Übung der Feuerwehr auf dem Walporzheimer Sportplatz
Gefahrgutzug ist für Ernstfall gerüstet
Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen klappt sehr gut. Gefährliche Stoffe schnell in Sicherheit
Kreis Ahrweiler. „Wo Leute wegrennen, da gehen wir rein.“ Kreisfeuerwehrinspekteur Udo Zimmermann war stolz auf seine Feuerwehren, vor allem auf die Spezialkräfte des Gefahrstoffzuges. Diese Einheit, bestehend aus 50 besonders für den Umgang mit gefährlichen Stoffen ausgebildeten „normalen“ Feuerwehrleuten, bestand nun ihre Übung auf dem Parkplatz des Walporzheimer Sportplatzes mit Bravour. Viele der insgesamt 2.000 Feuerwehrmänner und -frauen waren mit im Einsatz, denn es galt, die Zusammenarbeit der ehrenamtlichen Helfer zu proben. Und es klappte sehr gut, diese Bilanz zog bei seiner Manöverkritik nicht nur der Kreisfeuerwehrinspekteur, auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler überzeugte sich von der Einsatzstärke der Wehren. Wie groß der Bedarf an ehrenamtlichen Feuerwehrhelfern gerade in einem ländlichen Gebiet wie dem Kreis Ahrweiler ist, zeigt die Tatsache, dass im AW-Land 96 Löschzüge bestehen, um die vielen Städte und Ortschaften ausreichend zu sichern. Zu den 2.000 erwachsenen Mitarbeitern kommen noch 350 Jugendliche. Da ist es nötig, die unterschiedlichen Einheiten auch öfter gemeinsam üben zu lassen. Zumal wie in diesem Fall der Gefahrgutzug ja nicht bei allen Einsätzen ausrückt. „Heute gilt es, dass die Einheiten des Gefahrgutzuges reibungslos miteinander funktionieren, dass die Mitglieder gemeinsam die Handhabung von Technik und Ausrüstung unter Beweis stellen. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit den anderen an solchen Einsätzen beteiligten Organisationen, also etwa DRK, Polizei oder Einsatzleitung geübt werden.“
Fiktives Szenario
Es ist zu einem Unfall mit mehreren PKW und LKW gekommen. Die Lastwagen sind mit unterschiedlichen Gefahrgütern beladen, sie sind leckgeschlagen. In den Unfall sind weitere Personenwagen verwickelt, in den Autos liegen bewusstlose Personen, eventuell Tote. Dieses Horrorszenario wurde bei der Übung als Ausgangssituation vorgegeben. Der Löschzug Ahrweiler war als erster vor Ort und stellte den hohen Gefährdungsgrad fest, der Gefahrstoffzug wurde alarmiert. Die Wehrleute sicherten die Unfallstelle, banden die ausgelaufenen Flüssigkeiten und bargen die Verletzten. „Die Ersten am Unfallort deichen die Gefahrstoffe ein, dichten die Leckagen und ergreifen weitere Maßnahmen, die nötig sind. Anhand von Gefahrgutkennzeichen oder Frachtpapieren können sie sehen, welche Gefahrstoffe geladen wurden. Sind die Stoffe besonders gefährlich, ziehen wir zusätzlich Fachleute aus der chemischen Industrie hinzu. Die großen Chemieunternehmen beschäftigen Spezialisten in ihren Berufsfeuerwehren, die sich mit diesen extrem gefährlichen Materialien auskennen“, erklärte der Kreisfeuerwehrinspekteur. Hauptbrandmeister Friedhelm Jakobs, der Führer des Gefahrstoffzuges, ergänzte: Vor Kurzem habe es einen schweren Unfall auf der Autobahn gegeben, bei dem zwei Stoffe zur Ladung des Havaristen gehörten, die für sich allein ungefährlich, aber höchst explosiv sind, sobald sie zusammen kommen. Da habe man ebenfalls die Kollegen der chemischen Industrie hinzugezogen. Es gebe einige Einsatzarten, um zum Beispiel ätzende oder leicht brennbare Flüssigkeiten zu sichern und zu entsorgen. Zuerst gelte es aber, Menschen aus der Gefahrenzone zu retten und zu versorgt, dann kämen die extra ausgebildeten Wehrleute des Spezialzuges zum Einsatz.
Zufriedenstellende Bilanz
Bei der Übung waren Kollegen dabei wie Gefahrstoffzugteileinheiten aus Ahrweiler, Altenahr, Brohltal und Remagen, die Feuerwehren Bad Neuenahr, Ahrweiler sowie das DRK Ahrweiler. Udo Schumacher und Achim Klein, der Wehrleiter des Löschzugs Grafschaft, hatten das Geschehen genau beobachtet und zogen mit Friedhelm Jakobs anschließend eine zufriedenstellende Bilanz. Vom ersten Anrücken bis zur Dekontaminierung der Einsatzkräfte klappte alles sehr gut. „Solche Übungen zeigen, wie wichtig regelmäßiges Trainieren unter realistischen Bedingungen ist. Eben auch, um das Miteinander immer wieder zu verbessern. Alle Kollegen haben das Ziel der Übung wirklich prima erfüllt. Der Kreis Ahrweiler ist durch den Gefahrgutzug für den Ernstfall gerüstet. Wenn es keine Ehrenamtlichen gäbe, die sich um die Aufgabe des Brandschutzes kümmern, wenn also Berufsfeuerwehren diese zeitintensiven und anstrengenden Aufgaben übernehmen müssten, hätte die öffentliche Hand ein kaum lösbares personelles und finanzielles Problem. Was hier Ehrenamtliche für die Öffentlichkeit leisten, wie viel Freizeit und Kraft sie opfern, das ist schon beispielhaft. Daher gebührt den Feuerwehren ein großes Lob. Auch den Arbeitgebern der Wehrmänner und -frauen, denn sie verzichten oft auf ihre Mitarbeiter“, richtete der Kreisfeuerwehrinspekteur ein deutliches Dankeschön an alle Beteiligten.
Eine schweißtreibende Angelegenheit ist es, in den schweren Anzügen auch noch schnell in die Gefahrenzone zu gelangen. Fotos: WM
