Amüsanter Theaterabend im Rahmen der Kulturbühne Bad Breisig
Die Problemzone von Cora Hübsch ist: der Mann
Bad Breisig. Die darstellerischen Qualitäten der Schauspielerin Cynthia Thurat hat man in der quellenstädtischen Kulturszene durch einige frühere Gastspiele kennen und schätzen gelernt. Entsprechend groß ist ihre hiesige Fangemeinde, und so war bei dem neuerlichen Auftreten der Mimin im Jugend- und Kulturbahnhof - trotz massiver Konkurrenz der Münchener Bayern im Spiel um den Europacup - auch der allerletzte Platz besetzt. Und Cynthia Thurat erfüllte in ihrem Einpersonen-Stück „Mondscheintarif“ wieder einmal alle Erwartungen. Die Liebeskomödie bot prächtige Unterhaltung mit viel Witz, Ironie und Herz, bei der die Darstellerin in der Bühnenfassung des bekannten Romans von Ildikó von Kürthy große Theaterkunst bot. In der Paraderolle mit der Quintessenz „Meine Problemzone ist der Mann“ und einer in ihrer Verliebtheit nahezu hysterischen Cora Hübsch veranstaltete die Mimin ein höchst amüsantes Tohuwabohu quer über die Bühne des Kulturbahnhofs. Der Auftritt der Cora beginnt damit, dass sie alle Erinnerungen an den mit aufregenden Erlebnissen erfüllten Vorabend in einen Müllsack verstaut. Voller Wut, Enttäuschung und mit nicht erfüllten Erwartungen. Das war geschehen: Durch Losglück in eine Prominenten-Gala mit Preisverleihung geraten, stolpert Cora in die Affäre mit einem Dr. Daniel Hofmann. Das wäre nie passiert, wenn ihr die Klofrau nicht leid getan hätte, die vom opulenten Festbüffet ausgeschlossen war. Das übersteigerte Sozialbewusstsein veranlasst Cora, der Klofrau einen üppig gefüllten Teller zu bringen; der aber erreicht nie sein Ziel, denn der ungestüme Dr. med. Hofmann rammt die Trägerin, und der zuoberst liegende Hummer „landet im Dekolleté der Siegerin im Wettbewerb um die beste weibliche Hauptrolle“. Die Verbrüderung mit dem Unfall-Gegner führt zu jenem für Cora Hübsch unvergesslichen Abend, von dem sie sich nun vergeblich die große Liebe verspricht. Vergeblich jedoch wartet sie auf den Anruf ihres Liebhabers, fängt aus Verdruss an Unsinniges zu tun, so zum Beispiel ihre Liebe zum Naschen von Süßigkeiten wieder zu aktivieren. Sie erinnert sich ihrer Freude an gutem Essen und bekennt sich zu einer weiblich runden Figur: „Man sollte sein Fettgewebe mit Stolz tragen !“
Statt wutentbrannt auf den Anruf des Sexpartners zu warten, könnte sie ja auch Sinnvolles erledigen. Zum Beispiel: die Steuererklärung endlich machen oder den längst vertrockneten Weihnachtsbaum irgendwo entsorgen. Doch das Schicksal weiß Besseres. Als sie wegen eines Wehwehchens ihren Hausarzt aufsucht, wird der unerwartet von dem ungetreuen Dr. Daniel Hofmann vertreten. Köstliche Verwicklungen sind programmiert, zumal der Doktor ihre Schwindelgefühle testet und ihr ein paar orthopädische Hilfsmittel verordnet. Aber Cora weiß mit ihren weiblichen Waffen umzugehen. Sie setzt alle ihr bekannten Tricks ein - und dennoch kommt vieles anders, als sie sich vorstellt. Cynthia Thurat spielt die wechselnden Gemütsverfassungen der Cora Hübsch - da kippen Glückseligkeit in Verzweiflung, freudige Erwartung in irrsinnige Enttäuschung, Humor in Traurigkeit, Wut in Fröhlichkeit - mit grandioser Darstellungskunst. Dieser Theaterabend enthielt wieder alles, was das Publikum von den Angeboten der von Brigitte Kiblitzky so trefflich organisierten Bad Breisiger Kulturbühne erwartet - dank Cynthia Thurat, deren toller Schauspielkunst und einem Stoff, der über alle Zeiten Dauerthema auf den Bühnen der Welt ist: Die Probleme im Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Weiter geht es im quellenstädtischen Kulturprogramm am Mittwoch, dem 17. Juni, 20 Uhr. Im Angebot die literarische Seereise mit Musik, Titel „Seemannsbraut ist die See.“
Cora Hübsch findet ihre Liebe zum Naschen wieder.
