Politik | 31.03.2014

Geplantes Forschungsprojekt „EnAHRgie“ der Europäischen Akademie

Der Kreis Ahrweiler will Modelregion für die Energiewende werden

Millionenschweres Projekt soll Kommunen, Naturschutzverbände und Energieversorger einbinden

Kreis Ahrweiler. Beim ehrgeizigen Vorhaben, die Energiewende auch auf lokaler Ebene umzusetzen, haben die Akteure nach wie vor viele Hürden zu überwinden, beispielsweise in Form von gesetzlichen Auflagen im Landschafts- und Naturschutz. Der Kreis Ahrweiler will diesen Weg jetzt mit wissenschaftlicher Begleitung unter Federführung der „Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr Ahrweiler GmbH“(Europäische Akademie) gehen. Profitieren können davon zahlreiche weitere Regionen, und das bundesweit.

„Für den Ausbau der Windkraft beispielsweise gibt es viele Restriktionen“, sagte Landrat Dr. Jürgen Pföhler jetzt bei der offiziellen Vorstellung des Projektes „EnAHRgie“. Hinter dem Kürzel steht der offizielle Titel des noch nicht endgültig genehmigten Bundesprojekts „Nachhaltige Gestaltung der Landnutzung und Energieversorgung auf kommunaler Ebene - Umsetzung für die Modellregion Kreis Ahrweiler“. Der Kreis- und Umweltausschuss hat auf Vorschlag des Landrats in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für die Teilnahme des Kreises als Praxispartner gegeben. Die Federführung des Forschungsvorhabens liegt in den Händen der Europäischen Akademie, die bereits eine Förderung aus Bundesmitteln beantragt hat. Wenn der Zuschuss bewilligt ist, läuft die Finanzierung fast vollständig über Mittel des Bundesforschungsministeriums. Insgesamt geht man von einem Volumen im einstelligen Millionenbereich aus.

Einsatz von erneuerbaren Energien untersuchen

Der Plan, für den man die inanzierungszusage des Forschungsministerium man noch in diesem Monat erwartet, sieht so aus: Der Einsatz von Erneuerbaren Energien - vor allem Windkraft, Sonnenenergie, Biomasse und Wasserkraft - soll im Kreis Ahrweiler drei Jahre wissenschaftlich analysiert werden. Und zwar „ergebnisoffen“, wie Pföhler betonte. Mit Blick auf die zahlreichen Akteuren vor Ort sprach er von einem „großen runden Tisch“, der schon kurz nach der offiziellen Gründung ins Leben gerufen werden soll. Im Kern des Projekts „EnAHRgie“ seien in einem Expertengremium - der so genannten Innovationsgruppe - unter anderem Kommunen, Wirtschafts- und Naturschutzverbände, Banken und Energieversorger eingebunden. „Die Bürger werden ebenfalls beteiligt, versprach der Landrat, denn schließlich soll die wissenschaftliche Herangehensweise mit dem Praxiswissen der Akteure vor Ort verzahnt werden.

Der Kreistag hatte bereits 2011 den Beschluss der „100 Prozent-Erneuerbare-Energie-Region“ gefasst. Will heißen: Der Strombedarf im Kreis Ahrweiler soll bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Ein Anteil von rund 10 Prozent am Gesamtstrombedarf sei schon jetzt erreicht. Dies zeigt nach Pföhlers Worten deutlich, „dass die Maßnahmen von Kreis, Kommunen und Privaten zu greifen beginnen.“ Es zeige aber auch, „dass noch eine große Wegstrecke vor uns liegt.“

Wichtige Bausteine auf einem langen Weg

Beispiele von Energiespar- und Klimaschutzmaßnahmen seien die Ausstattung der kreiseigenen Gebäude (meist Schulen) mit Fotovoltaikanlagen, das flächendeckende Solarkataster im Internet, die Umstellung auf moderne Heizungsanlagen mit alternativen Energieformen oder die Einrichtung der Energieagentur im Kreis Ahrweiler - „allesamt wichtige Bausteine auf dem langen Weg der Energiewende“, so der Landrat. Wissenschaftler der Europäischen Akademie und von sieben weiteren wissenschaftlichen Institutionen verschiedener Fachrichtungen aus ganz Deutschland wollen diesen Weg jetzt durch ihre fachliche Expertise unterstützen.

Voraussichtlicher Beginn des Forschungsprojektes ist der August diesen Jahres, erläuterte Projektleiter Dr. André Schaffrin von der Europäischen Akademie. Am Beispiel des Kreises Ahrweiler soll ein Gesamtkonzept für eine nachhaltige Landnutzung mit Schwerpunkt auf Energieversorgung entwickelt werden. Darauf aufbauend sollen dann Instrumente und Methoden entwickelt werden, mit denen die Ergebnisse auch auf andere Landkreise in Deutschland übertragen werden und als Hilfestellung für die Lokale Energiewende genutzt werden können. „Unser Ziel ist es, Motivationen und Aktivitäten auf lokaler Ebene zu nutzen und konsistent mit Maßnahmen und zielen auf Landes- und Bundes-Ebene abzustimmen“, erläuterte Schaffrin.

Wissenschaftler und Praktiker arbeiten zusammen

Kern des Projekts bildet die „Innovationsgruppe“, in der Wissenschaftler aus den Bereichen nachhaltige Landnutzung, Gestaltung dezentrale Energiesysteme, Governance und Partizipation mit Praktikern aus dem Verwaltungsbereich, der regionaltypische und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten soll. Dieser Ansatz verfolge eine Umsetzung, die auf allen beteiligten Ebenen abgestimmt und stabil realisierbar sei, glaubt der Wissenschaftler.

So stehe etwa der Kreis Ahrweiler bei seinem ehrgeizigen Ziel, „100 Prozent-Erneuerbare-Energie-Region“ zu werden, von besonderen Herausforderungen. Denn durch das Vorhaben entstehe eine Landnutzungskonkurrenz zwischen Tourismus, Naturschutz, Weinbau und Energieerzeugung mit einer Mehrebenenproblematik der Planungskompetenzen. Zumal der Kreis Ahrweiler zu 40 Prozent ein Vogelschutzgebiet nach der FFH-Richtlinie und sogar zu 90 Prozent ein Landschaftsschutzgebiet sei. Aus der Art und Weise, wie der Kreis dieses Problem löse, könne durch die vorliegende typischen Schwierigkeiten besonders gut eine allgemeine Herangehensweise als neue Systemlösungen für die Lokale Energiewende in Deutschland abgeleitet werden.

FDP lehnt das Projekt rundweg ab

Mittlerweile hat sich die Kreis-FDP eindeutig gegen dieses Projekt positioniert. „Das Geld könnte man besser verwenden“, so das Urteil des Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Ulrich van Bebber. Über 5,2 Millionen Euro sollen nach seinen Informationen dafür ausgegeben werden, dass im Kreis Ahrweiler erforscht wird, wie man die Energiewende und den Einsatz erneuerbarer Energien vorantreiben könne. „Damit hätte man zum Beispiel problemlos das Schwimmbad in Adenau retten können“, ärgert sich auch Kreistagsmitglied Katja Kerschgens aus Adenau.

„Das Forschungsprojekt ist eine Bankrotterklärung der Politik, die es nicht schafft, eine vernünftige Energiepolitik mit Augenmaß zu betreiben“, begründet van Bebber seine Ablehnung. Statt den Ausbau der Windenergie in geordnete Bahnen zu lenken, habe die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) einen Zustand landesplanerischer Anarchie geschaffen. Da sie nicht einmal versucht habe, den Ausbau der erneuerbaren Energien planerisch zu gestalten, drohe Rheinland-Pfalz nun ein regelrechtes Windradchaos und eine unsägliche Verspargelung der Landschaft.

Kreis betreibt eine irrationale Politik

Auch der Kreis betreibe eine irrationale Politik. „Das Ziel, bis 2030 im Kreis Ahrweiler vollständig aus erneuerbaren Energien zu versorgen, ist nicht erreichbar. Dieser Wahrheit sollten wir uns stellen. Ideologie und selbst gut gemeinter Idealismus reichen nicht“, erklärt van Bebber. Der Kreis habe weder die Instrumente noch die Zuständigkeit, die Energieerzeugung festzulegen. 100 Prozent aus erneuerbaren Energien würden außerdem dazu führen, dass der Kreis komplett mit Windrädern verspargelt wäre. „Das wäre das Ende für unsere Tourismusregion“, unterstützt die stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Christina Steinheuer.

Es sei schon absurd, dass nun zusätzlich zu der vom Land eingerichteten Energieagentur und ihren Beratern jetzt noch 5,2 Millionen Euro an Steuergelder zusätzlich ausgegeben werden sollen, „um das Versagen der Politik zu untersuchen.“ Besser wäre es, die Politik endlich umzustellen, anstatt immer wieder neue Runde Tische zu fordern oder einzurichten.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Imageanzeige - Dauerauftrag
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Juli 2026
Sonderseiten 150 Jahre Sinziger Zeitung (Personalsuche)
Bürgerinformation
Rund ums Auto
Wir feiern 150 jährigen Geburtstag
Stellenanzeige / 150 Jahre Zeitungsgeschichte
150 Jahre Blick aktuell
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symboldbild.
1384

Nach dem schweren Unfall in der Bismarckstraße sucht die Polizei nach Zeugen

10.07.: Nach schwerem Unfall in Andernach: Beifahrerin außer Lebensgefahr

Andernach. Am 9. Juli 2026 ereignete sich um 10:45 Uhr in Andernach an der Kreuzung Bismarckstraße/Breite Straße ein schwerer Unfall. Die Polizei hat inzwischen bekannt gegeben, dass sich die Beifahrerin des Unfallfahrzeugs außer Lebensgefahr befindet. Sobald ihr Gesundheitszustand es erlaubt, wird sie von der Polizei befragt, um den Hergang des Unfalls aufzuklären. Auch weitere Zeugen sollen zu dem Vorfall befragt werden.

Weiterlesen

635

Wandern in der Heimat - LandFrauenkreisverband lädt ein

Geführte Wanderung durch Amseltal und Neuenahrer Wald in Bad Neuenahr

Bad Neuenahr. Die geführte Wanderung verläuft durch das Amseltal und den überwiegend schattigen Neuenahrer Wald zur Amseltalhütte. Nach dem steilem Aufstieg geht es in ca. eineinviertel Stunden zum Steckenbergturm. Der Lennéweg führt zurück ins Tal vorbei am Waldkletterpark, dem Waldentdeckerpfad, durch den Dahliengarten zum Ausgangspunkt. Es ist keine Einkehr vorgesehen.

Von Ingrid Strohe

Weiterlesen