Insolvenz des 133 Jahre alten Unternehmens Bröhl GmbH
Insolvenz der Bröhl GmbH kostet in der Region zahlreiche Arbeitsplätze
Aktuelle Informationen seitens des Insolvenzverwalters werden für Ende dieser Woche erwartet
Bad Breisig/Brohl. Das international angesehene und weltweit agierende Unternehmen Bröhl GmbH mit Hauptsitz an der Koblenzer Straße in Brohl-Lützing musste nach 133 Jahren Insolvenz anmelden. Bis zum Schluss hatte man auf Übernahmeangebote gewartet und gehofft, die 140 Arbeitsplätze erhalten zu können. Schließlich waren die Auftragsbücher gut gefüllt. Und noch im Mai dieses Jahres, als die Insolvenz nicht mehr zu umgehen war, hatte der als Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Dr. Ralf Bornemann von der dhpg Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft noch relativ hoffnungsvoll geklungen. Noch lief der Betrieb erst einmal weiter und noch wurde kein Mitarbeiter entlassen.
Das war aber noch kein Grund zum Aufatmen, denn am 1. August 2018 war klar: Eine nachhaltige Sanierung war nach derzeitigem Stand nicht möglich, die Investorensuche hatte trotz anfänglichen Interesses zu keinem greifbaren Ergebnis geführt und der Gläubigerausschuss beschloss die Ausproduktion.
Das bedeutete das harte Aus für 80 der 140 Mitarbeiter, die aufgrund der Situation freigestellt werden mussten. 60 verbleibende Angestellte arbeiteten die laufenden Projekte ab. Dr. Ralf Bornemann kommentierte die Lage so: „Leider ist es uns bislang nicht gelungen, einen Investor zu finden. Ich möchte mich bei allen Beteiligten, die uns in den letzten Wochen bei den Sanierungsbemühungen unterstützt haben, bedanken. Das gilt insbesondere für den Betriebsrat und die Mitarbeiter der Bröhl GmbH.“ Auf Anfrage von „BLICK aktuell“ zur Situation „Stand heute“ versprach die dhpg weitere Informationen für Ende dieser Woche. „BLICK aktuell“ bleibt am Ball und wird weiter berichten.
Zu starke Verlegung auf Bedarf des Offshore-Sektors
Um zu erklären, warum das Unternehmen überhaupt in diese finanzielle Schieflage geraten konnte, muss man etwas weiter ausholen. Nachdem die Brohler Firma ihre Umsätze mit der Produktion von Schiffswinden, Schiffstechnik, Schiffsaufbauten, Spezialaufbauten und maritimen Anlagen machte, kam die Ausrüstung für die Offshore-Industrie dazu. Dies auch gemeinsam mit dem in Singapur beheimateten Unternehmen Offshore Technology Development Pte Ltd. „Offshore“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „außerhalb der Küste“. Dabei geht es u. a. um Erdöl- und Gasgewinnung und um entsprechende Lagerstätten im Meer. Diese Art der Energieförderung ist aufwändig und teurer als die klassische Erdöl- oder Gasproduktion, genauso wie z. B. auch das aus Umweltgründen stark umstrittene Fracking (Gewinnung von in Gesteinsschichten gebundener Öl- oder Gasvorkommen). Das wirtschaftliche Engagement der „Großen“ im Öl- und Gasgeschäft in Richtung Offshore und Fracking ist dabei vom jeweiligen Rohölpreis abhängig. Ist der Ölpreis – und der daran gekoppelte Gaspreis – hoch, lohnen sich diese aufwändigen und kostenintensiven Methoden. Fällt der Rohölpreis aber, sind die Offshore-Aktivitäten wieder zu kostspielig und werden zurückgefahren. Das betrifft natürlich auch die Unternehmen, die die Ausrüstung und technischen Anlagen liefern.
Der strategische Fehler der Bröhl GmbH war wohl offensichtlich, sich zu stark auf den Bedarf des Offshore-Sektors zu verlegen.
Hinzu kam das Pech, dass die Entwicklung des Welt-Rohölpreises gerade zwischen 2014 und 2016 für das Brohler Unternehmen äußerst unglücklich verlief. Hätte sich der Ölpreis seinerzeit auf hohem Niveau bewegt, wäre wohl von einem „glücklichen Händchen“ gesprochen worden. Die niedrigen Rohöl- und Gaspreise aber waren mehr als kontraproduktiv. Wie stark dabei die Preisschere auseinanderklaffen kann, zeigt ein Blick zurück. Lag der Rohölpreis pro Barrel im Januar 2018 um die 70 Dollar, waren es im Januar 2016 gerade einmal um die 30 Dollar.
Ein schwerer Schlag für die Wirtschaft im Kreis Ahrweiler
Nachdem das Kind nun einmal in den Brunnen gefallen ist, geht es darum, den Menschen, die ihren Job verloren haben, zu helfen, also die Situation abzufedern. Darum kümmert sich auch der Landtagsabgeordnete Guido Ernst, der sich in einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung gewandt und um Hilfe für die Firma Bröhl gebeten hatte. „BLICK aktuell“ gegenüber erklärte Guido Ernst: „Ich bin der Ansicht, dass die Insolvenz der Firma Bröhl einen schweren Schlag für die Wirtschaft im Kreis Ahrweiler darstellt. Deshalb möchte ich, dass sich die Landesregierung bei der Investorensuche einsetzt. Bisher wurden bereits 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freigestellt. Diesen Menschen muss schnell geholfen werden. Ein Bürger aus meinem Wahlkreis gab mir den Tipp, auch das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Koblenz bzw. das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr bei den Bemühungen zur Arbeitsvermittlung einzuschalten. Deshalb habe ich auch in dieser Richtung bei der Landesregierung nachgefragt. Ich begrüße, dass die Landesregierung nach eigener Aussage im Austausch mit dem Beauftragten des Insolvenzverwalters für die Investorensuche steht und ihre auch kurzfristige Bereitschaft zu einem Gespräch mit einem künftigen Investor angeboten hat. Es ist zunächst einmal beruhigend, dass bereits 54 Personen mit der Arbeitsagentur wegen einer neuen Beschäftigungsstelle in Kontakt stehen. Das muss von allen Seiten noch intensiviert werden. Ich werde auch weiterhin am Ball bleiben“.
Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein und kann den von der Insolvenz betroffenen Menschen in unserer Region nur ganz, ganz fest die Daumen drücken, dass sie schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz finden. KMI
Verwaltet wird die Bröhl GmbH seit Mai 2018 von einem Insolvenzverwalter.
