Allgemeine Berichte | 28.09.2013

Papst Franziskus sorgt ein weiteres Mal für Wirbel - Sehen Sie die katholische Kirche im Aufbruch, liebe Leserinnen und Leser?

Frischer Wind aus Rom?!

Befindet sich die katholische Kirche im Aufbruch?Wikipedia

Rom. Ein Papst, der sich anschickt, die Kirche zu erneuern, der jugendlichen Straftätern die Füße wäscht, als Erzbischof Laien förderte und eine Entmystifizierung seines Amtes vollzieht, indem er auf Insignien, Pomp und Glanz verzichtet. Ein Papst, der so ganz anders ist als seine Vorgänger. Und der nicht nur ein Ohr, sondern auch ein Herz für jene zu haben scheint, für die bisher in der katholischen Kirche kein Platz war: Homosexuelle, Geschiedene und Menschen, die abgetrieben haben. Der Papst vom anderen Ende der Welt war schon mit seiner Wahl eine Überraschung. Doch das sollte erst der Anfang sein. Seit dem 13. März diesen Jahres, als der weiße Rauch über dem Vatikan aufstieg und der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, als Papst Franziskus sein Amt angetreten hat, sorgt das gleichsam temperamentvolle wie bescheidene Oberhaupt der Katholiken fast täglich mit seinen Reden, seinem Auftreten und seinem Handeln für Aufsehen.

Zwar reißt Papst Franziskus damit keine Dogmen ein. Noch nicht jedenfalls. Aber vielen gilt er als die - endlich - zeitgemäße Antwort aus Rom auf die Fragen, Probleme und Sehnsüchte des 21. Jahrhunderts. Mit seinem Lächeln, das inzwischen vielfach um die Welt gegangen ist und die Herzen öffnet, und mit seinem neuen Stil begeistert er Menschen auch außerhalb der katholischen Kirche und gibt seinem Amt ein derart positives Image, wie es vor ihm wohl noch niemand schaffte.

Schwule, Lesben und Geschiedene

Aber er irritiert auch. Nicht wenige Gläubige sehen sich in Papst Franziskus mit einem Glaubenshüter konfrontiert, der sich mit straffälligen jugendlichen trifft, der Musliminnen die Füße wäscht und sich von evangelikalen Pastoren segnen lässt. Er ist vom ersten Tag an der Papst, der auf die herkömmlichen Insignien seines hohen Amtes verzichtet, weil er in ihnen Zeichen ungebührlicher Macht der Kirche sieht. Er ist der Papst, der nicht in der Staatskarosse durch den Vatikan fährt, sondern im Kleinwagen. Er ist der, der noch immer nicht in den üppigen päpstlichen Palast umgezogen ist, sondern lieber im einfachen Gästehaus wohnen bleibt. Und er ist der Papst, der nun auch Schwulen und Lesben, Geschiedenen und Abtreibenden sein Ohr und sein Herz schenkt. Das gefällt nicht jedem.

Eine klare Kampfansage expresis verbis hat es bisher aus Rom indes noch nicht gegeben. Dennoch: Papst Franziskus zeigt keine Scheu, seine Kirche als Gipfel einer ultimativen Moral und selbstgerechten Gläubigkeit aufzuschrecken. Gleichsam offen und empathisch wie auch überzeugend spricht er die großen Tabuthemen des Vatikans an: Homosexualität, Abtreibung und Scheidung. Klar, dass solche Gedanken und Äußerungen für Wirbel sorgen - bei Reformwilligen wie bei Konservativen.

Neuen Diskussionsstoff lieferte nun ein Interview des Heiligen Vaters mit Antonio Spadaro, dem Chefredakteur der italienischen Jesuiten-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“, das in diesen Tagen in 16 Jesuiten-Magazinen weltweit veröffentlicht wurde, darunter auch in den Münchner „Stimmen der Zeit“ (www.stimmen-der-zeit.de). Und was Spadoro da zu berichten hat, kommt einer Sensation gleich.

Liebe, Notwendigkeit und Mittelmaß

Da steht unter anderem Folgendes zu lesen über Homosexuelle: „Wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt (…). Einmal hat mich jemand provozierend gefragt, ob ich Homosexualität billige. Ich habe ihm mit einer anderen Frage geantwortet: ’Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?‘“

Über die Rolle der Frauen in der Kirche sagt der Papst: „Die Frauen stellen tiefe Fragen, denen wir uns stellen müssen. Die Kirche kann nicht sie selbst sein ohne Frauen und deren Rolle. Die Frau ist für die Kirche unabdingbar. Maria - eine Frau - ist wichtiger als die Bischöfe (…). Man muss daher die Vorstellung der Frau in der Kirche vertiefen. Man muss noch mehr über eine gründliche Theologie der Frau arbeiten (…). Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden.“

Und über die Kirche selbst denkt der Heilige Vater: „Diese Kirche, mit der wir denken und fühlen sollen, ist das Haus aller - keine kleine Kapelle, die nur ein Grüppchen ausgewählter Personen aufnehmen kann. Wir dürfen die Universalkirche nicht auf ein schützendes Nest unserer Mittelmäßigkeit reduzieren (…). Wir müssen also ein neues Gleichgewicht finden, sonst fällt auch das moralische Gebäude der Kirche wie ein Kartenhaus zusammen (…). Es ist eindrucksvoll, die Anklagen wegen Mangel an Rechtgläubigkeit, die in Rom eintreffen, zu sehen.“

Was meinen Sie dazu?

Schon als Erzbischof von Buenos Aires lehrte Papst Franziskus Armut, Barmherzigkeit und reine Liebe. Heute markiert er den Gegenpol zu theologischen Hierarchien und gestaltet sein Amt offen und demütig und bricht Verkrustungen auf. Nicht allen gefällt das. So zeigte sich beispielsweise der US-Bischof Thomas Tobin „ein bisschen enttäuscht“ darüber, dass Papst Franziskus das „Übel der Abtreibung“ ignoriere.

Nun macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und ein Papst allein noch keinen katholischen Frühling.

Aber er ändert das Klima in Rom und in der ganzen Welt. Ob dem Fakten folgen, wird sich zeigen. Oder nicht? Wie sehen Sie das, liebe Leserinnen und Leser? Nehmen Sie einen Aufbruch in der katholischen Kirche wahr? Und wenn ja: Will der Papst da vielleicht zu viel? Oder fordert er in Ihren Augen zu wenig? Oder erhoffen Sie Reformen, aber trauen dem neuen Wind noch nicht? Wie denken Sie darüber?

Wir freuen uns auf Ihre Meinung zu dem Thema. Schreiben Sie einfach an: blick-aktuell@kruppverlag.de und teilen Sie uns auch kurz mit, ob wir Ihre Meinung veröffentlichen dürfen.

Reformator? Papst Franziskus.

Papst Franziskus geht mit dem Thema Homosexualität sehr offen um.

Frischer Wind aus Rom?!

Frischer Wind aus Rom?!

Befindet sich die katholische Kirche im Aufbruch?Fotos: Wikipedia

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Anlagenmechaniker
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Anzeige KW 14
Dauerauftrag 2026
Empfohlene Artikel
v.l.n.r.: Christian Luke, Iris Gesell, Sebastián Merino, Anna Evertz, Alicja Sinen
33

Im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung kam am Mittwoch, den 25. März 2026 um 18:00 Uhr der Vorstand des Fördervereins mit interessierten Fördervereinsmitgliedern und der Schulleitung in den Räumlichkeiten der Lindenschule zusammen. Zu Beginn standen die Tagesordnungspunkte „Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr“ und „Bericht des Kassenwartes zur Mitgliederentwicklung und zu den Finanzen“ auf der Agenda.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2262

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Titel
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Ostergruß
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
PR-Anzeige
Ostergrußanzeige
Osteraktion
Unterstützeranzeige
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige