Allgemeine Berichte | 30.08.2015

Cappella Lacensis und Neues Rheinisches Kammerorchester begeisterten mit Haydns "Schöpfung"

Die Welt in zwei Stunden erschaffen

Die Musiker hatten sich am Sonntag vor dem Stiftergrab positioniert. Zwar waren die Akteure nicht zu sehen, dafür aber erlebten die Zuhörer einen himmlischen Klang.

Glees. Petrus hatte nur teilweise ein Einsehen. Samstags konnte das große Open-Air anlässlich der Laacher Festwoche wie geplant auf der weiten Bühne vor dem Laacher Paradies stattfinden. Am Sonntag jedoch zogen die Musiker wegen des angekündigten Donnerwetters vom Vorplatz in die Basilika und positionierten sich vor dem Stiftergrab, für die Akustik ein ausgezeichneter Standort.

Die gewaltige Aufführung von Joseph Haydns „Schöpfung“ mit 80 Streichern, Bläsern und Sängern ist insbesondere dem beträchtlichen Engagement des künstlerischen Leiters, Pater Philipp Meyer OSB, zu verdanken. Seine von ihm selbst 2008 gegründete Cappella Lacensis kooperiert seit zwei Jahren mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester. „Pater Philipp hat die Musikalität bis in die Fingerspitzen“, so eine begeisterte Zuhörerin. Und sie erzählte, dass Meyer bereits als kleiner Junge nicht vom Klavier wegzukriegen war.

Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ von der Erschaffung der Welt bis zum siebten Tag im Paradies entstand in den Jahren 1794/95. Und man spürt, dass das Werk von den Oratorien Georg Friedrich Händels inspiriert ist. Textlich liegen der Komposition die Genesis und das Buch der Psalmen zugrunde, durch John Miltons „Paradise Lost“ in die Sprache jener Zeit übertragen. Gott schuf die Welt in sieben Tagen, Joseph Haydn braucht dafür zwei Stunden. Aber da für Gott 1.000 Jahre wie ein Tag sind, relativiert sich auch dieses Zeitmaß wieder.

Solisten überzeugten als Erzengel

Mit einem von Pauken untermalten Urknall beginnt das Werk. In sanft flirrenden Streichern kündigt sich die Schöpfung an. Noch leise schwebt Gottes Geist über den Wassern, um dann im „Und es ward Licht“ erstmalig in seiner ganzen Herrlichkeit in Chor und Orchester aufzustrahlen. Dirigent Pater Philipp führte Vokalisten und Instrumentalisten zu einem ausgezeichneten Klangkörper zusammen, wobei die historischen Blasinstrumente eine besondere Tonfarbe setzten. Da sprang die Begeisterung der 38 Sänger und 42 Orchestermusiker über von der Bühne aufs Publikum.

Faszinierend waren auch die Rezitative der drei Solisten, Danuta Dulska (Sopran), Michael Mogl (Tenor) und Thomas Schütz (Bass) in den Rollen der Erzengel Gabriel, Raphael und Uriel. Danuta Dulska überzeugte durch ihren glänzenden, differenzierten Sopran, Tenor Michael Mogl mit seiner hohen stimmlichen Präsenz und Bariton Thomas Schütz durch seinen wohlklingenden Bass - drei weitere Säulen, auf denen die Schöpfung entstand.

Und während das Werk mit der Erschaffung der Tiere und schließlich des Menschen voranschritt, legte sich die Nacht über das Laacher Seetal, sodass die Basilika mehr und mehr in bunt-mystisches Licht eintauchte und gleichsam Teil einer anderen, geheimnisvollen Welt wurde. Es war wirklich schade, dass die Zuschauer am Sonntag wegen des Umzugs dieses Schauspiel nicht erleben konnten.

Dank Tontechniker Jörg Landstorfer, Tonstudio Veranstaltungstechnik, konnte die Musik beim Samstags-Open-Air auch in den hinteren Reihen authentisch klingend genossen werden. Der unter seiner Tonregie entstandene Mitschnitt soll Ende des Jahres auf CD erscheinen.

Dann ergibt sich noch einmal die Gelegenheit, dieses musikalische Feuerwerk nachzuerleben. Die 1.800 Zuschauer der beiden Abende waren begeistert und dankten der Cappella Lacensis und dem Neuen Rheinischen Kammerorchester für diese wunderbare Aufführung mit lang tosendem Applaus für ein Erlebnis, das auch durch die Unterstützung der Verbandsgemeinden Brohltal, Mendig und Pellenz wahr wurde.

Die Musiker hatten sich am Sonntag vor dem Stiftergrab positioniert. Zwar waren die Akteure nicht zu sehen, dafür aber erlebten die Zuhörer einen himmlischen Klang.
Der Standort vor dem Stiftergrab eignete sich hervorragend für die Akustik. ET

Der Standort vor dem Stiftergrab eignete sich hervorragend für die Akustik. Fotos: ET

Die Cappella Lacensis und die Neue Rheinische Philharmonie machten die beiden Abende zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Cappella Lacensis und die Neue Rheinische Philharmonie machten die beiden Abende zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Musiker hatten sich am Sonntag vor dem Stiftergrab positioniert. Zwar waren die Akteure nicht zu sehen, dafür aber erlebten die Zuhörer einen himmlischen Klang.

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