Allgemeine Berichte | 09.06.2015

Kunst kämpft für die Wacholderheiden der Osteifel

Gemäldeausstellung erinnert an Naturschützer Hans Hollederer

Der Bürgermeister mit den Künstlern der Vernissage „Schutz der Wacholderheiden.“ FA

Bad Breisig. Zuweilen hinterlassen Menschen Spuren, ohne sich dessen zu Lebzeiten bewusst zu werden. Ein solcher ist der 2012 im Alter von 62 Jahren verstorbene Bad Breisiger Bürger Hans Hollederer. Der um 1995 in der Quellenstadt ansässig gewordene Ur-Bayer, studierter Jurist und Politikwissenschaftler, wurde einst durch die hohe Politik nach Bonn verschlagen. Er war auf Umwegen in Bad Breisig gelandet und wurde der Lebensgefährte der quellenstädtischen Künstlerin Hildegard (Hilla) Hildebrand. Hans Hollederer war stark der Natur verbunden und mit ein von Idealismus geprägter Kämpfer für den Naturschutz. Dem Wald auch beruflich verbunden, entdeckte er ein gemeinsames Anliegen mit Dr. Alexander Saftig, dem dynamischen Verbandsbürgermeister der Gemeinde „Vordereifel“ (mit Sitz in Mayen), später Landrat des Kreises Mayen-Koblenz. Dr. Alexander Saftig und Hans Hollederer verband eine besondere Liebesbeziehung zu den Wacholderheiden der Osteifel. Beide beobachteten mit Sorge die Veränderung mit Fremd-Bewuchs dieser im Rheinland einzigartigen Landschaft. Vor langen Jahrhunderten war dort der Hochwald als dringend benötigtes Brand- und Bauholz von der ärmlichen Bevölkerung abgeholzt worden. Auf die Dauer hatten sich danach Heidekraut, Wacholder und sonst typische Trocken-Gewächse die abgeholzten Flächen breit gemacht, und so wurde der Bereich der Osteifel zum viel bewunderten Wandergebiet „Wacholderheide“.

Zum Schutz der Wacholderheide

Die Natur hatte sich hier selbst geholfen: Es war über viele Quadratkilometer eine Naturlandschaft mit eigener Fauna und Flora entstanden. Große Wander-Schafherden machten sich für die Landschaftspflege wie selbstverständlich verdient. Mit dem Verschwinden der Schafherden nach dem letzten Krieg verschwand auch deren zuverlässige Pflege der flachen Heidegewächse. Dadurch hatte nach dem letzten Krieg eine langsame, ungewollte Versteppung der einstigen Heidelandschaft eingesetzt; Wacholder und Heidekraut und typische Flora wurden nach und nach von artfremdem Bewuchs bedrängt. Die ungute Veränderung der Landschaft war offensichtlich. Dr. Alexander Saftig, unterstützt und beraten von dem sachkundigen Hans Hollederer, bemühte sich um den nachhaltigen Schutz, wo es notwendig war, auch um die Wiedergeburt der Wacholderheide. Für sie war es ein Akt des Generationenvertrags: Das Typische erhalten - im Dienst der neuen Generation. Die Initiatoren schafften die Aufnahme ihres Anliegens in das EU-LIFE-Projekt zum "Schutz und zur Pflege der Wacholderheiden der Osteifel“. Der gewiefte politische Stratege Hans Hollederer erreichte, dass für diese Aufgabe des Naturschutzes öffentliche Mittel aus verschiedenen Töpfen locker gemacht wurden, und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Nach Entfernen von artfremdem Bewuchs wurde Heidekraut-Samen gestreut, der Wacholder und die Fauna streng unter Schutz gestellt. Der sichtbare Erfolg: Die Osteifel mit ihren wunderschönen Wacholderheiden ist wieder ein gefragtes, viel bewundertes Wandergebiet. Nicht nur Wanderfreunde, die Wacholderheide zieht wegen ihrer malerischen Landschafts-Sujets viele Maler und Fotografen an. Hildegard (Hilla) Hildebrand, Breisiger Künstlerin und Vordenkerin der von ihr geführten „Initiative Bad Breisiger Künstler“, weckte bei ihren Freunden das Interesse, sich dieses Themas anzunehmen und die Wacholderheide, wie sie sich heute wieder darstellt, aus verschiedener Sichtweise, in unterschiedlichen Mal Techniken, aber auch in künstlerischer Fotografie auf Leinwand, Karton, Holz und Keramik zu übertragen.

Von Mystik und Vergänglichkeit

Die Kunstschaffenden haben die Besonderheiten der Wacholderheiden in der Osteifel, die Weite der Landschaft, die Farbenpracht der Natur, deren Rauheit, Mystik, aber auch deren Vergänglichkeit, also den Auftrag, sie für kommende Generationen zu erhalten, mit Pinsel, Spachtel und dem Objektiv festgehalten. Sie halten damit – inspiriert durch Hilla Hildebrand - auch zugleich die Erinnerung an Hans Hollederer wach, der den Erfolg seiner - zusammen mit Dr. Alexander Saftig - ergriffenen Initiative selbst nicht mehr erleben konnte. Die Kunstausstellung „Generationenvertrag Wacholderheiden der Osteifel“ wandert nun durch öffentliche Gebäude der Region und wirbt mit Kunstwerken für die gute Sache. Sie macht zur Zeit längere Station im Sitzungssaal und im Flur des quellenstädtischen Rathauses. Dort sind viele eindrucksvolle Arbeiten der Bad Breisiger Künstler-Initiative präsentiert, z.B vertreten durch Hilla Hildebrand, die im Dienst der Sache mit naturalistischen Pinsel-Arbeiten aufwartet, entgegen ihrer sonstigen künstlerischen Auffassung. Ferner mit dabei Sophie Adrian, Doris Anger, Annegret Brix-Schulz, Walter Buhr, Erika und Paul Hömmerich, Sebastian Hoppen, Peter Krebs, Lisa Leuckert, Klaus Marek, Klaus-Peter Püschel, Erika (Gemälde) und Willi (Fotos) Weißenhagen - und schließlich Altmeister Karl-Heinz Ziebarth. Schön, dass er wieder mit dabei ist. Ziebarths traumhaftes Farbenspiel der Heidelandschaft hebt sich eindrucksvoll aus den sehr unterschiedlichen, allgemein bewundernswerten, mit viel künstlerischem Empfinden und Können, verschiedenen Auffassungen und Techniken gefertigten Exponaten heraus.

Die Vernissage

Zur Vernissage startete Hildegard Hildebrand nach kurzen Grußworten einen interessanten Videofilm, der im Auftrag von Dr. Alexander Saftig hergestellt wurde und anschaulich die Hintergründe und den Stand des „Generationenvertrags Wacholderheide“ darstellt. Bürgermeister Bernd Weidenbach bekannte sich in seiner Rede als großer Fan der Präsentation: „Die Kunst gibt nicht nur das Sichtbare wider, sie macht auch das Unsichtbare sichtbar. So macht sie uns hier mit den Wacholderheiden vertraut.“ Weidenbach erinnerte ebenfalls an das Engagement von Hans Hollederer, den verstorbenen Projektleiter des „EU-LIFE-Projekts zum Schutz der Wacholderheiden in der Osteifel.“ An die Künstlerfamilie gewandt, sagte Bernd Weidenbach: „Ihre Arbeiten und Exponate werfen Fragen auf oder beantworten sie; sie erinnern an nahezu Vergessenes und mahnen uns zur Achtung der Natur. Es ist wichtig, dass Kunst den öffentlichen Raum schmückt, und wir sind dankbar, dass Ihre Kunst in unserem Rathaus ihre Wirkung entfalten kann. Kurzum: Unser Rathaus ist ein Ort vielfältiger Begegnung.“ Peter Krebs, Mitglied der Künstler-Initiative, erwies sich als profunder Kenner der Heide-Natur, speziell des Wacholders. „Er gehört zur Gruppe der Zeder“, dozierte er. „Die Flora und Fauna des Gebietes bedarf der Hege und Pflege“; sein Redebeitrag war ein veritables Plädoyer für den Erhalt des Wacholder-Schutzgebietes für künftige Generationen, eine Aufgabe, der auch die Initiative der Bad Breisiger Künstler diene. Die Ausstellung ist bis zum 31. August hier stationiert und ist zu den Dienstzeiten des Rathauses kostenlos zugänglich.

Der Bürgermeister mit den Künstlern der Vernissage „Schutz der Wacholderheiden.“ Foto: FA

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