TG Flurbereinigung Kell und DLR WW-OE
Kell stimmt gegen die Flurbereinigung
Kell. Die Abstimmung über die Weiterführung oder die Einstellung des Flurbereinigungsverfahrens fand statt. Mit persönlicher Abstimmung im „Wahllokal“ Bürgerhaus Kell oder mit Briefwahl, die insbesondere durch die nicht in Kell wohnhaften Teilnehmer genutzt wurde, entschied sich eine deutliche Mehrheit für die Einstellung des Flurbereinigungsverfahrens. Bei einer guten Wahlbeteiligung von 78 Prozent stimmten 81 Teilnehmer für die Einstellung des Verfahrens und 49 waren für eine Weiterführung.
Auch der Oberbürgermeister der Stadt Andernach, Achim Hütten, der konstruktiv und neutral das Verfahren die letzten Jahre unterstützt hatte, ließ es sich nicht nehmen, am Wahltag dem Wahlvorstand einen Besuch abzustatten, um sich über den Ablauf der Abstimmung vor Ort zu informieren.
Der Wahlvorstand, der aus Vertretern des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel (DLR WW-OE), Vertretern des Vorstandes der Teilnehmergemeinschaft (TG) und aus Herr Born als Leiter des Wahlamtes Andernach bestand, hatte keine Probleme, um einen reibungslosen Wahlablauf zu gewährleisten und eine schnelle Feststellung des Abstimmergebnisses zu ermitteln. Mit der Neuwahl des Vorstandes der Teilnehmergemeinschaft in 2011 wurde das Verfahren, das seit 1961 wegen Bimsausbeute „geruht“ hatte, wieder aufgenommen. Die zurückliegenden vier Jahre waren sowohl für das DLR WW-OE als auch den Vorstand TG eine arbeitsreiche Zeit, um einmal die Grundlagen für die Abwicklung des Verfahrens zu schaffen und um die notwendigen Informationen zur Entscheidungsfindung durch die Teilnehmer bereitzustellen. So hatten bereits in 1959 circa 400 Grundstückseigentümer Einzahlungen in die Flurbereinigungskasse geleistet, die durch den damaligen Kassenwart Bruno Nebgen über die vielen Jahre sehr gut verwaltet und angelegt waren.
Die Grundstückseigentümer und ihre Erben erhalten Rückzahlungen
Da sich über die vergangenen 50 Jahre die Besitzstände erheblich verändert hatten, war eine Rückzahlung der mittlerweile auf fast 160.000 Euro angewachsenen Flurbereinigungskasse an die ehemaligen Einzahler beziehungsweise deren Erben, unumgänglich. So mussten deutschlandweit, in einem Ausnahmefall sogar bis Übersee, die damaligen Grundstückseigentümer beziehungsweise in den meisten Fällen deren Erben ermittelt werden, um die Einlagen ordnungsgemäß an die richtigen Personen zurückzuzahlen. Durch die intensive Mithilfe des 85-jährigen Vorstandsmitgliedes der TG, Helmut Jüngerich, war es überhaupt möglich, dass bis auf wenige Ausnahmen, fast alle Einzahler beziehungsweise ihre Erben gefunden wurden und die Rückzahlungen den richtigen Adressaten fanden.
Über die lange Zeit hatte sich der Ort beziehungsweise Ortsteil, insbesondere nach der Eingemeindung zur Stadt Andernach, infrastrukturell weiter entwickelt und auch die landwirtschaftlichen Strukturen veränderten sich erheblich in diesem Zeitraum. Daher entsprach das ursprüngliche Verfahrensgebiet nicht mehr diesen aktuellen Anforderungen. So erstellte das DLR WW-OE in Abstimmung mit dem Vorstand der TG einen Neuentwurf eines Verfahrensgebietes mit entsprechender Wegeplanung, um im Wesentlichen die Kosten, mögliche Landabzüge und den Durchführungszeitraum zu ermitteln. In einer umfassenden Informationsveranstaltung am 17. Juli wurden dann die Teilnehmenden und Interessierten über das Ergebnis dieser Planungen, den möglichen Verfahrensablauf sowie über die Vorbereitung und Durchführung der Abstimmung durch den damaligen Projektleiter des DLR WW-OE, Herr Kohlhaas informiert. Dies war einer seiner letzten Amtshandlungen, bevor er sich dann ein paar Tage später in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedete. Nunmehr waren die betroffenen Teilnehmer gefordert, sich anhand dieser ausführlichen Informationen in drei Monaten ihre Meinung zu bilden, um dann über das Verfahren abzustimmen. Nachdem nun das eindeutige Votum gegen eine Flurbereinigung vorliegt, wird seitens des DLR WW-OE die formale Einstellung des Verfahrens vorbereitet und beschlossen. Es besteht danach noch die Möglichkeit, dagegen Rechtsmittel einzulegen.
Pressemitteilung der
TG Flurbereinigung Kell
