Allgemeine Berichte | 05.04.2015

Exkursion des Sinziger Denkmalvereins führte zur Propsteikirche St. Servatius in Buchholz

Deckengewölbe zeichnet sie aus

Die Witterung hielt die Exkursionsteilnehmer nicht vom Besuch der Propsteikirche ab. Sie zeigten sich beeindruckt von dem besonderen Zeugnis der Kulturgeschichte.HG

Sinzig. Das Brohltal zeigte sich am Tag der Exkursion wirklich nicht von seiner besten Seite. Es nieselte und regnete aus grau verhangenem Himmel. Doch die Mitglieder und Gäste des Sinziger Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums ließen sich von ihrem Vorhaben nicht abschrecken. Ihnen ging es um die Erkundung der rund 900 Jahre alten ursprünglich dreischiffigen Propsteikirche Sankt Servatius in Buchholz. Einst war der abgeschiedene Wohnplatz ein Außenbesitz der Benediktinerabtei Gladbach. Gegründet wurde die mit Weinbergen ausgestattete Propstei, um die Mutterabtei mit Messwein zu versorgen. Dies und viel Interessantes über die Historie der Propsteikirche wussten Gerd Rothbrust und Ralf Lubberich zu berichten. Der Vorsitzende und der Schriftführer des Vereins zur Wiederherstellung und Erhaltung der Propsteikirche Buchholz hießen die Gruppe willkommen, zeigten die Kirche von innen und führten sie vor die barocke Westfassade. Die Grundanlage ist noch erkennbar. Die Kirche mit unmittelbar angrenzenden Gebäuden, wo ehemals die Mönche wohnten und wirtschaften, formieren sich um einen rechteckigen Platz mit einem Brunnen. Auch heute noch wird in Buchholz, das zu Burgbrohl-Niederweiler gehört und nur ein paar Häuser hat, Landwirtschaft betrieben. Weinbau gibt es schon lange keinen mehr, aber der Buchholzer Weingarten im Gleestal galt noch im 19. Jahrhundert als beste Weinlage in der damaligen Bürgermeisterei Burgbrohl. Die Gäste erfuhren, dass die Hochschule Geisenheim dort sogar noch eine der alten Reben gefunden hat.

Die älteste ihrer Art

Um 1125 begann man mit dem Bau der Gewölbebasilika im gebundenen System. Sie ist die älteste ihrer Art in Rheinland-Pfalz und steht daher unter Denkmalschutz. Schon zur Erbauungszeit war das steinerne Deckengewölbe etwas Rares, da die von den Römern beherrschte Technik der Überwölbung in späteren Jahrhunderten verloren ging und man sie in Deutschland und Frankreich erst allmählich wieder praktizierte. Zum Langhaus der Kirche kam um 1150 das Querhaus, später im Osten noch ein Chorraum mit einer Apsis. Die Innenmauern des Chores bildeten zwei Türme, sodass die Kirche Ende des 12. Jahrhunderts der Sankt Kastorkirche in Koblenz ähnelte. Das Gotteshaus gibt Rätsel auf, sowohl wegen seiner Überdimensionierung „für vier Mönche und andere Arbeitskräfte des Klosters“ und als auch wegen des Rückbaus im 13. Jahrhundert, als man die Oberteile der Türme abriss und das Querhaus verkürzte. Der barocke Umbau der Kirche bescherte ihr 1683 einen neuen barocken Turm und die barocke Gestaltung der Westfassade, bei gleichzeitiger Verkürzung des Langhauses und der Niederlegung der Seitenschiffe. Im verkleinerten Gebäude verdient der Chor besondere Beachtung. Unter dem Kreuzrippengewölbe weist er Nischen auf und einen feingliedrigen, einst weiß-rosa-roten Rankenfries, vermutlich vom Laacher Samsonmeister.

Bauwerk gerettet

Nach der Aufhebung der Propstei 1802 durch die Franzosen dienten die Gebäude den neuen Besitzern als Bauernhof und die Kirche als Scheune. Ein Brand in der Silvesternacht 1951 ließ das Langhausgewölbe einstürzen. In den nachfolgenden drei Jahrzehnten verfiel das ehemalige Gotteshaus zusehends. 1981 drohte der Abriss. Rettung brachten die Bemühungen der Denkmalpflege und die früheren Eigentümer, die dem Förderverein 1986 die Kirche als Schenkung überließen, worauf umfangreiche Aufbauarbeiten erfolgten. Das Engagement des Vereins ist ungebremst. Er hat es auch übernommen, den Raum zu beleben, indem er zusammen mit der Verbandsgemeinde Brohltal vielfältige Kulturveranstaltungen, wie Konzerte, Lesungen und Ausstellungen organisiert.

Die Witterung hielt die Exkursionsteilnehmer nicht vom Besuch der Propsteikirche ab. Sie zeigten sich beeindruckt von dem besonderen Zeugnis der Kulturgeschichte.Foto: HG

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