der Wettergott nicht mehr so großzügig mit wie am ersten Tag. Schade für die enormen Anstrengungen des „Aalschokker“-Vereins. Für den beginnen jetzt bereits die ersten Überlegungen, wie man dem 100. Geburtstag des historischen Schiffs gerecht werden will, der 2014 gebührend gefeiert werden soll.
(Mehr Bilder vom Hafenfest finden Sie in unserer Bildergalerie unter www.blick-aktuell.de)
