Allgemeine Berichte | 03.03.2015

Delegiertentag des Kreis-Chorverbandes Ahrweiler

Der Jugend etwas Neues bieten

Karl Wolff, Präsident des Chorverbandes Rheinland-Pfalz, gab sich optimistisch für die Zukunft des Chorwesens

Zuversichtlich geht der neue Vorstand des Kreis-Chorverbandes Ahrweiler in das neue Jahr. Kreis-Chorleiter Winfried Schäfer (sitzend) und der neue Vorsitzende Günter Nerger (dahinter stehend mit blauer Krawatte) freuen sich schon auf das Kreis-Chorkonzert am 26. April im Konzertsaal des Kurparks Bad Neuenahr. JOST

Ringen. Der Kreis-Chorverband Ahrweiler hat einen neuen Vorsitzenden. Beim Delegiertentag im Bürgerhaus Ringen wurde der bisherige kommissarische Vorsitzende Günter Nerger einstimmig zum Nachfolger von Norbert Reineri gewählt, der bereits vor einem Jahr sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte und mittlerweile zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden ist. Zweiter Vorsitzender und Geschäftsführer wurde Otto Lembke, Schatzmeisterin blieb Rita Löhndorf, neuer Pressereferent ist Rolf Schmitz-Homberg und neuer Kreis-Jugendreferent Reinhold Rodammer. Zu Beisitzern wurden gewählt: Hans Ludwig Falckenberg (Brohltal), Rita Löhndorf (Eifel-Adenau), Alfons Schmickler (Grafschaft-Altenahr), Otto Lembke (Sinzig-Remagen), Hans Gerd Busa (Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Klara Gerber (Frauenchöre). Auch Kreis-Chorleiter Winfried Schäfer wurde im Amt bestätigt. Natürlich wurden die 37 anwesenden Delegierten vom gastgebenden MGV „Bölinger Liederkranz“ unter seinem Dirigenten Raymund Jacobs mit einem musikalischen Ständchen begrüßt. Die Sänger um den Vorsitzenden Werner Wolf kümmerten sich anschließend um das leibliche Wohl der Delegierten. Derzeit gebe es im Kreis 38 Chöre, wobei Nerger in seiner Begrüßung betonte: „Was mich bedrückt, ist die Tatsache, dass sich die Schwierigkeiten bei der Männerchören immer deutlicher zeigen. Im vergangenen Jahr haben sich drei Männerchöre mangels Singfähigkeit abmelden müssen.“ Der Trend der Überalterung und des fehlenden Nachwuchses insbesondere bei den reinen Männerchören sei allerdings nicht nur ein Problem im Kreis Ahrweiler.

Mit steigender Tendenz

Die Gründe liegen nach seiner Ansicht tiefer, nämlich in der Veränderung der Gesellschaft, dem größeren Freizeit-Angebot und der abnehmenden Bereitschaft, sich zu binden. Freiheit über seine Freizeit zu haben, Spaß zu haben und möglichst wenige Verpflichtungen auf sich zu nehmen seien ebenfalls feststellbare Trends. Gesungen werde jedoch insgesamt mit steigender Tendenz, denn vor allem junge Chöre und gemischte Chöre sprössen immer wieder neu hervor – allerdings oftmals ohne den Anspruch, sich einem Verband anzuschließen, trotz aller Vorteile. „Man möchte möglichst überhaupt keine Vereinsstruktur mehr haben“, bedauerte der neue Vorsitzende. Nachdem Ortsvorsteher Toni Palm zunächst seinen Heimatort und die Gemeinde Grafschaft insgesamt vorgestellt hatte, betonte Landrat Dr. Jürgen Pföhler die außerordentliche Bedeutung der Musikvereine in einem ländlich geprägten Landkreis. „Diese Vereine sind die Träger der Kulturarbeit, es gibt fast keine Veranstaltung ohne musikalische Beiträge“, wusste er aus eigener Anschauung. Insgesamt 1.500 Personen stünden dahinter, doch auch er wusste, dass es immer schwieriger werde, Menschen für eine ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen.

Ein Kommen und Gehen

Wie viele andere Verbände auch leide der Kreis-Chorverband unter einer „Unterjüngung“. Doch jedes Jahrzehnt habe seine eigenen Herausforderungen mit sich gebracht, mit denen man bislang noch immer fertig geworden sei. Deshalb hege er große Hoffnung, dass auch diesmal wieder sich alles zum Guten wenden wird, so der Landrat. „Schließlich bleibt das Bedürfnis der Menschen nach guter Musik unverändert hoch, und auch das Bedürfnis nach guten Chorveranstaltungen wird weiter bestehen“, sagte er voraus. Allerdings sieht er es auch als große Herausforderung an, die „iPhone-Jugend“ in die Chöre zu bekommen. Der Präsident des Chorverbandes Rheinland-Pfalz, Karl Wolff, konnte allerdings insgesamt eine Überalterung der Chöre nicht entdecken. Zwar habe der Chorverband in den vergangenen fünf Jahren nicht weniger als 300 Chöre verloren – auf der anderen Seite seien aber auch wieder 300 neue dazukommen. Man müsse allerdings noch stärker an die Öffentlichkeit gehen und dürfe sich nicht immer verstecken. Leider würden auch die zahlreichen Förderangebote des Chorverbandes nicht von allen Chören angenommen, „dabei wäre dies so wichtig, damit es sinnvoll weitergehen.“

Zusammenarbeit erwünscht

Auch die mancherorts geäußerte Befürchtung, die zahlreichen Projektchöre würden die „normalen“ Chöre kaputt machen, stimme nicht. Vielmehr entstünden aus so manchem Projektchor dauerhafte Ensembles von erstaunlicher Qualität. Er forderte die Chöre aus dem Kreis Ahrweiler dazu auf, mehr aufeinander zuzugehen und besser zusammenzuarbeiten. So könne man durchaus aus zwei benachbarten kleinen Chören einen leistungsfähigen großen Chor zusammenstellen. „Die Jugend will singen“, war Wolff überzeugt, „denen müssen wir aber etwas Neues anbieten.“

Von einem moderneren Repertoire über familienfreundliche Probenzeiten sei hier so einiges denkbar. Er schloss seine Grußworte mit der hoffnungsvolle Botschaft: „Es geht weiter und wir werden viel Erfolg haben.“

Kreis-Chorkonzert am 26. April

Für das neue Jahr hat sich der Kreis-Chorverband vor allem vorgenommen, die Außenwirkung noch einmal zu verstärken und ein positives Bild des Verbandes zu zeichnen. Das geplante Kreis-Chorkonzert am 26. April im Konzertsaal des Kurgartens in Bad Neuenahr werde nach 14-jähriger Abstinenz sicherlich auch ein Baustein sein, den Verband mit seinen Chören positiv in der Öffentlichkeit zu präsentieren, hofft Nerger.

Zuversichtlich geht der neue Vorstand des Kreis-Chorverbandes Ahrweiler in das neue Jahr. Kreis-Chorleiter Winfried Schäfer (sitzend) und der neue Vorsitzende Günter Nerger (dahinter stehend mit blauer Krawatte) freuen sich schon auf das Kreis-Chorkonzert am 26. April im Konzertsaal des Kurparks Bad Neuenahr. Foto: JOST

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